VonPamela Dörhöferschließen
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen bewertet Arzneimittel, die gegen das Rauchen helfen sollen.
Frankfurt – Für Menschen, die schwer abhängig vom Rauchen sind und davon loskommen wollen, es aber partout nicht schaffen, gibt es Medikamente, die beim Aufhören helfen sollen. Laut einer neuen Regelung soll in diesen Fällen die gesetzliche Krankenversicherung im Rahmen von evidenzbasierten Programmen einmalig die Kosten für ein solches Arzneimittel erstatten.
Vor der Entscheidung, auf welche Medikamente das zutrifft, hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (das höchste Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen) das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) damit beauftragt, die derzeit vier in Deutschland zugelassenen Mittel zur Behandlung von schwerer Tabakabhängigkeit zu bewerten. Bei den Wirkstoffen handelt es sich um Nikotin, Vareniclin, Bupropion und Cytisin, die teilweise auch in Kombination miteinander gegeben werden.
Zwei Wirkstoffe wirkten besser als der Entzug ohne Medikamente
Das Ergebnis liegt nun vor: Belege für einen höheren Nutzen im Vergleich zum Entzug ohne Medikamente gibt es demnach nur für Nikotin und Vareniclin. Für Nikotin wertete das IQWiG 43 Studien aus, für Vareniclin 20. Demnach blieben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die einen der beiden Wirkstoffe erhielten (zusätzlich zu einer unterstützenden, nicht medikamentösen Methode), deutlich häufiger sechs und zwölf Monate nach der Behandlung rauchfrei im Vergleich zu jenen, die keine Medikamente bekamen. Für Vareniclin war der Effekt nach einem Jahr noch besser belegt als für Nikotin.
Beide Mittel gehen allerdings mit Nebenwirkungen einher. Bei Vareniclin sind sie häufig neuropsychiatrischer Natur (Schlafstörungen, abnorme Träume, Reizbarkeit), auch Fatigue, Übelkeit, Mundtrockenheit oder Kopfschmerzen können auftreten. Unter der Einnahme von Nikotin kam es unter anderem zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Reizungen im Mund- und Rachenraum und Juckreiz. Die Nebenwirkungen beider Wirkstoffe stellten „in der Gesamtabwägung aber „die deutlichen Vorteile der beiden Arzneimittel nicht infrage“, heißt es in einer Mitteilung des IQWiG. Auch soll die Schwere der Tabakabhängigkeit keinen Einfluss darauf haben, wie gut die Mittel helfen.
Nikotinpräparate ersetzen das Nikotin im Tabak
Nikotin, ein Nervengift, das die Tabakpflanze zur Abwehr von Schädlingen bildet, ist die pharmakologisch wirksame Substanz im Tabak, die auf Nikotinrezeptoren im Gehirn wirkt und eine Reihe physiologischer Reaktionen und psychischer Effekte auslöst. Als Hilfe zum Rauchstopp wird das Nikotin im Tabak durch Nikotinpräparate ersetzt. So kann die Dosierung schrittweise verringert werden. Erhältlich ist die Nikotinersatztherapie in Form von Kaugummis, Lutschtabletten, Inhalationsgeräten, Sprays und Pflastern.
Vareniclin leitet sich chemisch von Cytisin, dem Inhaltsstoff des Goldregens, ab. Es wirkt ebenfalls auf die Nikotinrezeptoren im Gehirn und soll so die Tabakentwöhnung erleichtern. Es verhindert außerdem, dass durch weiteren Nikotinkonsum das Belohnungssystem aktiviert wird.
Rauchen und die Auswirkungen
Regelmäßiges Rauchen verkleinert das Gehirn, zeigt eine neue Studie. Eine andere Studie zeigt, warum Rauchen nicht immer zu Lungenkrebs führt. „Das Bewusstsein für die Schädlichkeit des Rauchens ist nicht ausreichend vorhanden“, sagen zwei Frankfurer Medziner im Interview.
Bupropion und Cytisin zur Raucherentwöhnung: Nötige Daten fehlen
Anders als für Nikotin und Vareniclin konnte das IQWiG für Bupropion und Cytisin keine Aussage zum Nutzen treffen – weil die nötigen Daten dafür fehlen. In seiner Mitteilung schreibt das Institut, es hätte sowohl beim Hersteller von Bupropion als auch bei den Autorinnen und Autoren von Studien zu einer Cytisin-Behandlung „wiederholt um eine vollständige Informationsübermittlung“ gebeten, allerdings ohne Erfolg. Daher seien die Vor- und Nachteile dieser Wirkstoffe unklar.
Da alle Kombinationstherapien Bupropion enthielten, sei zudem auch keine Aussage über den Nutzen dieser Medikamente möglich. Gleichwohl führt die Weltgesundheitsorganisation WHO neben Vareniclin und Nikotinpräparaten auch Bupropion auf der Liste der unverzichtbaren Arzneimittel, die bei Nikotinabhängigkeit zum Einsatz kommen.
Laut der „Deutschen Apothekerzeitung“ ist es „wohl am wahrscheinlichsten, dass Vareniclin und Nikotin künftig von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet werden“. Nikotin wäre ab einem Alter von zwölf Jahren, wenn auch nicht in allen Verabreichungsformen, und in der Schwangerschaft anwendbar. Vareniclin erst ab 18 Jahren. (Pamela Dörhöfer)
