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Geladenes Sonnenplasma trifft das Erdmagnetfeld – und bringt den Himmel zum Leuchten. In Deutschland gibt es spektakuläre Polarlicht-Sichtungen.
Update vom 11. Mai, 14.30 Uhr: In der Nacht von Freitag (10. Mai) auf Samstag (11. Mai) hat der stärkste Sonnensturm seit mehr als 20 Jahren die Erde getroffen. Die Folge: In ganz Deutschland und vielen anderen Ländern wurden am Himmel bunte Polarlichter beobachtet. Ein Sturm der Kategorie G5 (extrem) habe das Erdmagnetfeld um 0.54 Uhr MESZ getroffen, teilte das Space Weather Prediction Center der US-amerikanischen Wetterbehörde NOAA mit.
Spektakuläres Leuchten über Deutschland: Die schönsten Bilder aus den Polarlicht-Nächten




Polarlicht über Deutschland: Der Himmel leuchtet rosa und grün
Einen Sonnensturm dieser Stärke konnte man zuletzt an Halloween im Jahr 2003 beobachten, so die Behörde. Damals kam es zu Stromausfällen in Schweden und beschädigten Transformatoren in Südafrika. Ob es dieses Mal Schäden gibt, ist bisher noch nicht bekannt.
Wer den leicht rosa und grün eingefärbten Himmel über Deutschland verpasst hat, für den haben die Fachleute eine gute Nachricht: „Die geomagnetischen Stürme werden wahrscheinlich das ganze Wochenende über andauern, da mehrere zusätzliche erdgerichtete koronale Massenauswürfe unterwegs sind.“ Das heißt: Auch in der Nacht von Samstag (11. Mai) auf Sonntag (12. Mai) kann man möglicherweise wieder bunte Polarlichter am Himmel bestaunen.
Polarlichter über Deutschland sind auch heute Nacht wieder möglich
Erstmeldung vom 10. Mai 2024: Frankfurt – Je nachdem, welche Fachleute man fragt, nähert sich die Sonne dem Maximum ihres 11-jährigen Zyklus oder ist bereits mittendrin im Sonnenfleckenmaximum. Was davon stimmt, kann man erst im Nachhinein mit Blick auf die Daten sagen – doch es ist auch zweitrangig. Tatsache ist, dass die Sonne immer aktiver wird, was unter anderem die zahlreichen Polarlicht-Sichtungen der vergangenen Monate erklärt. Ein Sonnenflecken-Cluster, das etwa 16 Mal so groß ist wie die Erde, hat in den vergangenen Tagen mindestens fünf koronale Massenauswürfe verursacht, die auf die Erde gerichtet sind.
Das bedeutet: Mindestens fünf Sonnenstürme sind derzeit auf dem Weg in Richtung Erde und sollten diese zwischen dem 10. und 12. Mai 2024 treffen. Die Weltraumwetter-Physikerin Dr. Tamitha Skov freut sich auf X (ehemals Twitter): „Es ist ein Sonnensturm-Zug! Wir haben nun fünf Stürme, die auf die Erde zusteuern.“ Die Expertin erwartet ebenfalls, dass die Sonnenstürme das irdische Magnetfeld zu unterschiedlichen Zeiten zwischen dem 10. und 12. Mai treffen. „Ausgedehntes Polarlicht ist möglich“, schreibt sie.
Fünf Sonnenstürme rasen Richtung Erde: „Ungewöhnliches Ereignis“
„Das ist ein ungewöhnliches Ereignis“, heißt es beim Weltraumwetter-Vorhersagezentrum (SWPC) der US-amerikanischen Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA. Deshalb hat das SWPC die Warnstufe 4 (severe) ausgerufen. Auf der Erde könnte es bei einem geomagnetischen Sturm dieser Kategorie zu „weit verbreiteten Problemen mit der Spannungsregelung“ kommen, listet das SWPC auf seiner Website auf.
Außerdem könne die Niederfrequenz-Funknavigation gestört sein, bei Raumfahrzeugen seien möglicherweise Korrekturen bei Orientierungsproblemen erforderlich. Noch heftigere Sonnenstürme können auf der Erde auch die Infrastruktur beschädigen.
Die Chance auf Polarlicht ist bei Sonnenstürmen der Kategorie 4 ebenfalls erhöht: Bis zum 45. Breitengrad wurden laut SWPC bereits Polarlichter gesichtet. Zur Einordnung: Die südlichsten Zipfel Deutschlands befinden sich etwa auf dem 47. Breitengrad. In den kommenden Tagen kann also möglicherweise in ganz Deutschland sowie noch etwas südlicher Polarlicht zu sehen sein.
Wie entsteht aus einem Sonnensturm Polarlicht?
Doch wie hängen Sonnenstürme und Polarlichter zusammen? Die Sonne schleudert Plasmawolken ins Weltall. Treffen diese auf das Magnetfeld der Erde, verformt es sich. Elektrisch geladene Teilchen können parallel zu den Feldlinien des Erdmagnetfelds tief in die Erdatmosphäre eindringen – und dort Gasteilchen zum Leuchten anregen, das Polarlicht entsteht.
In der Regel tritt das Farbschauspiel in der Nähe der Pole auf. Je stärker ein Sonnensturm jedoch ist, desto weiter entfernt vom Pol kann das Himmelsspektakel beobachtet werden. Polarlicht wird auch Aurora genannt – im Norden heißt es Aurora Borealis (Nordlicht), während es rund um den Südpol Aurora Australis (Südlicht) genannt wird.
Wie beobachtet man Polarlicht? Tipps für Sichtung und Fotos
Um Polarlicht beobachten zu können, müssen einige Bedingungen erfüllt sein. Das wichtigste Kriterium: der Sonnensturm muss die Erde zu den richtigen Bedingungen treffen. Das Thema ist komplex – im Polarlicht-Forum des Arbeitskreises Meteore e.V. bekommt man in der Regel schnell mit, wenn in Deutschland Polarlicht gesichtet wurde. Damit das Polarlicht überhaupt sichtbar ist, müssen die Bedingungen stimmen. Das heißt:
- Der Himmel muss dunkel sein (je weniger Licht, desto besser).
- Der Himmel muss klar und die Sicht frei sein (Wolken oder Bebauung verdecken das Polarlicht).
- Der Blick muss nach Norden gerichtet sein (im hohen Norden tanzt das Polarlicht hoch am Himmel, hierzulande ist es in der Regel nur im Norden zu sehen).
- Die Augen müssen an die Dunkelheit gewöhnt sein (die Dunkeladaption kann bis zu 20 Minuten dauern – und bereits durch einen kurzen Blick auf ein Handydisplay gestört werden).
Polarlicht fotografieren: So bannt man das Farbspektakel auf ein Foto
Doch selbst wenn alle Bedingungen erfüllt sind, kann es sein, dass das Auge kein Polarlicht wahrnimmt. Das ist jedoch kein Grund, aufzugeben: Eine Kamera kann auch Polarlicht erkennen, das für das bloße Auge nicht wahrnehmbar ist. Dafür benötigt man eine Kamera, die lange belichten kann und bei der man den ISO-Wert manuell einstellen kann. Außerdem ist ein Stativ vonnöten, da bei langer Belichtungszeit das Motiv sonst verwackelt. Der Arbeitskreis Meteore e.V. hat auf seiner Website Tipps zur Fotografie von Polarlicht veröffentlicht und nennt dort auch Empfehlungen für Kameraeinstellungen. (tab)
Rubriklistenbild: © IMAGO/Jörg&Nicole Krauthöfer

