Enterobacter bugadensis

Nasa-Forschungsteam entdeckt mutierte Bakterien auf der ISS, die es auf der Erde nicht gibt

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Die Bakterien auf der ISS sind im Vergleich zu Bakterien auf der Erde mutiert. (Symbolbild)
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Ein Forschungsteam der Nasa hat Bakterien auf der ISS untersucht. Die Ergebnisse könnten neue Ansätze zur Bekämpfung von Krankheitserregern liefern.

Pasadena – Dinge, die ins Weltall geschickt werden, werden meist desinfiziert, um möglichst steril dort anzukommen und keine irdischen Bakterien mitzubringen. Für Menschen, die zur Internationalen Raumstation ISS fliegen, gilt das natürlich nicht – denn wo Menschen sind, gibt es Bakterien, das lässt sich nicht verhindern. Durch eine Quarantäne wird nur versucht, Krankheitserreger von der Raumstation fernzuhalten. Trotzdem haben sämtliche Astronautinnen und Astronauten, die die ISS in ihren mehr als 25 Jahren besucht haben, Keime mitgebracht.

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Kasthuri Venkateswaran vom Jet Propulsion Laboratory der US-Raumfahrtorganisation Nasa hat nun Bakterien untersucht, die auf der ISS entdeckt wurden. Im Fokus standen Stämme von Enterobacter bugadensis, einem Bakterium, das nur dann Krankheiten auslöst, wenn der Wirt bereits krank oder immungeschwächt ist. Dieses Bakterium ist multiresistent und kann nicht mehr effektiv mit Antibiotika bekämpft werden. Daher ist es für die Forschung von großer Bedeutung zu verstehen, wie sich das Bakterium unter den Bedingungen auf der ISS verhält.

Bakterium Enterobacter bugadensis verändert sich in der Schwerelosigkeit der ISS

Auf der Raumstation herrscht Schwerelosigkeit, eine hohe Strahlung und ein hoher Kohlendixodgehalt. Dazu kommen fehlendes Sonnenlicht und Enge. Wie entwickelt sich ein Bakterium unter diesen Bedingungen? Das Forschungsteam hat 13 Stämme von Enterobacter bugadensis auf der Raumstation gefunden. Bei einer detaillierten genetischen Analyse stellte sich heraus, dass diese Stämme im Vergleich zu ihren irdischen Verwandten mutiert sind.

„Wir haben in unserer Studie bestimmte Gene identifiziert, die ausschließlich in Organismen vorkommen, die mit der ISS assoziiert sind, aber nicht in ihrem terrestrischen Gegenstück“, so die Autoren in ihrer Studie. Es gibt also keine vergleichbaren Bakterien auf der Erde. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Microbiome veröffentlicht.

Bakterium mutiert an Bord der ISS – Anpassung an die Schwerelosigkeit

Die Anpassung der Bakterien an die Bedingungen im Weltraum könnte neue Wege zur Bekämpfung von Krankheitserregern aufzeigen. So könnte die Anpassung an die Schwerelosigkeit eine Schwachstelle der Bakterien offenbaren. „Diese Gene könnten als wertvolle Ziele für Therapeutika gegen pathogene Mikroorganismen in der einzigartigen Umgebung der ISS dienen“, ist das Forschungsteam überzeugt.

Die Stämme von Enterobacter bugadensis sind auf der Raumstation in eine Gemeinschaft von vielen verschiedenen Bakterien eingebunden. In einigen Fällen könnten sie sogar anderen Bakterien geholfen haben, im Weltraum zu überleben, vermuten die Forscher. (tab)

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