Asteroid verhält sich wie Komet

Mysteriöser Asteroid „Phaethon“ überrascht Fachleute mit seinem Verhalten

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Der Asteroid Phaethon scheint sich wie ein Komet zu verhalten. (Künstlerische Darstellung)
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Der Asteroid „Phaethon“ verhält sich wie ein Komet und ist der Auslöser eines Sternschnuppen-Stroms. Eine neue Studie zeigt nun, dass alles anders ist, als bisher gedacht.

Pasadena – Der Asteroid „Phaethon“ ist ein merkwürdiger Himmelskörper: Kommt er der Sonne nahe, verhält er sich wie ein Komet und entwickelt einen Schweif. Wegen seiner Umlaufbahn gilt „Phaethon“ als der Ursprung der jährlichen Geminiden-Sternschnuppen. Bisher ging die Forschung davon aus, dass der Schweif aus Staubteilchen besteht, wie es eigentlich bei Kometen üblich ist. Bleiben diese Staubteilchen im Weltall zurück und die Erde bewegt sich durch die Staubspur, entsteht ein Sternschnuppen-Strom.

Doch nun hat eine Forschungsgruppe um den Doktoranden Qicheng Zhang vom California Institute of Technology etwas herausgefunden, was diese Annahmen auf den Kopf stellt. „Unsere Analyse zeigt, dass die kometenartige Aktivität von ‚Phaethon‘ nicht durch irgendeine Art von Staub erklärt werden kann“, betont Zhang in einer Mitteilung der US-Raumfahrtorganisation Nasa. Statt aus Staub besteht der Schweif von Asteroid „Phaethon“ nämlich offenbar aus Natrium. Die Forschungsarbeit hat das Forschungsteam im Fachmagazin Planetary Science Journal publiziert.

Asteroid „Phaethon“ verhält sich wie ein Komet – Forschung rätselt

Der Unterschied zwischen Asteroiden und Kometen liegt in deren Zusammensetzung: Asteroiden bestehen in der Regel aus Stein und entwickeln keinen Schweif, wenn sie sich der Sonne nähern. Kometen dagegen bestehen aus losen Gesteinsbrocken, die durch Eis zusammengehalten werden. Nähert sich ein Komet der Sonne, wird ein Teil des Eises gasförmig – der Schweif entsteht, in dem auch Staub und Gesteinsbröckchen des Kometen zu finden sind.

Name:(3200) Phaethon, (1983 TB)
Typ:Apollo-Asteroid
Durchmesser:6,25 Kilometer
Umlaufzeit um die Sonne:524 Tage
Entdeckung:11. Oktober 1983
Benannt nach:griechische Mythologie: Sohn des griechischen Sonnengottes Helios

Als der Asteroid „Phaethon“ 1983 entdeckt wurde, galt er schnell als die Quelle der Geminiden, da seine Flugbahn zu dem jährlichen Meteor-Strom passte. Jahre später entdeckte das Nasa-Sonnenteleskop STEREO einen kurzen Schweif bei „Phaethon“ – und die Sache schien klar zu sein: Staub aus dem Schweif war für die Sternschnuppen verantwortlich. 2018 zeigte jedoch die Sonnensonde „Parker Solar Probe“, dass die Staubspur im All viel mehr Material enthielt, als „Phaethon“ während seiner Annäherungen an die Sonne verlieren konnte.

Was steckt hinter dem Schweif von Asteroid „Phaethon“?

Deshalb fragte sich die Forschungsgruppe um Zhang: Steckt vielleicht etwas anderes als Staub hinter dem seltsamen Schweif-Verhalten des Asteroiden? „Kometen leuchten oft durch Natrium-Emission, wenn sie der Sonne sehr nahe sind. Daher vermuteten wir, dass Natrium ebenfalls eine Schlüsselrolle bei der Aufhellung von „Phaethon“ spielen könnte“, so Zhang. Mithilfe der Nasa/Esa-Raumsonde SOHO untersuchte sein Team den Schweif des Asteroiden, als dieser sich 2022 wieder der Sonne näherte.

Das Weltraumteleskop ist mit Farbfiltern ausgestattet, die Natrium und Staub erkennen können. Und siehe da: In aktuellen und älteren SOHO-Aufnahmen stellten die Forschenden fest, dass der Schweif des Asteroiden im Natrium-Filter hell und deutlich zu sehen war – im Staub-Filter dagegen tauchte der Schweif gar nicht auf. Außerdem stellte das Forschungsteam fest, dass der Schweif heller wurde, als „Phaethon“ an der Sonne vorbeiflog – genau wie die Forschung es bei einem Natrium-Schweif erwarten würde.

„Phaethon“: Din Asteroid, der durch die Wärme der Sonne einen Schweif bildet

„Wir haben ein wirklich cooles Ergebnis, das 14 Jahre langes Denken über ein gut erforschtes Objekt auf den Kopf stellt“, freut sich Teammitglied Karl Battams vom Naval Research Laboratory und fügt hinzu: „Wir haben dies mit Daten von zwei heliophysikalischen Raumsonden – SOHO und STEREO – erreicht, die überhaupt nicht für die Untersuchung von Phänomenen wie diesem gedacht waren.“

Nach diesem erstaunlichen Fund denken Zhang und sein Team darüber nach, ob einige Kometen, die von der SOHO-Sonde entdeckt wurden, möglicherweise gar keine Kometen sind. „Viele dieser anderen ‚Kometen‘, die die Sonne umkreisen, sind vielleicht auch keine ‚Kometen‘ im üblichen Sinne, sondern felsige Asteroiden wie „Phaethon“, die von der Sonne aufgeheizt werden“, vermutet Zhang.

Doch wie erklärt die Forschungsgruppe die Tatsache, dass der Asteroid „Phaethon“, der offenbar keinen Staub-Schweif hat, den Meteor-Strom der Geminiden in jedem Dezember verursacht? Eine Theorie des Teams ist, dass vor einigen tausend Jahren etwas passiert sein muss, wodurch der Asteroid Milliarden Tonnen von Material verlor. Was genau dazu geführt haben könnte, ist jedoch unklar. Es scheint, als bliebe der Asteroid „Phaethon“ auch weiter ein äußerst rätselhafter Himmelskörper, der immer für eine Überraschung gut ist. (tab)

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