VonTanja Bannerschließen
Der Saturn-Mond Enceladus könnte Leben beherbergen. Eine neue Studie, basierend auf Nasa-Daten, liefert überraschende Erkenntnisse.
Santa Fe – Der Saturn-Mond Enceladus könnte das Potenzial besitzen, Leben zu unterstützen. Das legt eine aktuelle Untersuchung nahe, die auf Daten der Nasa-Raumsonde „Cassini“ basiert. Im Jahr 2008 führte die Sonde einen Vorbeiflug am Saturn-Mond Enceladus durch und analysierte Wasser, das in Geysiren und Dampfwolken aus dem Mond austrat. Ein Forschungsteam unter der Leitung von Daniel Muratore (Santa Fe Institute) hat die „Cassini“-Daten nun detailliert ausgewertet und eine neue Entdeckung gemacht.
Zusätzlich zu Kohlendioxid, Wasserdampf sowie Spuren von Stickstoff und einigen komplexen organischen Verbindungen entdeckte das Forscherteam auch „beträchtliche Mengen an anorganischem Phosphor sowie Ammoniak“, so die Studie. Sie wurde noch nicht von Experten begutachtet und bisher lediglich auf dem Preprint-Server Biorxiv veröffentlicht. In der Untersuchung entwickelt das Forschungsteam Theorien, wie Phosphor und Ammoniak die Entstehung von Leben auf Enceladus fördern könnten.
| Enceladus | sechstgrößter Mond des Saturn |
|---|---|
| Radius | 252,1 Kilometer |
| Durchmesser | etwa 500 Kilometer |
| Entdeckung | 1789 |
| minimale Temperatur | −240,3 °C |
| mittlere Temperatur | −198 °C |
| maximale Temperatur | −128 °C |
Saturn-Mond Enceladus: Sein Ozean könnte Leben beherbergen
Die Gruppe bezieht sich dabei auf das sogenannte Redfield-Verhältnis, das die Häufigkeit von drei essenziellen Elementen des Lebens in Erd-Ozeanen beschreibt. Demnach stehen Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor in einem Verhältnis von 106:16:1. Das Redfield-Verhältnis ist auch für den Nachweis astrobiologischen Lebens relevant, insbesondere bei Ozeanwelten wie Enceladus.
Obwohl der Saturn-Mond eine Eiswelt ist und auf den ersten Blick nicht besonders lebensfreundlich erscheint, gilt Enceladus unter dem Eis als einer der vielversprechendsten Himmelskörper in unserem Sonnensystem in Bezug auf die Suche nach außerirdischem Leben. Tief unter dem Eis existieren vermutlich Ozeane und möglicherweise auch heiße Quellen. Wasser aus diesen Ozeanen tritt in Geysiren und Dampfschwaden an die Oberfläche und ermöglicht es der Wissenschaft, das Wasser zu analysieren.
Auf Enceladus entstehen Methanmoleküle – gibt es dort auch Leben?
Die Studie zeigt, dass der Ozean von Enceladus viele Chemikalien enthält, die in lebenden Organismen auf der Erde vorkommen, wie beispielsweise Vorläufer von Aminosäuren, Ammoniak und Kohlenwasserstoffe. Die Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass auf Enceladus chemische Prozesse stattfinden, die für Leben typisch sind und bei denen Methanmoleküle entstehen. Dieser Prozess wird als Methanogenese bezeichnet.
Auf der Erde ist die Methanogenese ein Kennzeichen extremer mikrobieller Lebensformen, die sich in Bereichen um heiße Quellen oder Unterwasser-Vulkanöffnungen aufhalten. Diese Lebewesen könnten auch mit dem Ozean von Enceladus kompatibel sein, so die Feststellung des Forschungsteams, das in der Studie von einer möglichen „Biosphäre, in der das Leben erst vor kurzem entstanden ist“ spricht. (tab)
Für diesen von der Redaktion geschriebenen Artikel wurde maschinelle Unterstützung genutzt. Der Artikel wurde vor Veröffentlichung von Redakteurin Tanja Banner sorgfältig überprüft.
