Demenz

Immunzellen gegen Alzheimer – Fachleute sehen „wichtige Entwicklung“

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US-Forschende testen einen neuen Therapieansatz bei Mäusen – und können einen Erfolg vermelden.

Omaha – Eine experimentelle Zelltherapie hat in Versuchen mit Mäusen Symptome von Alzheimer gelindert. Die von Forschenden des University of Nebraska Medical Center (USA) entwickelte Behandlung basiert auf genetisch veränderten Zellen des Immunsystems, die Plaques des Proteins Amyloid-Beta angreifen. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Fachmagazin Molecular Neurodegeneration. Finanziert wurde die Studie von den National Institutes of Health der Vereinigten Staaten.

Ablagerungen von Amyloid-Beta-Eiweißen im Gehirn führen dazu, dass Nervenzellen nicht mehr richtig kommunizieren, sie gelten als eine Hauptursache für Alzheimer. Die Forschenden setzen bei der von ihnen konzipierten Therapie auf regulatorische T-Zellen des Immunsystems, sogenannte Tregs. Normalerweise ist es die Aufgabe dieser T-Lymphozyten, die Aktivierung des Immunsystems zu unterdrücken beziehungsweise es nach erfolgter Abwehrreaktion auszubremsen. So tragen sie dazu bei, dass es nicht zu Autoimmunreaktionen oder Allergien kommt. Im Fall der Alzheimer-Therapie indes veränderten die Forschenden die Tregs so, dass sie Amyloid-Beta angreifen.

Die Alzheimer-Krankheit betrifft das Gehirn. (Symbolbild)

Alzheimer-Behandlung: Forschende melden Erfolg bei Mäusen

Als diese modifizierten Tregs an Alzheimer erkrankten Mäusen in die Blutbahn injiziert wurden, führte es tatsächlich zu einer verlangsamten Bildung von Plaques und weniger Entzündungsprozessen im Gehirn. Auch die Denkfähigkeit der Nager schien sich zu verbessern, heißt es in einer Mitteilung des University of Nebraska Medical Center. Der Neuroimmunologe Avindra Nath von den National Institutes of Health, leitender Forscher der Studie, wertet deren Ergebnisse als „wichtige Entwicklung“, welche die Möglichkeit vorantreibe, „zellbasierte Therapien zur Bekämpfung von Proteinaggregaten bei neurodegenerativen Erkrankungen einzusetzen“. Zum Verständnis: Die jüngsten Therapien gegen Alzheimer basieren auf Antikörpern wie Donanemab oder Lecanemab, die selbst Proteine, keine Zellen sind.

Pravin Yeapuri vom University of Nebraska Medical Center verweist darauf, dass auch andere Studien den Nutzen von Tregs bei der Therapie neurodegenerativer Erkrankungen gezeigt haben. Die Einschränkung habe bislang allerdings darin bestanden, diese Zellen in jene Regionen des Gehirns zu bringen, die bei Alzheimer am stärksten betroffen sind. Der nächste Schritt soll nun sein, die Therapie auch an Menschen zu testen. (pam)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Andrew Brookes

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