„Clarivate Citation Laureates“

Deutsche Mit-Favoriten gehen leer aus: Gen-Forscher gewinnen Medizin-Nobelpreis

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Der Nobelpreis für Medizin geht an zwei Wissenschaftler aus den USA: Victor Ambros und Gary Ruvkun setzen sich unter anderem gegen deutsche Konkurrenz durch.

Update vom 7. Oktober, 11.37 Uhr: Die Nobelversammlung am Karolinska Institutet hat beschlossen, den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2024 gemeinsam an Victor Ambros und Gary Ruvkun „für die Entdeckung der Mikro-RNA und ihre Rolle bei der posttranskriptionellen Genregulation“ zu verleihen.

1993 veröffentlichten sie unerwartete Erkenntnisse, die eine neue Ebene der Genregulation beschrieben, die sich als äußerst bedeutsam und im Laufe der Evolution konserviert herausstellte. „Ihre bahnbrechende Entdeckung offenbarte ein völlig neues Prinzip der Genregulierung, das sich als wesentlich für mehrzellige Organismen, einschließlich des Menschen, erwies“, so das Nobelkomitee in seiner Begründung. MicroRNAs erweise sich als grundlegend wichtig für die Entwicklung und Funktion von Organismen. Damit setzen sich die Genforscher unter anderem gegen zwei deutsche Mit-Favoriten durch.

Für ihren Beitrag zur Genforschung hat das Wissenschaftsduo Victor Ambros und Gary Ruvkun am Montag, 7. Oktober den Nobelpreis in Medizin verliehen bekommen. Die beiden US-Amerikaner legten mit der Entdeckung der Mikro-RNA einen wichtigen Teil der Genregulation auf.

Höchste Auszeichnung der Wissenschaft: Das sind die Favoriten für den Medizin-Nobelpreis

Erstmeldung vom 7. Oktober, 7.17 Uhr: Frankfurt – Anfang Oktober wird traditionell bekanntgegeben, wer die renommierten Nobelpreise des aktuellen Jahres erhält. Die Nobelwoche startet immer mit dem Nobelpreis für Medizin oder Physiologie, dienstags wird bekannt, wer den Physik-Nobelpreis erhält, mittwochs ist die Auszeichnung für Chemie an der Reihe, bevor donnerstags und freitags die Preisträger:innen in der Kategorie Literatur und für den Friedensnobelpreis bekanntgegeben werden. Am darauf folgenden Montag wird noch veröffentlicht, wer den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften erhält.

Der Medizin-Nobelpreis ist der erste in der Reihe, seine Preisträger:innen werden am Montag, dem 7. Oktober 2024 ab 11.30 Uhr verkündet. Wer für den Preis nominiert wurde, wird in der Regel nicht bekannt – es gibt im Vorfeld jedoch immer einige Hinweise, wer den Nobelpreis erhalten könnte. So waren 2023 beispielsweise Katalin Karikó und Drew Weissman für ihre Entwicklung von mRNA-Impfstoffen ausgezeichnet worden – eine Entwicklung, die in den Jahren zuvor dabei half, die Corona-Pandemie zu bekämpfen.

Wer bekommt den Nobelpreis für Medizin/Physiologie 2024? Liste nennt Favoriten

Die diesjährigen Würdenträger des Medizinnobelpreises: Victor Ambros und Gary Ruvkun. (Screenshot)

Jedes Jahr gibt der Medienkonzern Clarivate zudem seine Liste der „Clarivate Citation Laureates“ heraus. Sie listet die Namen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf, die aufgrund häufiger Zitierung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten als favorisiert für wichtige Wissenschaftspreise gelten. Im Bereich Medizin nennt die Liste für das Jahr 2024 sieben Namen, die drei Forschungsgebieten zugeordnet werden.

NobelpreisZeitpunkt der Bekanntgabe
Nobelpreis für Physiologie oder MedizinMontag, 7. Oktboer 2024, ab 11.30 Uhr
Nobelpreis für PhysikDienstag, 8. Oktober 2024, ab 11.45 Uhr
Nobelpreis für ChemieMittwoch, 9. Oktober 2024, ab 11.45 Uhr
Nobelpreis für LiteraturDonnerstag, 10. Oktober 2024, ab 13.00 Uhr
FriedensnobelpreisFreitag, 11. Oktober 2024, ab 11.00 Uhr
Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für WirtschaftswissenschaftenMontag, 14. Oktober 2024, ab 11.45 Uhr
Quelle: nobelprize.org

„Short List“ der Nobelpreise favorisiert sieben Forschende

„Für die Entdeckung der genomischen Prägung, die unser Verständnis der Epigenetik und der Entwicklung von Säugetieren verbessert hat“ werden Davor Solter (Max-Planck-Institut für Immunbiologie) und Azim Surani (University of Cambridge) genannt. Jonathan C. Cohen und Helen H. Hobbs (beide University of Texas) stehen „für die Erforschung der Genetik des Fettstoffwechsels, die zu neuen Medikamenten zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen geführt hat“ auf der Liste.

Wer den Nobelpreis erhält, erhält auch diese Medaille. (Archivbild)

Okihide Hikosaka (National Institutes of Health), Ann M. Graybiel (MIT) und Wolfram Schultz (University of Cambridge) werden „für physiologische Studien der Basalganglien, die für die motorische Kontrolle und das Verhalten einschließlich des Lernens von zentraler Bedeutung sind“ auf der Liste geführt.

Zwei Forscher mit deutschen Wurzeln sind Mit-Favoriten für den Medizin-Nobelpreis

Die Clarivate-Liste nennt auch zwei Forscher mit deutschen Wurzeln: Wolfram Schultz stammt aus Deutschland und forscht an der University of Cambrige in Großbritannien. Davor Solter ist emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg.

Die Nobelpreise

Seit dem Jahr 1901 werden die Nobelpreise jährlich vergeben. Gestiftet wurden sie vom schwedische Erfinder und Industriellen Alfred Nobel. An Nobels Todestag, dem 10. Dezember, werden die Preise verliehen. Der Nobelpreis wird in den Kategorie Medizin/Physiologie, Physik, Chemie, Literatur und Friedensnobelpreis vergeben. Der Alfred-Nobel-Gedächtnis­preis für Wirt­schafts­wissenschaften wird nach denselben Prinzipien wie die Nobelpreise vergeben, gehört jedoch nicht zu den ursprünglichen Preisen, die aus Nobels Testament hervorgehen.

Eine Garantie für einen Nobelpreis ist die Nennung auf der Liste der „Clarivate Citation Laureates“ nicht – seit die Liste im Jahr 2002 erstmals veröffentlicht wurde, wurden jedoch 75 der auf der Liste genannten Personen mit einem Nobelpreis ausgezeichnet. (tab)

Rubriklistenbild: © Steffen Trumpf/dpa

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