Sonnensystem

Rekordfund bei Saturn – „Glaube nicht, dass wir viel mehr erreichen können“

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Wenn es um die Anzahl der Monde ging, lieferten sich Saturn und Jupiter lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Mit einem neuen Fund ist das wohl entschieden.

Vancouver – In unserem Sonnensystem gibt es seit neuestem 416 bekannte Monde. In den vergangenen Tagen hat diese Zahl einen gewaltigen Sprung gemacht, denn ein Forschungsteam hat um den Planeten Saturn gleich 128 neue Monde entdeckt. Damit liegt Saturn mit insgesamt 274 bekannten Monden weit vor Jupiter, dem größten Planeten des Sonnensystems, mit dem sich Saturn lange Zeit einen „Wettkampf“ um die Anzahl der Monde geliefert hatte. Jupiter kommt derzeit auf 95 bekannte Begleiter und wird Saturn wohl nicht mehr einholen, glaubt ein Forscher, der an dem Saturn-Fund beteiligt war.

Saturn hat mit Abstand die meisten Monde – „Glaube nicht, dass Jupiter aufholen wird“

„Ausgehend von unseren Hochrechnungen glaube ich nicht, dass der Jupiter jemals aufholen wird“, kommentiert Edward Ashton (Academica Sinica). Die Internationale Astronomische Union (IAU) hat die Entdeckung der neuen Monde durch das internationale Forschungsteam aus Taiwan, Kanada, den USA und Frankreich bereits bestätigt. Das heißt: Saturn hat nun offiziell fast doppelt so viele Monde, wie alle anderen Planeten im Sonnensystem zusammen. Und auf einigen der Saturn-Monde könnte theoretisch Leben möglich sein.

PlanetAnzahl Monde
Saturn274
Jupiter95
Uranus28
Neptun16
Mars2
Erde1
Venus0
Merkur0

Forschungsteam entdeckt gleich 128 neue Saturn-Monde

Die Entdeckung der 128 neuen Saturn-Monde erfolgte mit dem Canada France Hawaii Telescope (CFHT), das bereits zwischen 2019 und 2021 zur Identifizierung von 62 neuen Saturn-Monden genutzt wurde. Damals wurden außerdem einige Objekte gesichtet, die nicht näher bestimmt werden konnten. „Mit dem Wissen, dass es sich vielleicht um Monde handelt und dass möglicherweise noch viel mehr Monde darauf warten, entdeckt zu werden, haben wir dieselbe Region an drei Monaten im Jahr 2023 erneut abgesucht“, berichtet Ashton in einer Mitteilung.

Die neu entdeckten Monde sind nicht mit dem Mond vergleichbar, der die Erde umkreist. Sie sind deutlich kleiner und werden als „unregelmäßig“ bezeichnet. Brett Gladman von der University of British Columbia erläutert: „Diese Monde sind nur wenige Kilometer groß und sind wahrscheinlich alle Fragmente einer kleineren Anzahl von ursprünglich eingefangenen Monden, die durch heftige Kollisionen entweder mit anderen Saturn-Monden oder mit vorbeiziehenden Kometen auseinandergebrochen sind.“

Der Titan ist der größte Mond des Planeten Saturn. Unter seiner Eisschicht hat er einen gewaltigen Ozean. (Archivbild)

Kollisionen im Saturn-System sorgten für kleine und „unregelmäßige“ Monde

Das Team vermutet, dass diese Kollisionen in den letzten 100 Millionen Jahren im Saturn-System stattgefunden haben. „Unsere sorgfältig geplante mehrjährige Kampagne hat eine Fülle neuer Monde hervorgebracht, die uns Aufschluss über die Entwicklung der unregelmäßigen natürlichen Satellitenpopulation des Saturn geben“, erklärt Ashton. Er ist überzeugt, dass in den kommenden Jahren keine weiteren Saturn-Monde mehr entdeckt werden können: „Ich glaube nicht, dass wir mit der heutigen Technologie viel mehr erreichen können als das, was bereits für die Monde von Saturn, Uranus und Neptun erreicht wurde.“ (tab)

Rubriklistenbild: © imago/ZUMA Press/Nasa

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