VonMoritz Bletzingerschließen
Eine „Umweltkatastrophe ersten Grades“ könnte die Antarktis treffen. Die Vogelgrippe hat eine bislang von ihr unberührte Region erreicht.
Cambridge – Große Gefahr für die Tierwelt in der Antarktis. Die Vogelgrippe ist auf Bird Island angekommen. Nachgewiesen hat das die British Antarctic Survey (BAS). Die Polarforschungsorganisation sitzt in Cambridge und wird vom Vereinigten Königreich betrieben.
H5N1 erreicht neues Terrain: Raubmöwen schleppen Vogelgrippe in Antarktis ein
Bislang galt die Antarktis als nur eine von drei Regionen (zusammen mit Australien und Ozeanien) weltweit, die der Erreger noch nicht erreicht hat. Die H5N1-Variante könnte in diesem unberührten Lebensraum großen Schaden anrichten.
Raubmöwen haben die Vogelgrippe demnach eingeschleppt. Braune Skuas (auch Subantarktis-Skua) wandern zwischen Südamerika und der Antarktis. Sie haben den Erreger wohl mitgebracht, als sie von ihrer letzten Wanderung zurückgekehrt sind.
100 Millionen Seevögel brüten in der Antarktis – Vogelgrippe bedroht auch Pinguine und Robben
Seit Herbst 2021 grassiert eine besonders krankmachende Variante von H5N1. In Afrika und Amerika hat sie bereits ein Massensterben verursacht. Millionen Seevögel und 20.000 Seelöwen sind an der Küste von Peru und Chile gestorben. Ende September erreichte der Erreger die Galapagos-Insel, berichtete die University of California bei science.org. Seit Oktober geht die Ausbreitung über den Kontinent hinaus.
An die 100 Millionen Seevögel haben ihre Brutgebiete in der Antarktis, außerdem leben dort fünf Pinguinarten (Kaiser-, Zügel, Goldschopf-, Esels- und Adeliepinguin) und sechs Robbenarten (Weddell-, Ross-, Pelz- und Krabbenfresserrobbe, Seeleopard sowie südlicher See-Elefant), listet die Naturschutzorganisation ProWildlife auf.
Meeresbiologe warnt vor „Umweltkatastrophe ersten Grades“ und fordert neue Schutzgebiete
„Die Vogelgrippe könnte in der Antarktis eine Umweltkatastrophe ersten Grades auslösen“, sagte Meeresbiologe Dr. Ralf Sonntag bei einer Antarktis-Konferenz. Er nahm für ProWildlife an der Tagung teil. Er fordert: „Umso wichtiger ist die Schaffung eines Netzwerkes von Schutzgebieten im Südpolarmeer, um weitere Stressfaktoren wie Fischerei und Verschmutzung für Pinguine, Robben und andere Bewohner der Antarktis auszuschalten.“
Neue Schutzgebiete müssen entstehen, pocht der Biologe, schon die Klimakrise mache der Antarktis zu schaffen. Verhindert werden die Schutzgebiete aktuell von China und Russland. „Angesichts der neuen Bedrohung durch die Vogelgrippe ist es umso wichtiger, dass Russland und China ihre bisherige Blockadehaltung aufgeben und den neuen Schutzgebieten zustimmen. Es gilt jetzt mehr denn je, möglichst viele Stressfaktoren auszuschalten, sonst wird es eng für die einzigartige Tierwelt der Antarktis“, mahnt Sonntag. (moe)
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