„Ungewöhnliches Ereignis

Polarlichter über Deutschland: Stärkster Sonnensturm seit 20 Jahren ließ den Himmel bunt leuchten

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Die Sonne wird immer aktiver und schickt Sonnenstürme Richtung Erde. Das sorgt für spektakuläre Polarlicht-Sichtungen in Deutschland und Europa.

Update vom 11. Mai, 14.30 Uhr: In der Nacht von Freitag auf Samstag (11. Mai) hat der stärkste Sonnensturm seit vielen Jahren die Erde getroffen. Die Folge: In ganz Deutschland und vielen anderen Ländern wurden am Himmel Polarlichter beobachtet. Ein Sturm der Kategorie G5 (extrem) habe das Erdmagnetfeld um 0.54 Uhr MESZ getroffen, teilte das Space Weather Prediction Center der US-amerikanischen Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA mit.

Spektakuläres Leuchten über Deutschland: Die schönsten Bilder aus den Polarlicht-Nächten

Abend des 10. Mai 2024 erreichte ein Sonnensturm G4 die Erde. Polarlichter am Brocken im Harz
Polarlichter vom Brocken im Harz aus.  © ARCHEOPIX/IMAGO
Polarlichter im Taunus Polarlichter sind am Himmel über der St. Gertrudis-Kapelle zu sehen., Schmitten Hessen
Intensives Leuchten auf dem Taunus in Hessen.  © Jan Eifert/IMAGO
Nordlichter - Polarlichter über Niedersachsen aufgenommen in Flecken Langwedel
Auch in Niedersachsen (hier Flecken Langwedel) war das bunte Farbspektakel der Polarlichter am Himmel zu sehen.  © Ingo Wächter/IMAGO
starke Nordlichter oder auch Polarlichter über, Wittlekofen im Schwarzwald
Aus Wittlekofen im Schwarzwald stammt dieses Bild der Polarlichter über Zentraleuropa.  © Andreas Haas/IMAGO
Striegistal - Polarlichter mit bloßem Auge zu sehen! Naturspektakel am Himmel über Sachsen
Diese beiden Nachteulen hatten im Striegistal in Sachsen perfekte Sicht auf die Polarlichter.  © Tim Meyer/IMAGO/EHL Media/
Polarlichter über Bonn, 10.5.2024 gesehen vom Petersberg in Königswinter
Auch in Bonn war das Leuchten der Polarlichter leicht zu erkennen.  © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Derix
Faszinierender Nordlichter Polarlichter: Hannover begeistert von Polarlichtphänomen auf dem Kronsberg Niedersachsen
Auch am Kronsberg in Hannover hielten Beobachter die Polarlichter am Himmel fotografisch fest.  © Martin Dziadek/IMAGO
naturphänomen Polarlichter über Berlin Deutschland, Polarlichter Nordlichter über der Hauptstadt
Kaum sichtbar für das bloße Auge, aber doch: die Polarlichter zeigten sich auch in der Bundeshauptstadt Berlin.  © Achille Abboud/IMAGO
Polarlichter sind am Freitagabend nach Einbruch der Dunkelheit auch in Baden-Württemberg bei Großerlach zu sehen Nordlichter
Rot leuchtende Polarlichter zu sehen über Großerlach in Baden-Württemberg.  © Alexander Wolf/IMAGO

Polarlicht über Deutschland: Der Himmel leuchtet rosa und grün

Einen Sonnensturm dieser Stärke konnte man zuletzt an Halloween im Jahr 2003 beobachten, so die Behörde. Damals kam es zu Stromausfällen in Schweden und beschädigten Transformatoren in Südafrika. Ob es dieses Mal Schäden gibt, ist bisher noch nicht bekannt.

Wer den leicht rosa und grün eingefärbten Himmel über Deutschland verpasst hat, für den hat das Space Weather Prediction Center der NOAA eine gute Nachricht: „Die geomagnetischen Stürme werden wahrscheinlich das ganze Wochenende über andauern, da mehrere zusätzliche erdgerichtete koronale Massenauswürfe unterwegs sind.“ Das heißt: Auch in der Nacht von Samstag (11. Mai) auf Sonntag (12. Mai) kann man möglicherweise wieder bunten Himmel bestaunen.

Polarlicht im April 2023 über dem Ostsseestrand bei Kiel.

Polarlicht in Deutschland: Gleich mehrere Sonnenstürme auf dem Weg zur Erde

Erstmeldung vom 10. Mai 2024: München – Die Sonne zeigt sich zunehmend aktiver, was sich unter anderem in den vermehrten Sichtungen von Polarlichtern in den letzten Monaten widerspiegelt. Kein Wunder: Der Höhepunkt des 11-jährigen Sonnenzyklus soll 2024 erreicht werden. Derzeit befindet sich auf der Sonne ein Cluster von Sonnenflecken, das etwa 16 Mal größer als die Erde ist. In den vergangenen Tagen hat es mindestens fünf koronale Massenauswürfe ausgelöst, die auf die Erde gerichtet sind. Das bedeutet: Derzeit steuern mindestens fünf Sonnenstürme auf die Erde zu, die Polarlicht verursachen können.

Dr. Tamitha Skov, eine Physikerin für Weltraumwetter, schreibt auf X (früher Twitter): „Es ist ein Sonnensturm-Zug! Wir haben nun fünf Stürme, die auf die Erde zusteuern.“ Sie geht davon aus, dass die Sonnenstürme das Magnetfeld der Erde zu unterschiedlichen Zeiten zwischen dem 10. und 12. Mai treffen werden. „Ausgedehntes Polarlicht ist möglich“, fügt sie hinzu.

Sonnenstürme können für Probleme und Polarlicht auf der Erde sorgen

Das Weltraumwetter-Vorhersagezentrum (SWPC) der US-amerikanischen Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA bezeichnet das Ganze als „ein ungewöhnliches Ereignis“. Aufgrund dessen hat das SWPC die Warnstufe 4 (severe) ausgerufen. Ein geomagnetischer Sturm dieser Kategorie könne auf der Erde zu weit verbreiteten Problemen mit der Spannungsregelung führen, wie das SWPC auf seiner Website angibt. Zusätzlich könne die Niederfrequenz-Funknavigation beeinträchtigt werden und Raumfahrzeuge könnten Korrekturen bei Orientierungsproblemen benötigen. Noch intensivere Sonnenstürme könnten sogar die Infrastruktur auf der Erde beschädigen.

Die Wahrscheinlichkeit für Polarlichter ist bei Sonnenstürmen der Kategorie 4 ebenfalls erhöht. Laut SWPC wurden bereits Polarlichter bis zum 45. Breitengrad gesichtet. Zum Vergleich: Die südlichsten Teile Deutschlands liegen etwa auf dem 47. Breitengrad. Daher könnte in den kommenden Tagen möglicherweise in ganz Deutschland und sogar etwas weiter südlich Polarlicht zu sehen sein.

Sonnensturm und Polarlicht – welchen Zusammenhang gibt es?

Aber wie hängen Sonnenstürme und Polarlicht zusammen? Die Sonne schleudert geladene Plasmawolken ins All. Wenn diese auf das Magnetfeld der Erde treffen, verformt es sich. Elektrisch geladene Teilchen können entlang der Feldlinien des Erdmagnetfelds tief in die Erdatmosphäre eindringen und dort Gasteilchen zum Leuchten bringen – das bunte Leuchten, das Polarlicht genannt wird, entsteht.

Normalerweise tritt dieses Farbspektakel in der Nähe der Pole auf. Je stärker jedoch ein Sonnensturm ist, desto weiter entfernt vom Pol kann dieses Himmelsschauspiel beobachtet werden. Polarlicht wird auch Aurora genannt – im Norden Aurora Borealis (Nordlicht) und rund um den Südpol Aurora Australis (Südlicht).

Polarlicht beobachten: Der Himmel muss dunkel und klar sein

Um Polarlicht beobachten zu können, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Das wichtigste Kriterium ist, dass der Sonnensturm die Erde unter den richtigen Bedingungen trifft. Das Thema ist komplex – im Polarlicht-Forum des Arbeitskreises Meteore e.V. erfährt man in der Regel schnell, wenn in Deutschland Polarlicht gesichtet wurde. Damit das Polarlicht überhaupt sichtbar ist, müssen einige weitere Bedingungen stimmen. Das bedeutet:

  • Der Himmel muss dunkel sein (je weniger Licht, desto besser).
  • Der Himmel muss klar und die Sicht frei sein (Wolken oder Bebauung verdecken das Polarlicht).
  • Der Blick muss nach Norden gerichtet sein (im hohen Norden tanzt das Polarlicht hoch am Himmel, je weiter man sich im Süden befindet, desto tiefer im Norden ist es in der Regel zu sehen).
  • Die Augen müssen an die Dunkelheit gewöhnt sein (die sogenannte Dunkeladaption kann bis zu 20 Minuten dauern – schon ein kurzer Blick auf ein Handy- oder Kameradisplay kann sie zunichtemachen).

Polarlicht fotografieren: Wie man das Farbspektakel im Foto festhält

Selbst wenn alle Bedingungen erfüllt sind, kann es sein, dass das Auge kein Polarlicht wahrnimmt. Das ist jedoch kein Grund, aufzugeben: Eine Kamera kann auch Polarlicht erkennen, das für das bloße Auge nicht sichtbar ist. Dafür benötigt man eine Kamera, die lange belichten kann und bei der der ISO-Wert manuell eingestellt werden kann. Außerdem ist ein Stativ erforderlich, da bei langer Belichtungszeit das Motiv sonst verwackelt. Der Arbeitskreis Meteore e.V. hat auf seiner Website Tipps zur Fotografie von Polarlicht veröffentlicht und gibt dort auch Empfehlungen für Kameraeinstellungen. (tab)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Peter

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