Optischer Effekt im Weltall

„Kein Grund zur Panik“ – Warum die Ringe des Saturn bald verschwinden

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Der Planet Saturn ist dabei, seine berühmten Ringe zu verlieren. Ein fesselndes Schauspiel am Himmel, das man schon mit einem kleinen Teleskop beobachten kann.

Frankfurt – Die majestätischen Ringe des Planeten Saturn, die selbst durch ein kleines Teleskop sichtbar sind, sind ein atemberaubender Anblick. Doch das wird sich bald ändern, denn die Ringe des Saturn beginnen allmählich zu „verschwinden“. Schon im März 2025 sind die Ringe verschwunden – wer den Planeten dann kurz vor seinem Untergang am frühen Abend am Himmel findet, kann den berühmten Ringplaneten ganz ohne seine berühmten Ringe sehen.

Der „Herr der Ringe“ Saturn verliert seine Ringe im März 2025

Es klingt eigentlich unglaublich, dass Saturn, der „Herr der Ringe“, seine charakteristischen Ringe verlieren soll. Doch das ist tatsächlich der Fall. Allerdings werden die Ringe nicht dauerhaft verschwinden, sondern nur für einige Zeit nicht zu sehen sein – wegen eines optischen Effekts. „Das ist keine Überraschung und kein Grund zur Panik“, beruhigt der Astrophysiker Jonti Horner in einem Gastbeitrag auf der Plattform The Conversation. Tatsächlich ist es ein wiederkehrendes Phänomen, dass die Ringe des Saturn „verschwinden“ und danach wieder auftauchen. Zuletzt konnte dieses Phänomen im Jahr 2009 beobachtet werden.

Der Saturn und seine Ringe in all seiner Pracht – aufgenommen von der Nasa-Raumsonde „Cassini“ im Oktober 2016.

Die Achse des Planeten Saturn steht schräg – so verschwinden die Ringe immer wieder

Die Ursache dafür liegt in der Bewegung des Planeten Saturn im Weltraum. Ähnlich wie bei der Erde ist auch die Achse des Saturn geneigt. Die Ringe, die um seinen Äquator angeordnet sind, stehen ebenfalls schräg. Während der Planet sich um seine eigene Achse dreht, blickt man von der Erde aus mal auf die breite Seite der Ringe und mal auf ihre Kanten. Manchmal sieht man die Ringe von oben, manchmal von unten. Da die Ringe des Saturn nur einige Meter dick sind, werden sie aus großer Entfernung unsichtbar. Und die Entfernung zwischen Saturn und Erde ist gewaltig – im Durchschnitt beträgt sie etwa 1280 Millionen Kilometer.

Horner demonstriert das „Verschwinden“ der Saturnringe mit einem einfachen Beispiel: „Das lässt sich am besten veranschaulichen, indem Sie ein Blatt Papier nehmen und es waagerecht – parallel zum Boden – in Augenhöhe halten. Bewegen Sie das Papier nun einige Zentimeter nach unten in Richtung Boden. Was sehen Sie? Die Oberseite des Papiers kommt zum Vorschein. Bewegen Sie das Papier wieder nach oben, durch Ihre Augenlinie, um es über sich zu halten, und Sie können die Unterseite des Papiers sehen. Wenn das Papier jedoch die Augenhöhe durchquert, verschwindet es fast ganz.“

Saturn-Ringe: erst sehen wir die Südseite, dann die Nordseite – und manchmal die Kante

Mit diesem Beispiel verdeutlicht der Fachmann, wie wir die Saturnringe aus unserer Perspektive auf der Erde wahrnehmen. „Zunächst sehen wir die Südseite der Ringe und dann die Nordseite. Dann kippt der Planet zurück und enthüllt wieder die Südseite“, erläutert Horner. „Zweimal pro 29,5-jährigem Saturn-Jahr schauen wir auf die Kante der Ringe und sie verschwinden fast komplett.“ Aus unserer Sicht auf der Erde sind die Ringe dann nicht mehr sichtbar. Das hochauflösende „Hubble“-Weltraumteleskop konnte die Ringe trotz ihrer Kantenstellung im Mai 1995 fotografieren – auf dem Bild erscheinen sie unglaublich dünn.

Die Ringe des Saturn

Der Planet Saturn hat 145 bekannte Monde und insgesamt sechs Ringe – die hellsten von ihnen wurden bereits 1610 entdeckt, die lichtschwächeren von ihnen erst zwischen 1979 und 1981 durch Raumsonden. Bereits mit etwa 40-facher Vergrößerung sind die Ringe des Saturn von der Erde aus zu sehen. Sie bestehen aus unzähligen kleinen Partikeln aus Eis und Gestein – manche sind nur wenige Millimeter groß, andere einige Meter. Aus der Ferne erscheinen diese Partikel wie ein geschlossener Ring.

Der Durchmesser der Ringe beträgt fast eine Million Kilometer, gleichzeitig sind sie sehr dünn (10 bis 100 Meter). Die Ringe werfen sichbare Schatten auf den Saturn und der Saturn wirft sichbare Schatten auf die Ringe – so entstehen atemberaubende Aufnahmen des Ringsystems, die unter anderem die Nasa-Raumsonde „Cassini“ aufgenommen hat.

Studien zeigen, dass der Saturn seine Ringe wohl durch eine kosmische Kollision erhielt, außerdem sind die Saturn-Ringe wohl jünger als gedacht.

Saturn-Ringe verschwinden im März und November 2025

Aber wann genau wird der Saturn ohne seine Ringe zu sehen sein? Im März 2025 wird die Kante der Saturnringe zur Erde zeigen und die Ringe werden „verschwinden“. Danach werden sie langsam wieder sichtbar, bevor sie im November 2025 noch einmal verschwinden, wie Horner berichtet. Auch dann werden sie nach und nach wieder sichtbar – ein faszinierendes Schauspiel für alle Teleskopbesitzer.

Blickt man auf die Kante der Saturn-Ringe, scheinen sie selbst für die Raumsonde „Cassini“ fast zu verschwinden. Und die war für diese Aufnahme deutlich näher am Saturn als es die Erde ist. (Archivbild)

Um den ringlosen Saturn gut beobachten zu können, muss man jedoch etwas Geduld mitbringen und bis November 2025 warten. Im März 2025 wird der Planet am frühen Abend im Westen am Himmel stehen – zu nahe an der Sonne, um gut sichtbar zu sein. Zudem geht er bereits kurz nach Sonnenuntergang unter. Im November 2025 hingegen, wenn die Ringe des Planeten verschwunden sind, wird der Saturn ab etwa 20 Uhr im Osten am Himmel stehen und bis weit nach Mitternacht sichtbar sein – die perfekte Gelegenheit, um den Saturn einmal ohne seine markanten Ringe zu bewundern. (tab)

Rubriklistenbild: © NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute

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