H5N1-Virus weitet sich weiter aus

Erster Eisbär stirbt an Vogelgrippe: Forschende warnen vor „größter ökologischer Katastrophe der Neuzeit“

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Längst nicht mehr nur für Vögel gefährlich: Die Vogelgrippe breitet sich weiter aus. In Alaska wird der erste Todesfall eines Eisbären vermeldet.

Utqiagvik – Die Vogelgrippe (H5N1-Variante) bezeichnete in erster Linie eine Erkrankung bei Vögeln durch Influenza-A-Viren. Doch der Begriff scheint längst veraltet, immer mehr Säugetiere sterben weltweit an dem Virus. Der neueste Todesfall schockiert nun die Welt: Wissenschaftler meldeten den ersten Todesfall eines Eisbären in Alaska. „Wir haben bereits eine Pandemie in der biologischen Vielfalt“, sagt Diana Bell, emeritierte Professorin für Naturschutzbiologie an der Universität von East Anglia, dem Guardian.

Vogelgrippe erreicht Alaska: „Der erste gemeldete Eisbärenfall überhaupt“ schockiert die Welt

Das Alaska Department of Environmental Conservation vermeldete den Fund des toten Tiers. Der Eisbär wurde in der Nähe von Utqiagvik, im Norden Alaskas, gefunden. „Dies ist der erste gemeldete Eisbärenfall überhaupt“, wird Dr. Bob Gerlach, Alaskas staatlicher Tierarzt, von Alaska Beacon zitiert. Doch wie konnte das passieren?

Bis Ende 2023 galt die Antarktis als nur eine von drei Regionen (neben Australien und Ozeanien), die der Erreger noch nicht erreicht hatte. Doch Raubmöwen haben wohl die Vogelgrippe auch in eine der entlegensten Regionen der Welt gebracht. Die Vögel wandern zwischen Südamerika und der Antarktis. Bei ihrer letzten Rückkehr hatten sie wohl eine tödliche Fracht an Bord. Dies wies die British Antarctic Survey (BAS) nach.

„Eine der größten ökologischen Katastrophen der Neuzeit“

Und die Kadaver infizierter Vögel verbreiteten den hochinfektiösen H5N1-Virus an Säugetiere aus. So wohl auch an den Eisbären. Doch nicht nur die bei vielen Menschen beliebten weißen Pelzträger sind betroffen, laut Wissenschaftlern sterben vermehrt Pelzrobben und auch Seemöwen. Forschende warnen davor, dass das Virus „eine der größten ökologischen Katastrophen der Neuzeit“ auslösen könnte, wenn es die abgelegenen Pinguinpopulationen erreicht.

Eisbären, Pinguine, Robben, Seevögel – Veränderung der Ökosysteme wäre verheerend

An die 100 Millionen Seevögel haben ihr Brutgebiet in der Antarktis. Außerdem Eisbären, Pinguine, Robben – die Antarktis bietet die Heimat für viele Lebewesen, die sonst nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen. Zudem gehört die Polarregion zu den vom Klimawandel am stärksten betroffenen Regionen. Eine Veränderung in die Ökosysteme der Regionen könnte verheerende Auswirkungen haben.

Es ist auch nicht auszuschließen, dass bereits mehr Eisbären an der Vogelgrippe verstorben sind, da sie meist an abgelegenen Orten, fernab von Menschen leben. „Man ist wirklich auf die Öffentlichkeit angewiesen, die dort draußen ist, oder auf die Wildtierbiologen, die die Überwachung durchführen“, sagte Alaskas staatlicher Tierarzt Gerlach.

Majestätischer Anblick, doch wie lange noch? Eisbären sind vom Aussterben bedroht, nun gab es auch noch den ersten Todesfall aufgrund der Vogelgrippe.

Eisbären gehören bereits zu den Tieren, auf die besonders geachtet wird. Auf der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) wird das Tier als „gefährdet“ gelistet. Ein Grund: der Verlust des Meereises.

Wie gefährlich ist die Vogelgrippe für den Mensch?

Das H5N1-Virus kann auch bei Menschen anschlagen und zu schweren Erkrankungen, wie Lungenentzündungen führen. Die Übertragung geschieht über engen Kontakt mit infiziertem Geflügel. Über Lebensmittel scheint die Übertragung sehr unwahrscheinlich zu sein, berichtete die Max-Planck-Gesellschaft.(mg)

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