Krebs und Umweltfaktoren

Feinstaub häufige Ursache für Tod durch Lungenkrebs – Forscherin fordert strengere Maßnahmen

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Schlechte Luft im indischen Neu-Delhi.
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Luftverschmutzung trägt dazu bei, dass auch immer mehr Menschen an Lungenkrebs erkranken, die nicht rauchen.

Frankfurt – Risikofaktoren für Lungenkrebs – da dürfte wohl jeder zuerst an das Rauchen denken. Das ist auch richtig: Tabakkonsum zeichnet für ein Drittel der weltweiten Todesfälle durch Lungenkrebs verantwortlich, auch wenn die Zahl der Raucherinnen und Raucher deutlich gesunken ist. Aber bereits an zweiter Stelle folgt Luftverschmutzung – und zwar zunehmend durch Feinstaub. Auf ihr Konto geht mittlerweile jeder fünfte Todesfall durch Lungenkrebs, und sie ist auch die Ursache, dass immer mehr Menschen, die nicht rauchen, erkranken. Das sind die Ergebnisse zweier kürzlich veröffentlichter Studien.

Die erste stammt von Forschenden des Krebszentrums der Miller School of Medicine Miami und wurde im Fachmagazin The Lancet eclinicalmedicine publiziert. Das Team um den Onkologen Gilberto Lopes analysierte dafür Zahlen zu Luftröhren-, Bronchial- und Lungenkrebs aus der Zeit von 1990 bis 2019 in den zehn bevölkerungsreichsten Ländern. Als Quelle diente die Datenbank „Global Burden of Disease“.

Hohe Rate an Lungenkrebs-Toten in China

Zunächst erkannten die Forschenden einen positiven Trend: Die Zahl der Todesfälle durch Lungenkrebs ging seit 1990 zurück, wenn auch nur um acht Prozent – und ausschließlich bei Männern, während sie bei Frauen stieg. Gleichwohl machen Männer nach wie vor drei Viertel der Lungenkrebstoten aus. In den USA sank die Sterberate um 30 Prozent, auch in Brasilien, Russland, Bangladesch und Mexiko ging sie zurück. In China hingegen, das die traurige Spitzenposition unter den zehn Ländern belegt, stieg sie, ebenso in Indien, Indonesien, Pakistan und Nigeria.

Rauchen bleibt der Risikofaktor Nummer eins für Lungenkrebs, auch wenn der Anteil der damit in Zusammenhang stehenden Todesfälle von 72 Prozent auf 66 Prozent zurückging. Gleichzeitig stiegen allerdings die Todesfälle, die mit Feinstaub in der Außenluft in Verbindung gebracht werden, um elf Prozent. In China war die Rate dabei doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt. Zurückgegangen hingegen ist der Anteil der Lungenkrebstodesfälle, die von der Verwendung fossiler Brennstoffe im Haushalt herrühren, etwa beim Kochen mit Kohle oder Holz, wie es in einigen Ländern Asiens praktiziert wird.

Weltweit sollen fast 20 Prozent der Todesfälle durch Lungenkrebs mit Luftverschmutzung zusammenhängen

Insgesamt sollen weltweit fast 20 Prozent der Todesfälle durch Lungenkrebs auf Luftverschmutzung unterschiedlichster Art zurückgehen. Die Onkologin Estelamari Rodriguez, Mitglied des Forschungsteams, fordert deshalb strengere globale Maßnahmen, um „dieser wachsenden Bedrohung zu begegnen“.

Die zweite Studie stammt von der Internationalen Agentur für Krebsforschung, der Weltgesundheitsorganisation und basiert auf Daten des Global Cancer Observatory. Erschienen ist sie im Fachmagazin Lancet Respiratory Medicine. Demnach dominiert bei den vier Subtypen von Lungenkrebs mittlerweile jene, die auch bei Menschen auftritt, die nicht rauchen: das Adenokarzinom. Bei Lungenkrebs wird zwischen den Zelltypen unterschieden, aus denen der Tumor hervorgeht. Beim Adenokarzinom sind es die schleimbildenden Zellen. Als häufigste Form von Lungenkrebs sind 45,6 Prozent der Patienten und 59,7 Prozent der Patientinnen davon betroffen.

Typischer „Raucherkrebs“ ist bei Männern gesunken, bei Frauen leicht gestiegen

Das Plattenepithelkarzinom hingegen, ein typischer „Raucherkrebs“, ist bei Männern deutlich auf einen Anteil von 29,4 Prozent gesunken. Bei Frauen sind es 17,1 Prozent, was allerdings einem leichten Anstieg entspricht. Der leitende Studienautor Freddie Bray führt den Rückgang des Plattenepithelkarzinoms auf die sinkende Zahl der Menschen, die rauchen, zurück.

Auch die Zusammensetzung der Zigaretten könne eine Rolle spielen. Früher wurde häufiger ohne Filter geraucht, Zigaretten enthielten mehr Teer. Sie wurden deshalb weniger stark inhaliert, was zu Krebserkrankungen in anderen Abschnitten der Lunge als beim Adenokarzinom führte.

Bei Menschen, die nicht rauchen, ist das Adenokarzinom mit Abstand der häufigste Lungenkrebs, besonders oft betroffen sind Frauen in Asien. Freddy Bray sieht als Hauptauslöser dieser Entwicklung die Belastung der Luft mit Feinstaub an. Dieser gerät beim Einatmen tief in die Lunge, dort, wo sich Adenokarzinome bilden können. (pam)

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