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Ein Netzwerk geomagnetischer Sensoren am Ätna zeichnet ungewöhnliche Signale auf. Sie stammen nicht vom Vulkan, sondern von Polarlichtern.
Catania – Mit einer Höhe von 3357 Metern ist der Ätna der höchste aktive Vulkan Europas. Seine ständige Aktivität hat die Wissenschaft dazu veranlasst, ihn genauestens zu überwachen. Hierfür wurde das Etna Radio Observatory (ERO), ein Netzwerk geomagnetischer Sensoren, am Südhang des Vulkans installiert. Dieses System erfasst Signale, die vor oder während vulkanischer Aktivitäten auftreten.
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In der Nacht vom 10. auf den 11. Mai jedoch, registrierte das italienische Netzwerk ungewöhnliche Signale. Diese wurden nicht durch die Aktivität des Ätna ausgelöst, sondern durch ein Phänomen, das seinen Ursprung weit außerhalb der Erde hatte: Polarlichter. Nach mehreren intensiven koronalen Massenauswürfen der Sonne, traf ein heftiger Sonnensturm in dieser Nacht das Erdmagnetfeld. Dies führte dazu, dass farbenfrohe Polarlichter, auch Aurora genannt, bis weit in den Süden hinunter und somit auch in großen Teilen Europas, einschließlich Italien, sichtbar waren.
Polarlichter am Ätna: Vulkan-Instrument zeichnet „Sound der Aurora“ auf
Die Polarlichter, die am Himmel tanzten, konnten von aufmerksamen Beobachtern gesehen werden. Die meisten Aufnahmen zeigen rotes und gelegentlich grünes Polarlicht. Auch die Forscher am Ätna, der sich im Nordosten Siziliens befindet, konnten das Polarlicht beobachten, wie aus einem Bericht des Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia (INGV) hervorgeht. „Wir, das Team, das den Vulkan regelmäßig und genau überwacht, um jede Veränderung zu erfassen, haben die Aurora gesehen. Und wir haben sie sogar ‚gehört‘!“, heißt es in dem Bericht.
Forschungsteam macht geomagnetischen Sturm hörbar
In der Nacht des 10. Mai zeichnete das ERO Fluktuationen im Erdmagnetfeld auf, die nicht vom Vulkan stammten. Die Forscher stellten fest, dass die Schwingungsfrequenzen unter zwei Hertz lagen und elektromagnetischer, nicht akustischer Natur waren. Die Experten des INGV konvertierten das aufgezeichnete Signal in ein 500-fach beschleunigtes Audiosignal, um die Frequenzen auf Werte zu bringen, die das menschliche Ohr wahrnehmen kann. „Das Ergebnis ist die Stimme des Sturms und der Lichtshow, die wir miterleben durften“, so die Fachleute, die den „Sound der Aurora“ in einem Video veröffentlicht haben.
Die Sensoren des Ätna konnten das geomagnetische Pulsieren aufzeichnen, das entsteht, wenn geladenes Plasma von der Sonne auf das Erdmagnetfeld trifft und Polarlicht erzeugt.
„Außergewöhnliches Zusammentreffen der Kräfte von Sonne und Erde
Das Polarlicht am Himmel löste bei vielen Menschen Emotionen aus, einschließlich der Vulkanforschenden auf Sizilien. „Die Nacht des Muttertagssturms stellte ein außergewöhnliches Zusammentreffen der Kräfte von Sonne und Erde dar und bot uns ein unvergessliches Lichtspiel“, schreiben sie und betonen die Bedeutung, „unsere natürliche Umgebung weiterhin zu beobachten und zu studieren und sich an der Schönheit und Komplexität der Welt, in der wir leben, zu erfreuen.“ (tab)
Rubriklistenbild: © IMAGO/Jörg&Nicole Krauthöfer

