Mondtäuschung

Warum der Vollmond am Himmel manchmal besonders groß erscheint

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Manchmal erscheint der Vollmond am Himmel riesig – ein spektakulärer Anblick. Die Mondtäuschung versucht zu erklären, warum Sie Ihren Augen manchmal nicht trauen können.

Frankfurt – Es gibt Tage, da scheint der Mond viel größer zu sein als normalerweise. Das Phänomen ist vor allem dann zu beobachten, wenn der Mond gerade aufgegangen oder im Untergang begriffen ist – wenn er also tief am Himmel steht. Vor allem rund um Vollmond ist der Anblick des riesigen Mondes häufig spektakulär. Doch warum erscheint der Mond manchmal riesengroß, andere Male dagegen regelrecht klein?

Die Antwort ist komplizierter, als man vermuten mag – und hat nichts mit dem Supermond zu tun. Tatsächlich gibt es bis heute noch keine wissenschaftlich komplett überzeugende Antwort auf die Frage, warum der Mond manchmal größer wirkt – und das, obwohl die Menschheit den Mond bereits seit tausenden Jahren beobachtet. Klar ist, dass hinter dem riesengroß wirkenden Mond ein Phänomen namens Mondtäuschung steckt. Es hat damit zu tun, wie das Gehirn visuelle Informationen verarbeitet – dabei entsteht die Illusion des riesigen Monds.

Der Supermond geht auf – die schönsten Bilder des Himmelsphänomens

Mehrmals im Jahr steht ein sogenannter „Supermond“ am Himmel. Doch was hat es mit dem Phänomen auf sich? Was steckt dahinter und wie kann man den Supermond beobachten? Ein Überblick.
Mehrmals im Jahr steht ein sogenannter „Supermond“ am Himmel. Doch was hat es mit dem Phänomen auf sich? Was steckt dahinter und wie kann man den Supermond beobachten? Ein Überblick. © imago/UPI Photo
Der Begriff „Supermond“ stammt ursprünglich aus der Astrologie. Der US-Astrologe Richard Nolle prägte den Begriff 1979. Gemeint ist damit ein Vollmond, der maximal 367.600 Kilometer von der Erde entfernt ist.
Der Begriff „Supermond“ stammt ursprünglich aus der Astrologie. Der US-Astrologe Richard Nolle prägte den Begriff 1979. Gemeint ist damit ein Vollmond, der maximal 367.600 Kilometer von der Erde entfernt ist. © Ludìk Peøina/dpa
In der Astronomie gibt es den Begriff Supermond nicht. Wenn man das Phänomen astronomisch beschreiben will, würde man andere Begriffe verwenden: Die Vollmondphase des Monds findet in der Nähe des Perigäums (erdnächster Punkt der Umlaufbahn) statt.
In der Astronomie gibt es den Begriff Supermond nicht. Wenn man das Phänomen astronomisch beschreiben will, würde man andere Begriffe verwenden: Die Vollmondphase des Monds findet in der Nähe des Perigäums (erdnächster Punkt der Umlaufbahn) statt. © J. David Ake/dpa
Doch egal ob Astrologie oder Astronomie: Geübte Beobachtende können das Phänomen Supermond am Himmel tatsächlich erkennen. Der nahe Vollmond wirkt nämlich laut Berechnungen der US-Raumfahrtorganisation Nasa bis zu 14 Prozent größer als ein „normaler“ Vollmond.
Doch egal ob Astrologie oder Astronomie: Geübte Beobachtende können das Phänomen Supermond am Himmel tatsächlich erkennen. Der nahe Vollmond wirkt nämlich laut Berechnungen der US-Raumfahrtorganisation Nasa bis zu 14 Prozent größer als ein „normaler“ Vollmond. © Marijan Murat/dpa
Der Supermond strahlt auch heller als ein „gewöhnlicher“ Vollmond – und zwar bis zu 30 Prozent heller. Das liege daran, dass die Mondoberfläche größer erscheine und so mehr Mondlicht die Erde erreiche, heißt es bei der Nasa.
Der Supermond strahlt auch heller als ein „gewöhnlicher“ Vollmond – und zwar bis zu 30 Prozent heller. Das liege daran, dass die Mondoberfläche größer erscheine und so mehr Mondlicht die Erde erreiche, heißt es bei der Nasa. © Angelos Tzortzinis/dpa
Den meisten Beobachtenden dürfte es trotzdem nicht leicht fallen, einzuschätzen ob der Supermond nun tatsächlich heller und größer erscheint – es fehlt schlicht und ergreifend ein Größenvergleich. Dazu kommt ein weiteres Mond-Phänomen, die sogenannte „Mondtäuschung“.
Den meisten Beobachtenden dürfte es trotzdem nicht leicht fallen, einzuschätzen ob der Supermond nun tatsächlich heller und größer erscheint – es fehlt schlicht und ergreifend ein Größenvergleich. Dazu kommt ein weiteres Mond-Phänomen, die sogenannte „Mondtäuschung“. © Emrah Gurel/dpa
Die Mondtäuschung tritt nicht nur beim Supermond auf, sondern kann in jeder Mondphase – besonders häufig beim Vollmond – zu beobachten sein. Befindet sich der Mond noch tief am Himmel und befinden sich Objekte in seiner Nähe, scheint er deutlich größer zu wirken. Die Hintergründe sind bis heute nicht ganz aufgeklärt.
Die Mondtäuschung tritt nicht nur beim Supermond auf, sondern kann in jeder Mondphase – besonders häufig beim Vollmond – zu beobachten sein. Befindet sich der Mond noch tief am Himmel und befinden sich Objekte in seiner Nähe, scheint er deutlich größer zu wirken. Die Hintergründe sind bis heute nicht ganz aufgeklärt. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Fest steht jedoch eins: Visiert man mit einer Kamera den Mond an, der durch die Mondtäuschung größer wirkt, dann erhält er durch den Blick durch die Kamera seine eigentliche Größe zurück.
Fest steht jedoch eins: Visiert man mit einer Kamera den Mond an, der durch die Mondtäuschung größer wirkt, dann erhält er durch den Blick durch die Kamera seine eigentliche Größe zurück. © dpa/Ukrinform
Bilder, auf denen der Mond im Vergleich zu Gegenständen oder Personen riesig wirkt, sind ein fotografischer Trick, bei dem der Mond herangezoomt wird.
Bilder, auf denen der Mond im Vergleich zu Gegenständen oder Personen riesig wirkt, sind ein fotografischer Trick, bei dem der Mond herangezoomt wird. © Patrick Pleul/dpa
Doch wie kommt das Phänomen Supermond eigentlich zustande? Hintergrund ist die elliptische Umlaufbahn des Mondes um die Erde. Der Abstand zwischen Erde und Mond schwankt daher ständig. Der durchschnittliche Abstand zwischen den beiden Himmelskörpern beträgt 384.400 Kilometer.
Doch wie kommt das Phänomen Supermond eigentlich zustande? Hintergrund ist die elliptische Umlaufbahn des Mondes um die Erde. Der Abstand zwischen Erde und Mond schwankt daher ständig. Der durchschnittliche Abstand zwischen den beiden Himmelskörpern beträgt 384.400 Kilometer. © imago images/ITAR-TASS

Mondtäuschung: Warum der Vollmond manchmal riesig erscheint

Die gängige Theorie hat damit zu tun, wie das menschliche Gehirn die Größe von Objekten wahrnimmt, die näher oder weiter entfernt sind. Die US-Raumfahrtorganisation Nasa ergänzt auf ihrer Website, dass das Gehirn nicht zu wissen scheint, dass sich die Entfernung des Mondes kaum ändert – egal, ob er tief über dem Horizont oder hoch am Himmel steht. Dass der Vollmond, der tief am Himmel steht, größer erscheint als der Mond, der hoch am Himmel steht, liegt unter anderem daran, dass das menschliche Gehirn ihn mit anderen, bekannten Dingen in seiner nächsten Umgebung vergleicht.

Die Mondtäuschung tritt nicht nur beim Supermond auf, sondern kann in jeder Mondphase – besonders häufig beim Vollmond – zu beobachten sein. Befindet sich der Mond noch tief am Himmel und befinden sich Objekte in seiner Nähe, scheint er deutlich größer zu wirken. Die Hintergründe sind bis heute nicht ganz aufgeklärt.

Der Astronom Silas Laycock von der University of Massachusetts Lowell erklärt auf dem Portal The Conversation: „Die Illusion entsteht dadurch, dass der Mond so weit entfernt ist, dass er, egal wo auf der Erde man sich befindet, immer gleich groß aussieht.“ In Wirklichkeit seien es die Dinge, mit denen man den Mond vergleiche, die größer oder kleiner erscheinen, je nachdem, wie weit sie entfernt sind. „Wenn der Mond neben einem entfernten Haus oder einem weit entfernten Berg aufgeht, sieht der Mond also riesig aus“, so Laycock weiter. Die Nasa betont: „Es spielt sich alles im Kopf ab. Die scheinbare Größe des Mondes ist eine tatsächliche Illusion und kein physikalischer Effekt.“

Mondtäuschung: Warum man bei tiefstehendem Vollmond seinen Augen nicht trauen kann

Im Fall der Mondtäuschung kann man also wortwörtlich seinen Augen nicht trauen. Doch bereits einfache Tricks entlarven die Illusion und lassen den Mond auf seine eigentliche Größe schrumpfen:

  • Versuchen Sie, den Vollmond mit einem Finger abzudecken, wenn er tief über dem Horizont steht. Später nutzen Sie denselben Finger, um den Mond hoch am Himmel abzudecken – es wird gelingen und zeigt, dass der Mond immer die gleiche Größe hat.
  • Nutzen Sie eine Papierrolle als „Fernglas“, um den Vollmond zu betrachten. Die Umgebung, die das Gehirn verwirrt, wird so ausgeblendet und der Mond „schrumpft“ auf seine normale Größe zurück.
  • Fotografieren Sie den Mond in Horizont-Nähe und hoch am Himmel mit denselben Kameraeinstellungen. Auf den beiden Bildern sollte der Mond die gleiche Größe haben, denn die Illusion des riesigen Mondes kann man nicht fotografieren – man kann sie nur mithilfe von Zoomeffekten nachstellen.

Mond wirkt riesig am Himmel – mit dem Supermond hat die Mondtäuschung nichts zu tun

Sicher ist: Bei einem sogenannten Supermond befindet sich der Vollmond zwar etwas näher an der Erde als üblich und er kann deshalb auch größer erscheinen – mit der Mondtäuschung hat das jedoch nichts zu tun, da diese immer auftritt, wenn der Mond tief steht.

Ganz geklärt ist das Phänomen der Mondtäuschung noch nicht, betont auch die Nasa. Denn eine Sache kann die gängige Theorie nicht schlüssig erklären: Warum Astronaut:innen in der Erdumlaufbahn die Mond-Illusion ebenfalls sehen – obwohl sie keine Objekte haben, mit denen ihr Gehirn den Mond vergleichen könnte. „Es steckt also wahrscheinlich mehr dahinter“, heißt es bei der US-Raumfahrtorganisation Nasa. Doch an der fehlenden hieb- und stichfesten Erklärung sollte man sich nicht lange stören – dazu ist der Vollmond, der durch die Mondtäuschung riesig erscheint, einfach ein zu schöner Anblick. (tab)

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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