Forschung in der Schwerelosigkeit

Gibt es Bakterien außerhalb der ISS? Nasa-Astronauten sollen nachschauen

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Der Nasa-Astronaut Victor Glover testet in einem riesigen Schwimmbecken und an einem Modell der Internationalen Raumstation ISS, wie man am besten Bakterienproben außerhalb der ISS sammelt. (Archivbild)
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Bakterien sind überall dort, wo Menschen sind – auch im All. Ihre Ausbreitung auf der ISS wird streng kontrolliert. Das ist wichtig für kommende Mars-Missionen.

Washington D.C. – Mikroben sind überall dort zu finden, wo Menschen leben. Dies ist unvermeidlich, da Mikroorganismen sowohl auf als auch im menschlichen Körper existieren. Diese „Gemeinschaft“ von Mikroorganismen wird als menschliches Mikrobiom bezeichnet. Es umfasst hauptsächlich Bakterien, aber auch Pilze und Viren und ist unter anderem im Mund, Darm, auf der Haut und in den Augen zu finden.

Auf der Internationalen Raumstation ISS leben zahlreiche Bakterien

Auch auf der Internationalen Raumstation ISS sind Mikroben ein wichtiges Thema. Das Mikrobiologie-Labor des Johnson Space Center der US-Raumfahrtorganisation Nasa dokumentiert genau, welche Bakterien sich auf der Raumstation befinden und welche Mikroben durch neue Astronaut:innen oder Fracht zur ISS gelangen. „Wir können und wollen nicht alles sterilisieren, was wir in den Weltraum schicken, aber wir tun viel, um zu verhindern, dass potenzielle Krankheitserreger auf die Station gelangen“, betont die Nasa-Mikrobiologin Sarah Wallace.

Die Expertin fügt hinzu: „Beim Start haben die Fracht, die Lebensmittel, die Fahrzeuge und die Crewmitglieder jeweils ihr eigenes Mikrobiom. Wenn alles auf der Raumstation ankommt, werden diese Mikrobiome Teil des Mikrobioms der Raumstation.“ Früher mussten die Astronauten Proben von Mikroben aus der Luft, von Oberflächen und aus dem Wasser der Station sammeln und kultivieren. Diese Kulturen wurden später zurück zur Erde transportiert und dort analysiert, um festzustellen, welche Bakterien an Bord sind.

Nasa untersucht, welche Mikroben sich an Bord der ISS befinden

Neue Geräte machen diesen Prozess inzwischen einfacher. Auf der ISS können die Proben nun direkt analysiert werden, ohne dass aufwendig Kulturen angelegt oder zur Erde zurückgeschickt werden müssen. Dies ist entscheidend für die Gesundheit der Menschen an Bord, da sich Krankheitserreger in der beengten Umgebung der Raumstation schnell ausbreiten könnten. Die Forschung ist auch für zukünftige Missionen zu anderen Himmelskörpern wie dem Mond oder Mars von Bedeutung.

Besonders bei langen Reisen zum Mars könnte es problematisch werden, wenn die Crew sich mit eingeschleppten Krankheitserregern infiziert. Auch auf dem Mond oder Mars spielen Mikroben eine wesentliche Rolle: „Wenn Forscher mikrobielles Leben auf einem anderen Planeten entdecken, müssen sie wissen, ob es schon zuvor dort war oder von der Erde kam“, betont die Nasa, der es grundsätzlich wichtig ist, dass fremde Himmelskörper nicht mit irdischen Mikroben kontaminiert werden. Deshalb werden Raumsonden vor dem Start gründlich desinfiziert.

Können Mikroben durch Weltraumstrahlung gefährlich werden?

Langfristige Studien zu Mikroben werden ebenfalls auf der Raumstation durchgeführt. Dabei wird untersucht, ob Mikroben durch Schwerelosigkeit oder Weltraumstrahlung gefährlich werden könnten. Fachleute befürchten, dass mutierte Mikroben im All eine Bedrohung für Astronauten darstellen könnten. Am 30. Januar 2025 sollen die Nasa-Astronauten Suni Williams und ihr Kollege Butch Wilmore bei einem Außenbordeinsatz Proben von außerhalb der Raumstation nehmen. Es soll so geprüft werden, ob und wie viele Mikroorganismen in der Nähe des Lebenserhaltungssystems im Weltraum existieren.

Diese Untersuchungen sind nicht nur für die ISS relevant, sondern auch für die Forschung auf der Erde. Extremophile, Mikroorganismen, die unter extremen Bedingungen überleben, sind auch für die Pharmazie und Landwirtschaft von großem Interesse. (tab)

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