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Wie viel Arbeit ist gut? Bei dieser Stundenanzahl „nimmt die mentale Gesundheit ab”

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Studien versuchen, die ideale Arbeitszeit für unsere Psyche zu definieren. Wie viele Stunden schädlich sind, unterscheidet sich zwischen Geschlechtern.

Frankfurt – Die Regelarbeitszeit bei einer Vollzeitstelle beträgt in Deutschland 40 Stunden pro Woche. Um die Gesundheit der Arbeitenden nicht zu gefährden, darf die Arbeitszeit 48 Wochenstunden im Durchschnitt nicht überschreiten. Doch entstehen bis zu dieser Grenze wirklich keine negativen Folgen für die mentale Gesundheit? Der Frage, ab welcher Stundenanzahl das psychische Wohlbefinden wirklich abnimmt, gehen mehrere Studien nach.

Arbeitslosigkeit negativ für die psychische Gesundheit

Nicht oder nur wenig zu arbeiten, zeigt laut einer Studie in Social Science & Medicine negative Folgen. Studienteilnehmenden, die auf Jobsuche waren, ging es psychisch in dieser Zeit schlechter, als während einer festen Anstellung. Diese Effekte können durch den wegfallenden gesellschaftlichen Aspekt von Arbeit als sozialer Institution und auch mit finanziellen Unsicherheiten ausgelöst werden. Trotzdem ist der Zusammenhang konstant und zeigt sich über kulturelle Grenzen hinweg. In einem bestimmten Rahmen bringt Arbeit den meisten Menschen also Vorteile für ihr Wohlbefinden.

Bei Frauen mit zusätzlicher Belastung liegt die maximal Arbeitszeit ohne negative gesundheitliche Auswirkungen niedriger

Studie forscht: Wie viele Stunden sind die ideale Arbeitszeit?

Die Studie widmet sich der Frage, wie viel ein Mensch arbeiten sollte, um seine höchste Zufriedenheit sicherzustellen. Bereits zwischen einer bis acht Stunden Arbeit pro Woche zeigen sich positive Auswirkungen auf die Psyche. Bei erhöhter Zeit bleiben diese aber erstaunlich konstant und nehmen nicht mehr signifikant zu. Ein leichter Abfall zeigt sich, wenn das Gehalt erreicht wird, an dem die Arbeitenden keine Sozialhilfen mehr erhalten.

Ein optimales Arbeitsausmaß ließ sich in der Studie nicht feststellen. „Anders als angenommen, haben wir festgestellt, dass es kein Optimum an Arbeitsstunden gibt, an dem psychische Gesundheit und Wohnbefinden signifikant ihren Höhepunkt erreichen“, so die Studie. Es zeichnet sich nicht ab, dass die Standardarbeitszeit von 36 bis 40 Stunden pro Woche ideal sei.

Die meisten Menschen drückten bei regulärer Vollzeit eine etwas größere Zufriedenheit aus als bei unter 16 oder über 40 Stunden. In diesem Rahmen gab es aber keine signifikanten Unterschiede: „Die durchschnittliche effektive Dosis an Arbeit für psychische Gesundheit und Wohlbefinden entspricht nur dem Äquivalent von etwa einem Tag pro Woche.“ Die Studie schlägt vor, dass die Regelarbeitszeit ohne negativen Effekt auf die Psyche stark verkürzt werden könnte. Einer Vier-Tage-Woche stünde unter diesem Aspekt also nichts im Weg.

Zu viel Arbeit? – Vollzeit bringt negative Folgen vor allem für die Gesundheit von Frauen

Eine weitere Studie der Australian National University beschäftigt sich mit der Frage, ab welcher Arbeitszeit negative Folgen entstehen. „Wir zeigen identifizierbare Wendepunkte, ab denen längere Arbeitszeiten psychische Gesundheit negativ beeinflussen“, so die Studie. Ab mehr als 39 Stunden pro Woche zeigen sich durchschnittlich negative Auswirkungen auf die mentale Gesundheit: „Danach nimmt die mentale Gesundheit ab.“ Nicht Burn-out, sondern „Burn-on“ nennt man das Phänomen weiterzuarbeiten, aber durchgehend überlastet zu sein. Faktoren wie das Berufsfeld und die Arbeitszeiten oder Schichten nahmen Einfluss auf die gesunde Stundenzahl. Was sich auch abzeichnet, ist ein klarer Geschlechterunterschied.

Während Männer durchschnittlich bis zu 43,5 Stunden arbeiten konnten, ohne ihre Gesundheit zu gefährden, lag das Limit für Frauen bei durchschnittlich 38 Stunden pro Woche. Doch woher kommt dieser Unterschied? Die Studie fand heraus, dass Frauen vor allem durch die Betreuung von Kindern und anderen Familienangehörigen zusätzlich belastet sind. Durch aktuelle Regelarbeitszeiten und soziale Erwartungen wird die Gesundheit von Frauen laut der Studie negativ beeinflusst. (nr)

Rubriklistenbild: © Alexander Limbach/Imago

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