Koronaler Massenauswurf

Erneutes Farbenspiel am Himmel: Sonnensturm lässt Polarlichter über Deutschland tanzen

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Bereits im Mai faszinierten Polarlichter ganz Deutschland. In südlichen Gefilden sind sie eher selten. Der aktiven Sonne sind die atemberaubenden Anblicke zu verdanken.

Update vom 11. Oktober, 7.13 Uhr: Sie hatten sich angekündigt – und erneut faszinierten farbenprächtige Polarlichter Deutschland. In vielen Regionen waren sie so stark, dass sie mit bloßem Auge zu erkennen waren. Vor allem über Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen färbte das seltene Naturspiel den Himmel. Doch auch über Bayern wurden bunte Schleier gesichtet.

Besonders gute Sicht auf das Naturspektakel hatten die Menschen in Brandenburg, wo die Polarlichter in verschiedenen Farben über den Himmel zogen.

Bereits im April und im August hatte es in Deutschland Sichtungen von Nordlichtern gegeben. In den hiesigen Sphären ist das Farbspektakel eigentlich untypisch, da die geladenen Sonnen-Teilchen besonders tief in die Erdatmosphäre eindringen müssen, um gesehen werden zu können. Für gewöhnlich treten sie in den Polregionen auf. Doch eine erhöhte Sonnenaktivität schickt in Stürmen die Teilchen bis in südlichere Regionen.

Derzeit steuert die Sonnenaktivität auf einen Höhepunkt zu. In einem elfjährigen Sonnenzyklus nimmt die Sonnenaktivität zu und ab, wie ein Sprecher des Instituts für Solar-Terrestrische Physik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bereits im Frühjahr erklärte. Das nächste Maximum stehe kurz bevor und werde im Jahr 2025 erwartet. Statistisch gesehen sind Frühling und Herbst die besten Jahreszeiten, um in Deutschland Polarlichter zu entdecken.

Polarlichter verzaubern Deutschland – So schön leuchtete der Himmel in der vergangenen Nacht

Polarlichter leuchteten in der Nacht zu Freitag (11. Oktober) über Brandenburg (Deutschland)
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Polarlichter ueber Brandenburg (11. Oktober).
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Bis ins südliche Passau (Bayern) drangen die Polarlichter. Gegen 23:45 Uhr färbten sie dort den Himmel violett.
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Spektakuläre Polarlichter Aurora borealis Nordlichter über der Ostsee am Strand des Seebads Heringsdorf auf der Insel Usedom.
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Polarlichter über dem Strand von Heringsdorf auf der Insel Usedom.
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In der Nacht zum Freitag (11. Oktober) begeistert das Himmelsphänomen Nachtschwärmerinnen und Nachschwärmer in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover.
imago768663441.jpg © Martin Dziadek/Imago
Polarlichter über Trakai (Litauen) in der Nacht zum 11. Oktober
imago768654173.jpg © Yauhen Yerchak/Imago
Polarlichter über Whitby Harbour in Großbritannien.
imago768635948.jpg © Alfie Cosgrove/Imago
In der Nacht zum Freitag (11. Oktober) zog ein kräftig leuchtender grüner Schleier über den Himmel der Lofoten.
imago768596122.jpg © Rolf Fischer/Imago

Sonnensturm nähert sich der Erde: Polarlichter könnten heute in Deutschland sichtbar sein

Erstmeldung vom 10. Oktober, 10.27 Uhr: Frankfurt – Die Polarlicht-Community ist derzeit in heller Aufregung. Den Grund dafür konnte man am Dienstag (8. Oktober) auf der Sonne beobachten. Dort fand eine Sonneneruption statt, die eine gewaltige Plasmawolke ins Weltall schleuderte. Dieser koronale Massenauswurf (CME) fliegt nun durchs Weltall – wenn die Erde in der „Schussrichtung“ liegt, kann sie getroffen werden. Das sorgt einerseits für atemberaubende Polarlichter, kann andererseits aber auch Probleme für die Infrastruktur auf der Erde verursachen.

Spektakuläres Leuchten über Deutschland: Die schönsten Bilder aus den Polarlicht-Nächten

Abend des 10. Mai 2024 erreichte ein Sonnensturm G4 die Erde. Polarlichter am Brocken im Harz
Polarlichter vom Brocken im Harz aus.  © ARCHEOPIX/IMAGO
Polarlichter im Taunus Polarlichter sind am Himmel über der St. Gertrudis-Kapelle zu sehen., Schmitten Hessen
Intensives Leuchten auf dem Taunus in Hessen.  © Jan Eifert/IMAGO
Nordlichter - Polarlichter über Niedersachsen aufgenommen in Flecken Langwedel
Auch in Niedersachsen (hier Flecken Langwedel) war das bunte Farbspektakel der Polarlichter am Himmel zu sehen.  © Ingo Wächter/IMAGO
starke Nordlichter oder auch Polarlichter über, Wittlekofen im Schwarzwald
Aus Wittlekofen im Schwarzwald stammt dieses Bild der Polarlichter über Zentraleuropa.  © Andreas Haas/IMAGO
Striegistal - Polarlichter mit bloßem Auge zu sehen! Naturspektakel am Himmel über Sachsen
Diese beiden Nachteulen hatten im Striegistal in Sachsen perfekte Sicht auf die Polarlichter.  © Tim Meyer/IMAGO/EHL Media/
Polarlichter über Bonn, 10.5.2024 gesehen vom Petersberg in Königswinter
Auch in Bonn war das Leuchten der Polarlichter leicht zu erkennen.  © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Derix
Faszinierender Nordlichter Polarlichter: Hannover begeistert von Polarlichtphänomen auf dem Kronsberg Niedersachsen
Auch am Kronsberg in Hannover hielten Beobachter die Polarlichter am Himmel fotografisch fest.  © Martin Dziadek/IMAGO
naturphänomen Polarlichter über Berlin Deutschland, Polarlichter Nordlichter über der Hauptstadt
Kaum sichtbar für das bloße Auge, aber doch: die Polarlichter zeigten sich auch in der Bundeshauptstadt Berlin.  © Achille Abboud/IMAGO
Polarlichter sind am Freitagabend nach Einbruch der Dunkelheit auch in Baden-Württemberg bei Großerlach zu sehen Nordlichter
Rot leuchtende Polarlichter zu sehen über Großerlach in Baden-Württemberg.  © Alexander Wolf/IMAGO

Schnelle Plasmawolke steuert auf die Erde zu – Polarlicht in Deutschland möglich

Die Sonneneruption vom 8. Oktober wurde mit einer Stärke von X1.8 klassifiziert – die X-Klasse ist die höchstmögliche Einstufung und nach oben offen. Erst vor einigen Tagen hatte die Sonne ihre stärkste Eruption seit 2017 erlebt (X9.1 am 3. Oktober). Die Plasmawolke, die am 8. Oktober von der Sonne ausgeschleudert wurde, ist mit einer unglaublichen Geschwindigkeit von etwa 4,3 bis 4,7 Millionen km/h auf dem Weg durchs Weltall – und steuert genau auf die Erde zu. Es ist die schnellste Plasmawolke, die die Experten des Weltraumwetter-Vorhersagezentrums (SWPC) in den USA seit langer Zeit gesehen haben.

Bereits am Donnerstag (10. Oktober) könnte das geladene Plasma laut Vorhersagen auf das Magnetfeld der Erde treffen und möglicherweise Polarlichter auslösen, die genauso stark sind wie die im vergangenen Mai. Das SWPC hat eine „Storm Watch“ für einen geomagnetischen Sturm der Stufe G4 für den 10. und 11. Oktober ausgegeben – nur eine Stufe unter der Höchststufe G5, die es bei dem großen Polarlicht im Mai gab. Eine „Storm Watch“ auf diesem Level ist „sehr selten“, so das Vorhersagezentrum.

Wann das Magnetfeld der Erde mit dem Sonnensturm am besten interagiert

Unter den richtigen Voraussetzungen können dann am Himmel die farbenprächtigen Polarlichter entstehen, die man möglicherweise sogar ungewöhnlich weit im Süden sehen kann. Allerdings müssen die Bedingungen dafür stimmen, wie Fachleute betonen. „Zwei Magnete, die dieselbe Polarität haben, stoßen sich gegenseitig ab. Wenn sie entgegengesetzt sind, verbinden sie sich und die Magnete bleiben zusammen. Bei geomagnetischen Stürmen ist es genau das Gleiche“, erklärte Shawn Dahl vom SWPC bei einer Pressekonferenz.

„Wenn das Magnetfeld im CME dasselbe ist wie das der Erde, werden wir wahrscheinlich keine schwerwiegenden Ausmaße erreichen“, so der Experte. Es sei jedoch anders, wenn die „Verbindung günstig“ ist. Dann könne das volle Potenzial des CMEs zum Vorschein kommen – starke Polarlichter bis weit in den Süden sind dann möglich.

Für Polarlichter über Deutschland gibt es einige wichtige Voraussetzungen

Eine wichtige Voraussetzung muss jedoch erfüllt sein: Es muss am Beobachtungsort dunkel sein und der Himmel klar. Dann sollte man Richtung Norden schauen und kann auch ein Smartphone oder eine Kamera zur Hilfe nehmen, um das Polarlicht zu sehen. Ob Polarlichter überhaupt in Deutschland zu sehen sein werden, hängt also auch davon ab, wann das geladene Plasma der Sonne die Erde erreicht.

Polarlicht über Deutschland. (Archivbild)

Wann wird die Plasmawolke das Magnetfeld der Erde erreichen? Wie stark wird der geomagnetische Sturm wirklich werden? Mehr über die Eigenschaften der Plasmawolke können Fachleute erst sagen, wenn sie noch etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist. An diesem sogenannten Lagrange-Punkt 1 warten die Satelliten „Discovr“ und „ACE“ darauf, die Eigenschaften der Plasmawolke zu messen. Wenn diese stimmen, könnte es durchaus wieder einen großen Sturm mit zahlreichen Polarlicht-Sichtungen geben – wie zuletzt Mitte Mai.

Sind Polarlichter wie Mitte Mai möglich? „Die Chance besteht“

Nach der Ankunft an den Satelliten dauert es je nach Geschwindigkeit der Plasmawolke noch etwa 15 bis 30 Minuten, dann wird das Erdmagnetfeld getroffen. Wie stark die Polarlichter werden, wird sich dann in der Praxis zeigen. In der Vorhersage hält sich der SWPC-Fachmann Dahl aber noch merklich zurück: „Wird es sich um ein globales Phänomen handeln oder um ein Phänomen, das in den gesamten Vereinigten Staaten zu beobachten ist, so wie der Sturm im Mai? Das ist schwer zu sagen, bis wir es richtig einschätzen können.“ Er fügt jedoch hinzu, dass „die Chance besteht, dass sich so etwas wie im Mai wiederholt“. (tab)

Rubriklistenbild: © Imago

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