Bunter Himmel über Deutschland?

Starke Sonnenausbrüche machen Polarlichter am Wochenende möglich

  • schließen

Mehrere Plasmawolken sind auf dem Weg von der Sonne zur Erde. Bei Kollision mit dem Magnetfeld könnten Polarlichter am deutschen Himmel sichtbar werden.

Frankfurt – Wer in Deutschland Polarlichter beobachten möchte, hat in den kommenden Tagen womöglich die Chance dazu. Denn gleich zwei starke Sonneneruptionen sorgen dafür, dass von Freitag (4. Oktober) bis Sonntag (6. Oktober) möglicherweise bunte Polarlichter am Himmel tanzen. Nachdem die Sonne einige Zeit eher ruhig war, macht sie nun nämlich wieder mit verstärkter Aktivität auf sich aufmerksam.

Spektakuläres Leuchten über Deutschland: Die schönsten Bilder aus den Polarlicht-Nächten

Abend des 10. Mai 2024 erreichte ein Sonnensturm G4 die Erde. Polarlichter am Brocken im Harz
Polarlichter vom Brocken im Harz aus.  © ARCHEOPIX/IMAGO
Polarlichter im Taunus Polarlichter sind am Himmel über der St. Gertrudis-Kapelle zu sehen., Schmitten Hessen
Intensives Leuchten auf dem Taunus in Hessen.  © Jan Eifert/IMAGO
Nordlichter - Polarlichter über Niedersachsen aufgenommen in Flecken Langwedel
Auch in Niedersachsen (hier Flecken Langwedel) war das bunte Farbspektakel der Polarlichter am Himmel zu sehen.  © Ingo Wächter/IMAGO
starke Nordlichter oder auch Polarlichter über, Wittlekofen im Schwarzwald
Aus Wittlekofen im Schwarzwald stammt dieses Bild der Polarlichter über Zentraleuropa.  © Andreas Haas/IMAGO
Striegistal - Polarlichter mit bloßem Auge zu sehen! Naturspektakel am Himmel über Sachsen
Diese beiden Nachteulen hatten im Striegistal in Sachsen perfekte Sicht auf die Polarlichter.  © Tim Meyer/IMAGO/EHL Media/
Polarlichter über Bonn, 10.5.2024 gesehen vom Petersberg in Königswinter
Auch in Bonn war das Leuchten der Polarlichter leicht zu erkennen.  © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Derix
Faszinierender Nordlichter Polarlichter: Hannover begeistert von Polarlichtphänomen auf dem Kronsberg Niedersachsen
Auch am Kronsberg in Hannover hielten Beobachter die Polarlichter am Himmel fotografisch fest.  © Martin Dziadek/IMAGO
naturphänomen Polarlichter über Berlin Deutschland, Polarlichter Nordlichter über der Hauptstadt
Kaum sichtbar für das bloße Auge, aber doch: die Polarlichter zeigten sich auch in der Bundeshauptstadt Berlin.  © Achille Abboud/IMAGO
Polarlichter sind am Freitagabend nach Einbruch der Dunkelheit auch in Baden-Württemberg bei Großerlach zu sehen Nordlichter
Rot leuchtende Polarlichter zu sehen über Großerlach in Baden-Württemberg.  © Alexander Wolf/IMAGO

Gleich zwei Sonneneruptionen der X-Klasse machen Polarlicht in Deutschland möglich

Erst ereignete sich am Dienstag (1. Oktober) eine Sonneneruption der Stärke X7.1, dann folgte am Donnerstag (3. Oktober) die stärkste Sonneneruption seit 2017, die von Fachleuten auf der Stufe X9.1 eingeordnet wird. Die bisher stärkste Sonneneruption des aktuellen Sonnenzyklus 25 war im Mai mit X8.7 gemessen worden – nur wenige Tage nach den spektakulären Polarlichtern, die in großen Teilen Europas am Himmel zu sehen waren.

Klassen von Sonneneruptionen

Sonneneruptionen werden in verschiedene Klassen eingeteilt: A sind die kleinsten Ausbrüche, dann folgen B, C, M und zuletzt X. Die Klassen sind logarithmisch aufgebaut, das heißt, jede Klasse ist zehnmal stärker als die vorhergehende. Innerhalb jeder Kategorie wird noch einmal in die Stufen eins bis neun unterschieden. Einzige Ausnahme ist die X-Klasse, die nicht auf neun begrenzt ist. Sonneneruptionen, die X10 übertreffen, kommen jedoch nur sehr selten vor.

Polarlicht-Vorwarnung für den 4. bis 6. Oktober 2024

Nun könnte es wieder so weit sein – womöglich sind wieder Polarlichter am Himmel über Deutschland zu sehen. Das Weltraumwetter-Vorhersagezentrum (SWPC) der US-Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA, das die Aktivität der Sonne genau beobachtet, schreibt auf seiner Website, dass es erwartet, dass vom 4. bis 6. Oktober 2024 Sonnenstürme die Erde treffen. Die Fachleute erwarten geomagnetische Stürme der Kategorie G3 (stark). Wann genau sie auf das Magnetfeld der Erde stoßen und dort das bunte Polarlicht verursachen, ist noch nicht ganz klar – es lohnt sich jedoch, am Wochenende die Augen offenzuhalten.

Die Meteorologin und Weltraumwetter-Vorhersagerin Sara Housseal erklärt auf X, was die Fachleute erwarten: „Der Zeitpunkt und die Stärke können wie immer variieren, aber eine Schlüsselrolle spielt hier die Möglichkeit, dass der erste CME (X7) die Umgebung vor dem zweiten CME (X9) stört, was die Aktivität verstärken könnte.“ Der Begriff „CME“ steht für „Coronal Mass Ejection“, zu Deutsch „koronaler Massenauswurf“ und bedeutet, dass die Sonne bei ihrer Eruption geladenes Plasma in Richtung Erde geschleudert hat.

Geladenes Sonnenplasma trifft auf die Erde – Buntes Polarlicht entsteht

Wenn dieses geladene Plasma auf das Magnetfeld der Erde trifft, können dort geomagnetische Stürme entstehen. Das bedeutet: Die geladenen Ionen von der Sonne interagieren mit den Gasen in der Erdatmosphäre und geben ihre Energie in Form von Licht ab. Je nachdem, mit welchem Gas und in welcher Höhe die Interaktion stattfindet, ändert sich die Farbei des Polarlichts.

Eigentlich findet dieses Phänomen hauptsächlich an den Polen der Erde statt und heißt dort Aurora Borealis (Nordlicht) oder Aurora Australis (Südlicht). Bei heftigen Sonnenstürmen kann das Polarlicht auf der Nordhalbkugel auch deutlich weiter südlich (beziehungsweise auf der Südhalbkugel weiter nördlich) am Himmel beobachtet werden, wie es zuletzt im Mai der Fall war. Damals erklärte ein Experte, der Sonnensturm sei „ideal für Polarlichter“ gewesen.

Forschende warnen vor den Gefahren durch Sonnenstürme

Doch das ist nicht alles, was Sonnenstürme auslösen können. Seit Jahren warnen Forschende vor den Gefahren, die das geladene Plasma von der Sonne mit sich bringt. „Eine der größten Bedrohungen durch einen großen Sonnensturm besteht darin, dass er die gesamte Satellitenflotte sofort ausschalten und die Stromnetze zum Erliegen bringen kann“, warnt ein Forschungsteam in einem Gastbeitrag auf der Plattform The Conversation. Eine Studie konnte zeigen, wie ein geomagnetischer Sturm Zugsignale manipulieren kann.

Polarlicht in der Nacht vom 12. auf den 13. September 2024 in Großbritannien.

Um auf solche möglichen Ereignisse vorbereitet zu sein, wird die Sonne durch mehrere Raumsonden beobachtet, die möglichst genaue Vorhersage des Weltraumwetters wird erforscht und immer weiter verfeinert. „Ein besseres Verständnis dieser extremen Ereignisse ist (...) für das Verständnis der Prozesse auf der Sonne und auf unserem eigenen Planeten wichtig“, schreibt das Forschungsteam in seinem Gastbeitrag weiter. „Es kann uns auch dabei helfen, uns auf den nächsten extremen Sonnensturm vorzubereiten. Wir können noch nicht vorhersagen, wann er stattfinden wird, aber neue Erkenntnisse (...) sagen uns, dass es früher oder später einen geben wird.“ (tab)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Mark Cosgrove/News Images

Kommentare