Folgen der Klimakrise

Deutsche Nationalparks leiden unter dem Klimawandel – Welche besonders gefährdet sind

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Luftverschmutzung, Temperaturanstieg und Rückgang der Baumkronen: Einige Nationalparks in Deutschland sind durch den Klimawandel besonders gefährdet.

Frankfurt – Vom Wattenmeer an der Nordsee bis in die Tiefen des Schwarzwaldes erstrecken sich 16 Nationalparks und weitgehend unberührte Natur auf einer Fläche von etwa einer Million Hektar in Deutschland, informiert das Bundesamt für Naturschutz. In diesen Gebieten soll sich die Natur „möglichst ungestört“ entwickeln.

Deshalb stehen Nationalparks unter besonderem Schutz. Die wirtschaftliche Nutzung der vorkommenden Ressourcen, etwa durch Land- oder Forstwirtschaft, ist in der Regel nicht erlaubt und nur unter strikten Vorgaben möglich. Doch der Klimawandel scheint vor den deutschen Naturoasen und beliebten Reisezielen nicht haltzumachen. Ein Überblick, welche am meisten gefährdet sind.

Nationalparks in Deutschland: Diese Gebiete sind besonders durch den Klimawandel gefährdet

Die Fundraising-Plattform RaiseNow hat dafür ein Ranking erstellt. Insgesamt 1,5 Millionen Datenpunkte zum Temperaturanstieg, Wetterextremen, Rückgang der Baumkronen sowie der Luftqualität in Nationalparks seien untersucht worden, hieß es in einer Mitteilung. Dabei beruft sich die Plattform unter anderem auf Daten des Deutschen Wetterdienstes, des Global Forest Watch und dem Umweltbundesamt.

Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben.
Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben. © dpa/NASA/AP
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer.
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer. © Felipe Dana/dpa
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen.
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen. © Urs Flueeler/dpa
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen.
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen. © Oscar Vilca/INAIGEM/afp
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden.
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden. © Urs Flueeler/dpa
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination.
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination. © Johannes Eisele/afp
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser.
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser. © Jonathan Nackstrand/afp
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt.
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt. © Fabrice Coffrini/afp
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien.
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien. © Peter Parks/afp
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten.
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten. © imago/Xinhua
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.  © NASA Earth Observatory/Jesse Allen und Robert Simmon/United States Geological Survey/dpa
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen.
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen. © Kay Nietfeld/dpa

Zudem seien Messungen an Stationen in oder in der Nähe der Nationalparks durchgeführt worden. Das Ergebnis: Besonders gefährdet sind das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer, die Sächsische Schweiz, der Kellerwald-Edersee und der Harz.

Nationalparks: Klimawandel gefährdet Wattenmeer und Sächsische Schweiz

Das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer ist mit mehr als 440.000 Hektar der größte Nationalpark der Bundesrepublik. Bei der Untersuchung wurde hier mit 2,4 Grad Celsius der höchste durchschnittliche Temperaturanstieg seit 1979 gemessen, im Schwarzwald sind es dagegen nur 0,8 Grad Celsius. Auch die Feinstaub-Belastung scheint hier höher zu sein als in anderen Nationalparks, hieß es weiter.

Zudem warnte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) im vergangenen Jahr immer wieder vor schweren Sturmfluten. Laut der Umweltorganisation WWF macht dem Wattenmeer auch der steigende Meeresspiegel zu schaffen. Inseln und Wattflächen drohen deshalb auf lange Sicht verloren zu gehen.

Wanderer im Nationalpark Kellerwald-Edersee: Der Nationalpark liegt im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg. Durch den Klimawandel scheint das Gebiet besonders gefährdet.

Besonders betroffen scheint auch die Sächsische Schweiz im Elbsandsteingebirge, die bei Reisenden immer wieder ein beliebtes Ziel ist. Den Daten zufolge sind die Baumkronen in dieser Region seit 2000 um 13 Prozent zurückgegangen. Der durchschnittliche Temperaturanstieg seit 1979 liegt bei 1,3 Grad. Zudem wurde hier die im Schnitt höchste Stickstoffdioxidbelastung seit 2016 gemessen (16,3 μg/m³). Das könnte laut RaiseNow an der Nähe zu Dresden liegen.

Klimawandel gefährdet Nationalparks: Kellerwald-Edersee und Harz auf Platz 3 und 4

Auch der Kellerwald-Edersee bei Kassel verzeichnete einen Rückgang der Baumkronen um 19 Prozent. Zwischen 2016 und 2022 wurde außerdem ein Anstieg der Ozonwerte von 12,67 Prozent gemessen. Damit schneidet der Kellerwald-Edersee in Hessen am drittschlechtesten ab.

Der Harz dagegen ist durch Stürme, Trockenheit und den Borkenkäfer gezeichnet. Der Untersuchung zufolge seien in den vergangenen 20 Jahren die Baumkronen um 39 Prozent zurückgegangen – so stark wie in keinem anderen Nationalpark Deutschlands. Die Stickstoffdioxid- und Feinstaubbelastung sei dagegen am niedrigsten. Laut Julius-Kühn-Institut können sich Schädlinge durch die steigenden Temperaturen infolge der Klimaerwärmung schneller vermehren und ausbreiten.

Diese Nationalparks in Deutschland sind laut RaiseNow am gefährdetsten:

  • 1. Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
  • 2. Sächsische Schweiz
  • 3. Kellerwald-Edersee
  • 4. Harz
  • 5. Bayerischer Wald
  • 6. Niedersächsisches Wattenmeer
  • 7. Hainich
  • 8. Eifel

Nationalparks in Deutschland gefährdet: Fachleute warnen vor Klimakrise

Die Fundraising-Plattform RaiseNow weist zwar darauf hin, dass nicht alle Ergebnisse ihrer Untersuchung in den Nationalparks ausschließlich auf den Klimawandel zurückzuführen seien. Fachleute warnen aber seit Jahren vor den Folgen der Klimakrise. Der Weltklimarat mahnte zuletzt, dass ohne drastische Schritte das 1,5 Grad-Ziel nicht erreicht werden kann.

Dürre, kranke Wälder, Hitzewellen und Überschwemmungen machen sich schon jetzt bemerkbar. Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) waren die vergangenen sieben Jahre die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Um Deutschlands Nationalparks zu schützen, sind laut WWF regionale Klimamaßnahmen notwendig. (kas)

Rubriklistenbild: © Uwe Zucchi/dpa

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