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Bereits im Mai faszinierten Polarlichter ganz Deutschland. In südlichen Gefilden sind sie eher selten. Der aktiven Sonne sind die atemberaubenden Anblicke zu verdanken.
Update vom 11. Oktober, 7.13 Uhr: Sie hatten sich angekündigt – und erneut faszinierten farbenprächtige Polarlichter Deutschland. In vielen Regionen waren sie so stark, dass sie mit bloßem Auge zu erkennen waren. Vor allem über Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen färbte das seltene Naturspiel den Himmel. Doch auch über Bayern wurden bunte Schleier gesichtet.
Bereits im April und im August hatte es in Deutschland Sichtungen von Nordlichtern gegeben. In den hiesigen Sphären ist das Farbspektakel eigentlich untypisch, da die geladenen Sonnen-Teilchen besonders tief in die Erdatmosphäre eindringen müssen, um gesehen werden zu können. Für gewöhnlich treten sie in den Polregionen auf. Doch eine erhöhte Sonnenaktivität schickt in Stürmen die Teilchen bis in südlichere Regionen.
Derzeit steuert die Sonnenaktivität auf einen Höhepunkt zu. In einem elfjährigen Sonnenzyklus nimmt die Sonnenaktivität zu und ab, wie ein Sprecher des Instituts für Solar-Terrestrische Physik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bereits im Frühjahr erklärte. Das nächste Maximum stehe kurz bevor und werde im Jahr 2025 erwartet. Statistisch gesehen sind Frühling und Herbst die besten Jahreszeiten, um in Deutschland Polarlichter zu entdecken.
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Sonnensturm nähert sich der Erde: Polarlichter könnten heute in Deutschland sichtbar sein
Erstmeldung vom 10. Oktober, 10.27 Uhr: Frankfurt – Die Polarlicht-Community ist derzeit in heller Aufregung. Den Grund dafür konnte man am Dienstag (8. Oktober) auf der Sonne beobachten. Dort fand eine Sonneneruption statt, die eine gewaltige Plasmawolke ins Weltall schleuderte. Dieser koronale Massenauswurf (CME) fliegt nun durchs Weltall – wenn die Erde in der „Schussrichtung“ liegt, kann sie getroffen werden. Das sorgt einerseits für atemberaubende Polarlichter, kann andererseits aber auch Probleme für die Infrastruktur auf der Erde verursachen.
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Schnelle Plasmawolke steuert auf die Erde zu – Polarlicht in Deutschland möglich
Die Sonneneruption vom 8. Oktober wurde mit einer Stärke von X1.8 klassifiziert – die X-Klasse ist die höchstmögliche Einstufung und nach oben offen. Erst vor einigen Tagen hatte die Sonne ihre stärkste Eruption seit 2017 erlebt (X9.1 am 3. Oktober). Die Plasmawolke, die am 8. Oktober von der Sonne ausgeschleudert wurde, ist mit einer unglaublichen Geschwindigkeit von etwa 4,3 bis 4,7 Millionen km/h auf dem Weg durchs Weltall – und steuert genau auf die Erde zu. Es ist die schnellste Plasmawolke, die die Experten des Weltraumwetter-Vorhersagezentrums (SWPC) in den USA seit langer Zeit gesehen haben.
Bereits am Donnerstag (10. Oktober) könnte das geladene Plasma laut Vorhersagen auf das Magnetfeld der Erde treffen und möglicherweise Polarlichter auslösen, die genauso stark sind wie die im vergangenen Mai. Das SWPC hat eine „Storm Watch“ für einen geomagnetischen Sturm der Stufe G4 für den 10. und 11. Oktober ausgegeben – nur eine Stufe unter der Höchststufe G5, die es bei dem großen Polarlicht im Mai gab. Eine „Storm Watch“ auf diesem Level ist „sehr selten“, so das Vorhersagezentrum.
Wann das Magnetfeld der Erde mit dem Sonnensturm am besten interagiert
Unter den richtigen Voraussetzungen können dann am Himmel die farbenprächtigen Polarlichter entstehen, die man möglicherweise sogar ungewöhnlich weit im Süden sehen kann. Allerdings müssen die Bedingungen dafür stimmen, wie Fachleute betonen. „Zwei Magnete, die dieselbe Polarität haben, stoßen sich gegenseitig ab. Wenn sie entgegengesetzt sind, verbinden sie sich und die Magnete bleiben zusammen. Bei geomagnetischen Stürmen ist es genau das Gleiche“, erklärte Shawn Dahl vom SWPC bei einer Pressekonferenz.
„Wenn das Magnetfeld im CME dasselbe ist wie das der Erde, werden wir wahrscheinlich keine schwerwiegenden Ausmaße erreichen“, so der Experte. Es sei jedoch anders, wenn die „Verbindung günstig“ ist. Dann könne das volle Potenzial des CMEs zum Vorschein kommen – starke Polarlichter bis weit in den Süden sind dann möglich.
Für Polarlichter über Deutschland gibt es einige wichtige Voraussetzungen
Eine wichtige Voraussetzung muss jedoch erfüllt sein: Es muss am Beobachtungsort dunkel sein und der Himmel klar. Dann sollte man Richtung Norden schauen und kann auch ein Smartphone oder eine Kamera zur Hilfe nehmen, um das Polarlicht zu sehen. Ob Polarlichter überhaupt in Deutschland zu sehen sein werden, hängt also auch davon ab, wann das geladene Plasma der Sonne die Erde erreicht.
Wann wird die Plasmawolke das Magnetfeld der Erde erreichen? Wie stark wird der geomagnetische Sturm wirklich werden? Mehr über die Eigenschaften der Plasmawolke können Fachleute erst sagen, wenn sie noch etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist. An diesem sogenannten Lagrange-Punkt 1 warten die Satelliten „Discovr“ und „ACE“ darauf, die Eigenschaften der Plasmawolke zu messen. Wenn diese stimmen, könnte es durchaus wieder einen großen Sturm mit zahlreichen Polarlicht-Sichtungen geben – wie zuletzt Mitte Mai.
Sind Polarlichter wie Mitte Mai möglich? „Die Chance besteht“
Nach der Ankunft an den Satelliten dauert es je nach Geschwindigkeit der Plasmawolke noch etwa 15 bis 30 Minuten, dann wird das Erdmagnetfeld getroffen. Wie stark die Polarlichter werden, wird sich dann in der Praxis zeigen. In der Vorhersage hält sich der SWPC-Fachmann Dahl aber noch merklich zurück: „Wird es sich um ein globales Phänomen handeln oder um ein Phänomen, das in den gesamten Vereinigten Staaten zu beobachten ist, so wie der Sturm im Mai? Das ist schwer zu sagen, bis wir es richtig einschätzen können.“ Er fügt jedoch hinzu, dass „die Chance besteht, dass sich so etwas wie im Mai wiederholt“. (tab)
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