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Ein Forschungsteam meldet einen ungewöhnlichen Fund: eine umgekippte Erdplatte tief im Mittelmeer. Die Entdeckung könnte die Erklärung für tiefe Erdbeben liefern.
München – Die geologische Vergangenheit des Mittelmeers ist faszinierend. Es ist ein Relikt des prähistorischen Ozeans Tethys, der während der Ära des Superkontinents Pangäa existierte. Im östlichen Mittelmeer wurde die älteste ozeanische Erdkruste der Welt entdeckt, die an einigen Stellen mehr als 300 Millionen Jahre alt ist. Im Laufe der Jahrhunderte trocknete das Mittelmeer mehrmals aus und wurde durch das Einströmen von Atlantikwasser über die Straße von Gibraltar wieder aufgefüllt. Es besteht die Möglichkeit, dass der Atlantik eines Tages über die Meerenge bei Gibraltar schrumpfen könnte.
Zwei tektonische Platten, die Afrikanische und die Eurasische, treffen im Mittelmeer aufeinander. Eine aktuelle Studie offenbart die geologische Komplexität des Mittelmeers. Ein Forschungsteam hat dort nämlich eine „umgekippte“ Erdplatte entdeckt. Dieser Fund war eher zufällig: Daoyuan Sun (University of Science and Technology of China) und Meghan S. Miller (Australian National University) analysierten die seismologischen Daten eines Erdbebens der Stärke 6,3, das 2010 Granada und Südspanien erschütterte.
Tief im Mittelmeer verbirgt sich eine „umgekippte“ Erdplatte
Sun erklärt: „Wir wollten die Wellenformen lediglich aus Neugier aufzeichnen, da man aus einzelnen Wellenformen sehr viel lernen kann, wenn man sich die Zeit nimmt, sie genau zu betrachten“. Während ihrer Untersuchung stießen der Forscher und die Forscherin jedoch auf etwas Ungewöhnliches: „Bei der Untersuchung beobachteten wir diese seltsamen Ankünfte, einschließlich der langen Coda und der zusätzlichen Phase“, berichtet Sun. In der Seismologie bezeichnet die Coda den „Schwanz“ des Seismogramms, der das Nachbeben der Erde nach dem Hauptbeben darstellt.
Die Forscher bemerkten, dass die Coda ungewöhnlich lange andauerte. Zudem gab es Hinweise auf eine spät eintreffende zusätzliche P-Wellenphase. P-Wellen sind Primärwellen, die sich sowohl in festem Gestein als auch in Flüssigkeiten ausbreiten können.
Umgekippte Erdplatte ist für seltsame Bebenwelle verantwortlich
In ihrer im Fachjournal The Seismic Record veröffentlichten Studie kommen Sun und Miller zu dem Schluss, dass die beobachteten Phänomene am besten durch eine Schicht erklärt werden können, die seismische Wellen verlangsamt und absorbiert, eine sogenannte „low-velocity zone“. Sun erklärt in einer Mitteilung: „Durch die Modellierung der detaillierten Wellenformen sind wir in der Lage, die Niedriggeschwindigkeitsschicht unterhalb der Plattenoberfläche abzubilden, die nach Nordosten abfällt, im Gegensatz zu einer normalen subduzierten Platte mit einer Niedriggeschwindigkeitsschicht auf der Plattenoberfläche“.
Sun fügt hinzu: „Diese merkwürdige Erscheinung zwischen der Platte und der Niedriggeschwindigkeitsschicht deutet auf die umgestürzte Alboran-Platte hin“. Er und seine Kollegin vermuten, dass ein in den Erdmantel gedrücktes Stück Erdkruste, die sogenannte Alboran-Platte, für die ungewöhnliche Bebenwelle verantwortlich ist. Diese Platte taucht in der westlichen Mittelmeerregion an einer Verwerfung in die Tiefe ab. Die Forscher erläutern in ihrer Studie, dass die Erdplatte nicht vertikal steht oder steil abfällt, sondern dass sie komplett umgekippt ist.
Blick auf tektonische Platten
Immer wieder gelingt es der Forschung, tektonische Platten zu entdecken. So ging es einer Forscherin, die eine fast versunkene tektonische Platte aufgespürt hat. Ein anderes Forschungsteam hat festgestellt, dass eine tektonische Platte unter dem Pazifik auseinandergerissen wird. Und auch der afrikanische Kontinent könnte in zwei Teile zerrissen werden.
Umgekippte Erdplatte könnte auch tiefe Erdbeben in Spanien erklären
Das Forschungsteam vermutet, dass die Platte schnell in den Erdmantel abgetaucht und umgedreht wurde, sodass das Wasser, das die Platte bei ihrem Auftauchen an der Oberfläche trug, sich nun unter der Platte befindet. Die Niedriggeschwindigkeitsschicht könnte auch der Grund für ungewöhnlich tiefe spanische Erdbeben – wie das von der Forschungsgruppe untersuchte Beben bei Granada – sein. Sun weist darauf hin, dass wasserhaltige Magnesiumsilikate in 600 Kilometern Tiefe Wasser führen. Wenn die Silikate austrocknen, können sie spröde werden – und tiefe Erdbeben auslösen. (tab)
Die Redakteurin hat diesen Artikel verfasst und anschließend zur Optimierung nach eigenem Ermessen ein KI-Sprachmodell eingesetzt. Alle Informationen wurden sorgfältig überprüft. Hier erfahren Sie mehr über unsere KI-Prinzipien.
