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Polarlichter haben den Nachthimmel über Deutschland in Rot und Rosa gehüllt. Die Ursache liegt 150 Millionen Kilometer entfernt.
Frankfurt – In der Nacht von Freitag (10. Mai) auf Samstag (11. Mai) war ein seltenes Naturphänomen in Deutschland zu beobachten: Polarlichter. Normalerweise sind diese hauptsächlich in der Nähe der Pole sichtbar, doch in dieser Nacht konnten die Polarlichter auch in Deutschland wahrgenommen werden. Interessanterweise leuchtete der Himmel über Deutschland nicht grün, wie man es auf vielen Polarlicht-Bildern sehen kann. Stattdessen dominierten die Farben Rosa und Rot, ergänzt durch etwas Grün. Doch wie entstehen die Farben von Polarlichtern und warum war die Aurora Borealis (der wissenschaftliche Name für Polarlichter auf der Nordhalbkugel) in Deutschland eher rot als grün?
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Um dies zu verstehen, muss man sich den Entstehungsprozess von Polarlichtern genauer ansehen. Der Ursprung des Polarlichts liegt etwa 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernt: unsere Sonne. Sie befindet sich derzeit in einer sehr aktiven Phase und nähert sich dem Höhepunkt ihres 11-jährigen Sonnenfleckenzyklus. Das bedeutet, dass sie deutlich häufiger geladene Plasmawolken ins All schleudert. Wenn eine dieser Wolken auf die Erde gerichtet ist, kann man dort möglicherweise Polarlichter erwarten.
Wie Polarlichter entstehen: Sonne schleudert geladene Teilchen ins All
Bevor die Plasmawolke jedoch auf der Erde ankommt, durchquert sie mit atemberaubender Geschwindigkeit das All. Einige der geladenen Teilchen treffen auf die Erdatmosphäre und regen dort Gase zum Leuchten an. Die meisten Teilchen gelangen in die Atmosphäre der Polarregionen, da die magnetischen Feldlinien des Magnetfelds dort senkrecht auf die Erde treffen. Bei starken Sonnenstürmen kann das Polarlicht auch weit von den Polen entfernt beobachtet werden – so wie beim Polarlicht vom 10./11. Mai, das bis in den Süden Europas sichtbar war. Aber warum dominierten an diesem Tag die Farben Rot und Rosa?
the aurora borealis explained in a gif: pic.twitter.com/Em2URscDXp
— Jasmine 🌌🔭 (@astro_jaz) May 11, 2024
Farbe des Polarlichts hängt davon ab, auf welches Gas das Sonnenplasma trifft
Die Farbe des Polarlichts hängt davon ab, welches Gas durch das geladene Sonnenplasma zum Leuchten angeregt wird. Stickstoff leuchtet meist Blau oder Violett, während Sauerstoff je nach seiner Dichte und Umgebung Rot oder Grün strahlen kann. Sauerstoffatome, die in einer Höhe von etwa 100 Kilometern vom Sonnenwind angeregt werden, leuchten grün, während Sauerstoff, der in etwa 200 Kilometern Höhe vom Sonnenwind getroffen wird, rot leuchtet. Blaues und violettes Polarlicht ist dagegen eher selten.
| Polarlicht-Farben im Überblick | |
|---|---|
| Grünes Polarlicht: | Sauerstoffatome in etwa 100 km Höhe werden angeregt |
| Rotes Polarlicht: | Sauerstoffatome in etwa 200 km Höhe werden angeregt |
| Blaues/violettes Polarlicht: | Stickstoffatome werden angeregt (sehr selten) |
Das Polarlicht vom 10./11. Mai leuchtete also überwiegend Rot und Rosa, da hauptsächlich Sauerstoffatome in etwa 200 Kilometern Höhe vom Sonnenwind zum Leuchten angeregt wurden. Gelegentlich drang der Sonnenwind auch in tiefere Atmosphärenschichten ein und erzeugte etwas grünes Polarlicht. Der Sonnensturm, der das Polarlicht vom 10./11. Mai auslöste, war der stärkste seit mehr als 20 Jahren. Und das Ende ist noch nicht in Sicht: Experten gehen davon aus, dass in der Nacht vom 12. auf den 13. Mai erneut Polarlicht in Deutschland zu sehen sein könnte. (tab)
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