Viermal größer als Berlin

Weltgrößter Eisberg A23a nimmt „schnell“ Fahrt auf – mit möglicherweise verheerenden Folgen

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Fachleute vermuten, dass der aktuell größte Eisberg der Welt ein ähnliches Schicksal erfahren wird, wie seine Vorgänger. Mit Konsequenzen für Mensch und Tier.

Frankfurt – Er ist ein echter Koloss. Der Eisberg A23a ist laut der Weltraumagentur Esa der größte Eisberg der Welt. Er ist mehr als viermal so groß wie Berlin, umfasst um die 4000 Quadratkilometer. Nach über vier Jahrzehnten hat er sich vom Meeresboden in der westlichen Antarktis abgelöst und treibt nun seit 2020 im sogenannten Weddellmeer.

Jetzt aber hat A23a, angetrieben von Winden und Strömungen, einen Spurt hingelegt und bewegt sich plötzlich vergleichsweise „schnell“ weg von den antarktischen Gewässern, wie die Esa nach Auswertung von Satellitenbildern erklärt. Doch was hat das für Folgen?

Ein Satellitenbild des größten Eisbergs der Welt mit der Bezeichnung A23a vom 15. November 2023.

Größter Eisberg der Welt nimmt Fahrt auf: Was bedeutet das?

Das Ziel des kolossalen Eisbergs ist demnach wahrscheinlich der Südatlantik, genauer: Die Südgeorgischen Inseln. Dort landen die meisten Eisberge aus dem sogenannten Wedell-Sektor der Arktis, wie die Esa berichtet. So erging es beispielsweise auch dem zuvor weltgrößten Eisberg A-76.

Name A23a
Fläche4000 Quadratkilometer
Dicke400 Meter
Quelle: Esa

Stefanie Arndt, Meereisphysikerin am Alfred-Wegener-Institut, erklärte im Gespräch mit dem SWR, was nun mit dem größten Eisberg der Welt passiert. „Da er jetzt in wärmere Gewässer gedriftet ist, wird er da jetzt von unten nach und nach abschmelzen und natürlich besteht zusätzlich die Möglichkeit, dass er immer instabiler wird.“ Das bedeute in der Konsequenz, dass er in mehrere Teile zerbrechen und schließlich nicht mehr der größte Eisberg der Welt sein könnte.

Die Auswirkungen sind enorm. Zum einen könnte er sehr wahrscheinlich wieder auf Grund laufen. „Dann wird er alleine Ökosysteme deswegen zerstören, wenn er am Boden entlang ratscht.“ Es gebe eine relative große Artenvielfalt am Meeresboden, die dadurch zerstört werde, erklärt die Meereisphysikerin. Erst im August 2023 rammte ein Eisberg auf Wanderschaft Pinguin-Refugium in der Antarktis.

Der Koloss A23a: Welche Auswirkungen der Spurt des Eisbergs hat

Die riesige Menge an Frischwasser, die der Eisberg nach und nach verliert, trage außerdem dazu bei, dass sich die Schichtung im Südatlantik verändere. Denn das Frischwasser enthalte beispielsweise wesentlich weniger Nährstoffe. „Das hat dann auch einen Einfluss auf das Ökosystem und die Tiere, die dort im Wasser leben“, erklärt Arndt.

Auch der Gletscherforscher am British Antarctic Survey, Oliver Marsh, hat sich mit den Folgen der Ablösung von A23a beschäftigt. „Ein Eisberg dieses Ausmaßes hat das Potenzial, im Südlichen Ozean ziemlich lange zu überleben, obwohl es dort viel wärmer ist, und er könnte weiter nach Norden in Richtung Südafrika vordringen, wo er den Schiffsverkehr stören könnte“, so Marsh gegenüber Reuters. (slo)

Rubriklistenbild: © NASA/Imago

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