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Die Ringe des Saturn sind ein faszinierendes Phänomen. Eine aktuelle Studie könnte nun eine überraschende Wahrheit über ihr Alter offenbaren.
Tokio – Die Saturn-Ringe bestehen aus winzigen Eiskristallen, Gesteinsbröckchen und Staubpartikeln und sind ein faszinierendes Phänomen. Sie umgeben den Gasplaneten Saturn und können selbst von der Erde aus schon mit kleinen Teleskopen beobachtet werden. Ihrer Anwesenheit hat der Saturn den Spitznamen „Herr der Ringe“ zu verdanken. Doch trotz ihrer auffälligen Präsenz war eine Frage nie eindeutig geklärt: Wie alt sind die Ringe eigentlich?
Bisher ging die Forschung davon aus, dass die Ringe zwischen 100 und 400 Millionen Jahre alt sind, während der Planet Saturn selbst vor etwa 4,5 Milliarden Jahren entstand. Diese Theorie hängt mit Beobachtungen durch die Nasa-Raumsonde „Cassini“ zusammen: Diese hatte nämlich entdeckt, dass die Ringe sehr „sauber“ sind und sich nur wenig Staub auf ihnen abgelagert hat. Das deutete der Forschung zufolge auf das geringe Alter hin – schließlich werden die Ringe ständig von Meteoroiden bombardiert.
Sind die Ringe des Saturn viel älter als gedacht?
Eine kürzlich im Fachjournal Nature Geoscience veröffentlichte Studie deutet nun jedoch darauf hin, dass diese Annahme falsch sein könnte. Forschende vom Institute of Science in Tokio und dem Centre national de la recherche scientifique (CNRS) in Paris haben mithilfe theoretischer Modelle untersucht, was passiert, wenn die Saturnringe von Staub bombardiert werden. Sie fanden heraus, dass der Prozess anders abläuft als erwartet.
Wenn ein Partikel mit einer Geschwindigkeit von mehr als 25 Kilometern pro Sekunde (90.000 km/h) auf einen Eisbrocken in den Saturn-Ringen trifft, verdampft die Hitze sowohl den Mikrometeoroiden als auch einen kleinen Bereich auf der Oberfläche des Eises. Ein Teil dieses Materials kondensiert zu Nanopartikeln, während der Rest als Atome und Moleküle erhalten bleibt.
Staub-Bombardement „verschmutzt“ die Saturn-Ringe nicht
„Am Ende schlägt Mikrometeroitenmaterial, nun in Form von Nanopartikeln und Ionen, entweder auf den Planeten auf oder entweicht in die Saturn-Atmosphäre oder ins All“, erläutert der Planetenforscher Ryuki Hyodo gegenüber dem Portal ScienceAlert. „Folglich werden die Ringe durch Mikrometeoriteneinschläge kaum verdunkelt.“
Wenn das auf die Ringe treffende Material diese nicht „verschmutzt“, könnte dies jedoch auch darauf hindeuten, dass die Saturn-Ringe gar nicht so „jung“ sind, wie gedacht. Tatsächlich könnten sie auch Milliarden Jahre alt sein. Sollten die Saturn-Ringe tatsächlich älter sein als bisher angenommen, wäre auch ihre Entstehung leichter zu erklären. Denn vor Milliarden von Jahren war das Sonnensystem ein chaotischer Ort, an dem regelmäßig Kollisionen zwischen Himmelskörpern stattfanden. Das Material einer solchen Kollision könnte zur Bildung des Ringsystems um den Saturn geführt haben.
Material aus einer Kollision war wohl an der Entstehung der Saturn-Ringe beteiligt
Die bisherige Theorie besagt, dass die Ringe entstanden, als ein hypothetischer Saturn-Mond namens Chrysalis dem Planeten zu nahe kam und von dessen Gravitationskraft zerrissen wurde. Ein Teil der Trümmer könnte sich dann zu den Ringen geformt haben. Sollten die Ringe jedoch älter sein als bisher erwartet, könnte auch ein anderer Himmelskörper das Material für die Ringe geliefert haben. (tab)
