VonPamela Dörhöferschließen
Die Mission der europäischen Weltraumorganisation Esa zur planetaren Verteidigung ist von Cape Canaveral aus ins All gestartet.
Darmstadt – Im Kontrollzentrum der europäischen Weltraumorganisation Esa in Darmstadt flossen am späten Nachmittag und frühen Abend des 7. Oktober bei einigen gleich mehrfach die Tränen: vor Erleichterung und Freude über den makellosen Start, der die Mission Hera auf den Weg brachte, über die geglückte Abtrennung von der Rakete und schließlich über das erlösende Signal, dass das Funktionieren der Raumsonde anzeigte. „Ein Traum wird wahr“, freute sich sichtlich bewegt Andrea Accomazzo, bei der Esa für Missionen im Sonnensystem zuständig.
Esa-Raumsonde fliegt zum Asteroiden Dimorphos
Die Esa-Mission zur Abwehr von Gefahren aus dem All – konkret in Form eines Asteroiden – war am Montag um 10.52 Uhr Ortszeit (16.52 Uhr mitteleuropäischer Zeit) von Cape Canaveral in Florida aus an Bord einer Falcon X-Rakete des privaten US-Raumfahrtunternehmens Space X ins All gestartet. Hera ist der europäische Part des gemeinsamen Projekts Aida mit der US-amerikanischen Raumfahrtagentur Nasa zur planetaren Verteidigung.
Die Raumsonde, die etwa so groß wie ein Auto ist, und zwei mitgereiste Kleinsatelliten fliegen zum elf Millionen Kilometer entfernten Doppelasteroiden Didymos/Dimorphos. Der Start brachte Hera auf eine direkte Abflugbahn von der Erde weg. Im März 2025 folgt ein Vorbeiflug am Mars, dessen Mond Deimos bei diesem Manöver vermessen wird, im Herbst 2026 schließlich ist die Ankunft am Zielort geplant.
Nasa-Sonde schlug vor zwei Jahren auf dem Asteroiden ein – Hera soll nun nachschauen
Dort soll Hera prüfen, welche Effekte der Einschlag der Nasa-Sonde Dart am 26. September 2022 auf Dimorphos hatte. Mit dem gezielten Impakt sollte der kleinere der beiden Asteroiden vom Kurs abgebracht werden; es war das erste Mal überhaupt, dass ein Himmelskörper durch menschliches Tun bewegt wurde. Beobachtungen von der Erde legen nahe, dass es Dart gelungen ist, die Umlaufzeit von Dimorphos um 33 Minuten – fast fünf Prozent seines ursprünglichen Wertes – zu verkleinern und gleichzeitig eine tausende Kilometer weit reichende Trümmerwolke freizusetzen.
Doch es gibt noch viele Unbekannte, die von Hera zu klären sind – damit aus der „kinetischen Impakt-Methode“ eine zuverlässige und bei Bedarf wiederholbare Technik zur Abwehr von Gefahren aus dem All werden kann. Unter anderem soll Hera untersuchen, wie groß der durch den Einschlag entstandene Krater ist und ob sich der Asteroid verformt hat. Hera sei „ein mutiger Schritt, um das Engagement der Esa im Bereich der Planetenverteidigung zu verstärken“, sagte Esa-Generaldirektor Josef Aschbacher. Es gehe darum, eine Technik zu entwickeln und einsatzfähig zu machen, „auf die sich jeder Mensch einmal verlassen kann“. (pam)
Rubriklistenbild: © AFP

