Wasser im Mondgestein

Forschende finden neue Hinweise auf Wasser am Mond-Südpol

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Die chinesische Mondsonde „Chang‘e 5“ nach ihrer Landung. Die Sonde hat zwei Kilogramm Mondgestein zur Erde gebracht. (Archivbild)
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Chinesische Forschende finden in Mondgestein mehr Wasserstoff als je zuvor. Ihre Vorhersage kommt geplanten Raumfahrt-Missionen entgegen.

Peking – Bodenproben von fremden Himmelskörper sind für Forschende etwas ganz Besonderes: Endlich müssen sie sich nicht auf Instrumente und Gerätschaften verlassen, die die Proben autonom oder ferngesteuert untersuchen. Sie können das Material wortwörtlich in die Hand nehmen, mit eigenen Augen betrachten und es selbst mit geeigneten Instrumenten analysieren.

Doch solche Bodenproben sind selten. Zuletzt hat die chinesische Mission „Chang’e-5“ zwei Kilogramm Mondgestein zur Erde gebracht – es waren die ersten Bodenproben vom Mond seit 1976. Seitdem wird das Material von zahlreichen Forschenden genau unter die Lupe genommen. Für die neueste Studie, die auf dem „Chang‘e-5“-Material beruht, wurden genau 17 Körnchen Mondgestein, genannt Regolith, untersucht. Die Studie wurde im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.

Wasser auf dem Mond: Chinesische Mission liefert Mondgestein

Konkret interessierte sich das Forschungsteam um den Weltraumwetter-Experten Yuchen Xu (Chinesische Akademie der Wissenschaften) dafür, wie viel Wasserstoff sich in dem Regolith befindet. Die Forschung weiß bereits seit längerem, dass Sonnenwind – ein ständiger Strom geladener Teilchen von der Sonne – Wasserstoff-Ionen in den äußeren Schichten der Regolithkörnchen hinterlässt. Manchmal verbinden sich diese mit Sauerstoffatomen zu Hydroxid oder Wasser.

Der Mond – Ein Himmelskörper, viele Facetten

Kein Himmelskörper verändert sein Aussehen so häufig wie der Mond an unserem Himmel. Mal strahlt er als Vollmond so hell, dass die Nacht erleuchtet wird, mal scheint er nur eine schmale Sichel zu sein, die kaum noch sichtbar ist. Die Faszination Mond in Bildern.
Kein Himmelskörper verändert sein Aussehen so häufig wie der Mond an unserem Himmel. Mal strahlt er als Vollmond so hell, dass die Nacht erleuchtet wird, mal scheint er nur eine schmale Sichel zu sein, die kaum noch sichtbar ist. Die Faszination Mond in Bildern. © Imago/MiS
Der Mond bewegt sich recht schnell am Himmel. Im Osten geht er auf und bewegt sich im Laufe der Zeit über den Himmel, bis er im Westen wieder untergeht.
Der Mond bewegt sich recht schnell am Himmel. Im Osten geht er auf und bewegt sich im Laufe der Zeit über den Himmel, bis er im Westen wieder untergeht. © Imago/Alan Dyer
Diese Aufnahme zeigt den Mond etwa zur Hälfte beleuchtet. Der Mond nimmt zu – in den kommenden Tagen wird er immer voller werden, bis er als heller Vollmond am Himmel strahlt.
Diese Aufnahme zeigt den Mond etwa zur Hälfte beleuchtet. Der Mond nimmt zu – in den kommenden Tagen wird er immer voller werden, bis er als heller Vollmond am Himmel strahlt. © Imago/Gottfried Czepluch
In den Tagen rund um Vollmond kann man bei Mondauf- und -untergang ein eindrucksvolles Phänomen beobachten: die Mondtäuschung. Befindet sich der Mond tief am Horizont und in der Nähe von Objekten, erscheint er deutlich größer, als er tatsächlich ist.
In den Tagen rund um Vollmond kann man bei Mondauf- und -untergang ein eindrucksvolles Phänomen beobachten: die Mondtäuschung. Befindet sich der Mond tief am Horizont und in der Nähe von Objekten, erscheint er deutlich größer, als er tatsächlich ist. © Imago/Riccardo Fabi
Ein anderes Phänomen – der sogenannte Supermond – macht den Vollmond am Himmel tatsächlich etwas größer. Der Vollmond befindet sich dann auf seiner Umlaufbahn etwas näher an der Erde als sonst, was regelmäßige Mond-Beobachter am Himmel erkennen können. Auch das Licht des Mondes erscheint dann heller.
Ein anderes Phänomen – der sogenannte Supermond – macht den Vollmond am Himmel tatsächlich etwas größer. Der Vollmond befindet sich dann auf seiner Umlaufbahn etwas näher an der Erde als sonst, was regelmäßige Mond-Beobachter am Himmel erkennen können. Auch das Licht des Mondes erscheint dann heller. © Imago/Pixsell
Das wohl spannendste Phänomen rund um den Mond ist jedoch die Mondfinsternis. Auf diesem Bild ist die Mondfinsternis aus dem November 2022 zu sehen. Der Mond wandert dabei durch den Schatten der Erde im Weltraum und wird von diesem teilweise verdeckt. Verschwindet der Mond komplett im Schatten, wird er zum sogenannten „Blutmond“ – er strahlt für kurze Zeit rostrot.
Das wohl spannendste Phänomen rund um den Mond ist jedoch die Mondfinsternis. Auf diesem Bild ist die Mondfinsternis aus dem November 2022 zu sehen. Der Mond wandert dabei durch den Schatten der Erde im Weltraum und wird von diesem teilweise verdeckt. Verschwindet der Mond komplett im Schatten, wird er zum sogenannten „Blutmond“ – er strahlt für kurze Zeit rostrot. © Imago/ANE Edition
Auch die schmale Mondsichel ist ein interessanter Anblick. Wer den Mond täglich beobachtet sieht, wie sie langsam wächst, bis sie zum Halb- und dann zum Vollmond wird.
Auch die schmale Mondsichel ist ein interessanter Anblick. Wer den Mond täglich beobachtet sieht, wie sie langsam wächst, bis sie zum Halb- und dann zum Vollmond wird. © imago/Silas Stein
An manchen Tagen kann man neben der schmalen Mondsichel auch den sogenannten „Erdschein“ sehen. Obwohl nur die schmale Sichel vom Licht der Sonne beleuchtet ist, sieht man auch den unbeleuchteten Teil des Mondes ganz schwach. Er wird vom Licht, das die Erde reflektiert, beleuchtet.
An manchen Tagen kann man neben der schmalen Mondsichel auch den sogenannten „Erdschein“ sehen. Obwohl nur die schmale Sichel vom Licht der Sonne beleuchtet ist, sieht man auch den unbeleuchteten Teil des Mondes ganz schwach. Er wird vom Licht, das die Erde reflektiert, beleuchtet. © Imago/Jon G. Fuller
Die abnehmende Mondsichel. In wenigen Tagen wird der Mond vom Himmel komplett verschwunden sein, um kurz darauf wieder als schmale Mondsichel aufzutauchen. Die Mondsichel erscheint dann gespiegelt.
Die abnehmende Mondsichel. In wenigen Tagen wird der Mond vom Himmel komplett verschwunden sein, um kurz darauf wieder als schmale Mondsichel aufzutauchen. Die Mondsichel erscheint dann gespiegelt. © Imago/imagebroker
Auf dem Mond gut zu erkennen sind unter anderem Krater und die Mare, Mondmeere – die großen dunklen Flecken auf der Mondoberfläche.
Auf dem Mond gut zu erkennen sind unter anderem Krater und die Mare, Mondmeere – die großen dunklen Flecken auf der Mondoberfläche. © imago/Deutzmann
Der Mond umkreist die Erde, was man auf diesem Bild namens „Earthrise“ besonders eindrücklich erkennen kann. Aufgenommen wurde es von der Crew der Nasa-Mission „Apollo 8“, die den Mond an Weihnachten 1968 umkreiste.
Der Mond umkreist die Erde, was man auf diesem Bild namens „Earthrise“ besonders eindrücklich erkennen kann. Aufgenommen wurde es von der Crew der Nasa-Mission „Apollo 8“, die den Mond an Weihnachten 1968 umkreiste. © imago/Nasa
Die Mondoberfläche ist staubig, wie die Nasa-Astronauten, die dort in den Jahren 1969 bis 1972 landeten, herausfinden mussten. Ein Teil der Astronauten konnte mit Rovern über die Mondoberfläche fahren.
Die Mondoberfläche ist staubig, wie die Nasa-Astronauten, die dort in den Jahren 1969 bis 1972 landeten, herausfinden mussten. Ein Teil der Astronauten konnte mit Rovern über die Mondoberfläche fahren. © Imago/UIG
Auf dem Mond ist die Schwerkraft geringer als auf der Erde, weshalb die Astronauten dort unter anderem große Sprünge machen konnten. Auf dieser Aufnahme untersucht der Nasa-Astronaut Harrison H. Schmitt im Dezember 1972 einen großen Gesteinsbrocken auf dem Mond.
Auf dem Mond ist die Schwerkraft geringer als auf der Erde, weshalb die Astronauten dort unter anderem große Sprünge machen konnten. Auf dieser Aufnahme untersucht der Nasa-Astronaut Harrison H. Schmitt im Dezember 1972 einen großen Gesteinsbrocken auf dem Mond. © imago
Diese Aufnahme der Nasa-Raumsonde „Orion“ zeigt es noch einmal sehr schön: Der Mond umkreist die Erde. Bei der nächsten Mission einer „Orion“-Kapsel sollen sich Menschen an Bord befinden und den Mond umkreisen. Frühestens 2025 sollen wieder Menschen den Mond betreten, plant die Nasa.
Diese Aufnahme der Nasa-Raumsonde „Orion“ zeigt es noch einmal sehr schön: Der Mond umkreist die Erde. Bei der nächsten Mission einer „Orion“-Kapsel sollen sich Menschen an Bord befinden und den Mond umkreisen. Frühestens 2025 sollen wieder Menschen den Mond betreten, plant die Nasa. © Imago/Cover-Images

In dem Mondgestein, das die „Apollo“-Missionen der Nasa zur Erde brachten, wurde bereits Wasserstoff gefunden. Im Regolith, der von der Landestelle der chinesischen „Chang‘e 5“-Sonde stammt, fanden die Forschenden jetzt jedoch deutlich mehr Wasserstoff – es könnte sich jedoch auch um Wasser oder andere wasserstoffhaltige Moleküle handeln, denn die Instrumente, die Xu und sein Team nutzten, können nicht zwischen Wasserstoff, Wasser und Hydroxiden unterscheiden.

Chinesische Forschende untersuchen Mondgestein

Doch egal, ob Wasserstoff, Wasser oder andere wasserstoffhaltige Moleküle – die Forschenden gehen davon aus, dass es in der Nähe der Mond-Pole noch mehr davon im Regolith geben könnte als in den untersuchten Proben. Offenbar hat die Menge des Wasserstoffs etwas mit dem Ort zu tun, an dem das Gestein gesammelt wurde, schließen die Forschenden aus ihrer Arbeit.

Die Theorie der Forschenden: In höheren Breitengraden auf dem Mond sind die Temperaturen niedriger – weshalb mehr Wasserstoff im Regolith bleibt. Denn Wasserstoff gehört zu den flüchtigen Chemikalien, die „ausgasen“, wenn sie erwärmt werden. Die sechs „Apollo“-Missionen landeten in der Nähe des Mond-Äquators. Dort herrschen tagsüber Temperaturen von bis zu 107 Grad Celsius. Die „Chang‘e 5“-Mission nahm ihre Bodenproben weiter nördlich, wo es Tageshöchsttemperaturen von maximal 77 Grad Celsius gibt.

Auf dem Mond müssen vorhandene Ressourcen genutzt werden

Die neue Studie ist eine gute Nachricht für all jene, die derzeit an Crew-Missionen zum Mond arbeiten, denn dabei spielt die Nutzung von Ressourcen vor Ort eine große Rolle. Es gibt bereits Pläne, wie man Sauerstoff aus dem Mondboden ernten kann, außerdem soll Wasser, das in tiefen, schattigen Kratern am Südpol des Mondes verborgen ist, genutzt werden. Wasserstoff oder Wasser im Regolith käme diesen Plänen entgegen. Wasserstoff kann nicht nur verwendet werden, um daraus Wasser zu gewinnen, es wird auch von Raketen als Treibstoff genutzt.

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Eine weitere gute Nachricht ist, dass ausgerechnet an den Polen des Mondes mehr Wasserstoff im Regolith stecken soll. Denn genau diese Region – der Südpol – soll das Ziel von mehreren künftigen Mond-Missionen sein. (tab)

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