Satelliten-Konstellationen

Das Ende des dunklen Nachthimmels? Helle Satelliten sorgen Astronomie

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Satelliten-Konstellationen wie „Starlink“ von SpaceX sorgen dafür, dass sich am Nachthimmel ständig etwas bewegt. Das stört nicht nur die Amateurastronomie, sondern vor allem auch die Profis mit ihren empfindlichen Geräten. (Archivbild)
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Seit Jahren steigt die Zahl der Satelliten im Erdorbit an – die Astronomie macht sich aus mehreren Gründen große Sorgen um den Nachthimmel.

Paris – Seit Urzeiten blickt der Mensch zum Sternenhimmel und macht sich Gedanken über sich selbst, seinen Platz im Universum und die Frage, ob die Menschheit allein ist in den unendlichen Weiten des Weltalls. Doch seit einigen Jahren tut sich etwas am Sternenhimmel: Immer mehr Satelliten umkreisen die Erde und sind als „sich bewegende Sterne“ am Himmel sichtbar. Zuerst waren es nur wenige Satelliten, doch mit dem Start der ersten „Starlink“-Satelliten von SpaceX im Mai 2019 hat sich einiges am Nachthimmel verändert.

Mittlerweile hat SpaceX mehr als 3500 der kleinen Satelliten, die schnelles Internet in allen Winkeln der Erde verfügbar machen sollen, ins Weltall geschossen. 3268 davon befinden sich Ende November 2022 im Erdorbit – und sind immer wieder hell am Nachthimmel zu sehen. Besonders in der Dämmerung und kurz nach ihrem Start sind die Satelliten teils sehr hell zu sehen – der Formationsflug der „Starlinks“ kurz nach dem Start ähnelt einer „Perlenkette“ und sorgt öfter für Anrufe bei der Ufo-Meldestelle im Odenwald.

„Starlink“ und „BlueWalker 3“: Astronomie sorgt sich um dunklen Nachthimmel

Die Internationale Astronomische Union (IAU) äußerte sich wegen der hellen „Starlinks“ besorgt, SpaceX versuchte, die Satelliten mittels dunkler Farbe weniger auffällig am Himmel zu machen – was nur teilweise gelang. Das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk plant, insgesamt mehr als 40.000 Satelliten in die Erdumlaufbahn zu schicken. Und auch weitere Satelliten-Konstellationen stehen in den Startlöchern – Oneweb beispielsweise oder „Project Kuiper“ von Amazon.

Doch die größte Sorge der Astronomie-Community gilt derzeit einem neuen Satelliten am Himmel: „BlueWalker 3“ ist der Prototyp für eine weitere geplante Satelliten-Konstellation und im September an Bord einer SpaceX-Rakete ins Weltall gestartet. Nachdem er sich dort entfaltet hatte, war das Entsetzen unter Fachleuten groß: Der Satellit ist heller als die meisten Sterne. Nach Angaben der IAU haben Messungen gezeigt, dass „BlueWalker 3“ so hell ist wie die Sterne Antares und Spika – nur 14 Sterne sind heller als diese beiden.

Satellit „BlueWalker 3“ stört die Astronomie nicht nur durch seine Helligkeit

„‚BlueWalker 3‘ ist eine große Neuerung in der Problematik der Satelliten-Konstellation und sollte uns allen Grund zum Innehalten geben“, betont Piero Benvenuti, Direktor des Center for the Protection of the Dark and Quiet Sky from Satellite Constellation Interference (IAU CPS) in einer Mitteilung. Die Sorge gilt bei „BlueWalker 3“ jedoch nicht nur der Helligkeit des Satelliten, sondern auch einer weiteren Eigenschaft, die er mitbringt: Der Satellit soll direkt mit Handys auf der Erde kommunizieren und wird dazu starke Radiowellen auf Frequenzen aussenden, die derzeit für die irdische Mobilfunkkommunikation reserviert sind.

Das Problem dabei: Auf der Erde gibt es sogenannte „Funkruhezonen“, in denen die Nutzung von Funksignalen beschränkt ist, beispielsweise um dort Radioastronomie durchzuführen. Diesen Beschränkungen unterliegen Satelliten in der Erdumlaufbahn nicht. Das bedeutet, sie könnten radioastronomische oder geodätische Untersuchungen empfindlich stören.

„Die Frequenzen, die den Mobiltelefonen zugewiesen sind, sind schon jetzt schwierig zu beobachten, selbst in den Funkruhezonen, die wir für unsere Einrichtungen geschaffen haben“, erklärt Philip Diamond, Generaldirektor des Square Kilometre Array (SKAO), ein internationales Projekt, das in Australien und Südafrika riesige Radioteleskope errichtet. „Neue Satelliten wie ‚BlueWalker 3‘ haben das Potenzial, diese Situation zu verschlimmern und unsere Fähigkeit, Wissenschaft zu betreiben, zu beeinträchtigen, wenn sie nicht angemessen entschärft werden“, fährt Diamond fort.

Sternenhimmel im Dezember: Welche Planeten, Sternbilder und Himmelsphänomene zu sehen sind

Die Plejaden (M45, „Sieben Schwestern“) sind ein offener Sternhaufen und waren bereits lange vor der Erfindung des Fernglases als Sternengruppe bekannt. Der Sternhaufen besteht aus mindestens 400 Sternen und ist mehr als 400 Lichtjahre von der Erde entfernt. Trotzdem ist er mit bloßem Auge im Sternbild Stier zu erkennen.
Die Plejaden (M45, „Sieben Schwestern“) sind ein offener Sternhaufen und waren bereits lange vor der Erfindung des Fernglases als Sternengruppe bekannt. Der Sternhaufen besteht aus mindestens 400 Sternen und ist mehr als 400 Lichtjahre von der Erde entfernt. Trotzdem ist er mit bloßem Auge im Sternbild Stier zu erkennen. © imago/Shotshop
Der offene Sternhaufen Hyaden („Regengestirn) im Sternbild Stier befindet sich neben dem hellen Stern Aldebaran (im Bild erscheint er gelb) im Sternbild Stier. Die Hyaden bestehen aus etwa 350 Sternen, die etwa 150 Lichtjahre von der Erde entfernt liegen.
Der offene Sternhaufen Hyaden („Regengestirn) im Sternbild Stier befindet sich neben dem hellen Stern Aldebaran (im Bild erscheint er gelb) im Sternbild Stier. Die Hyaden bestehen aus etwa 350 Sternen, die etwa 150 Lichtjahre von der Erde entfernt liegen. © imago/VWPics
Der Orionnebel (M42) ist Teil des „Schwertes des Orion“ und ohne Hilfsmittel nur als unscharfes Fleckchen erkennbar. Bereits mit einem kleinen Fernglas kann man aber erste Details des Emissionsnebels wahrnehmen.
Der Orionnebel (M42) ist Teil des „Schwertes des Orion“ und ohne Hilfsmittel nur als unscharfes Fleckchen erkennbar. Bereits mit einem kleinen Fernglas kann man aber erste Details des Emissionsnebels wahrnehmen. © imago/imagebroker
Das Sternbild Orion ist eins der auffälligsten Wintersternbilder. In ihm befindet sich der Orionnebel (M42) als Teil des „Schwertes“. In dieser Aufnahme ist auch der bekannte Stern Beteigeuze gut zu sehen: Es ist der linke Schulterstern, der rötlich leuchtet.
Das Sternbild Orion ist eins der auffälligsten Wintersternbilder. In ihm befindet sich der Orionnebel (M42) als Teil des „Schwertes“. In dieser Aufnahme ist auch der bekannte Stern Beteigeuze gut zu sehen: Es ist der linke Schulterstern, der rötlich leuchtet. © imago/Leemage
Im Wintersternbild Stier (Taurus) – kenntlich gemacht durch die nachträglich eingezeichneten Linien – befinden sich die offenen Sternhaufen Plejaden (M45, „Sieben Schwestern“) und Hyaden („Regengestirn“).
Im Wintersternbild Stier (Taurus) befinden sich die offenen Sternhaufen Plejaden (M45, „Sieben Schwestern“) und Hyaden („Regengestirn“). © imago/StockTrek Images
Zu den prägenden Himmelsfiguren am Winterhimmel gehört das Sternbild Zwillinge mit den markanten Hauptsternen Kastor und Pollux, benannt nach zwei Figuren der griechischen Mythologie. Wer genau hinschaut, und sich die hier nachträglich eingezeichneten Linien anschaut, kann im Sternbild zwei Figuren erkennen, die sich an den Händen halten. Kastor und Pollux sind die „Köpfe“ der beiden Figuren.
Zu den prägenden Himmelsfiguren am Winterhimmel gehört das Sternbild Zwillinge mit den markanten Hauptsternen Kastor und Pollux, benannt nach zwei Figuren der griechischen Mythologie. Wer genau hinschaut, kann im Sternbild zwei Figuren erkennen, die sich an den Händen halten. Kastor und Pollux sind die „Köpfe“ der beiden Figuren. © imago/StockTrek Images
Ebenfalls auffällig ist der „Hundsstern“ Sirius, ein Doppelsternsystem im Sternbild Großer Hund. Sirius ist der hellste Stern am Nachthimmel und einer der auffälligsten: Er leuchtet in einem grellen bläulich-weißen Licht und neigt zu farbenfrohem Flackern. In diesem Bild ist er der helle Stern links unten.
Ebenfalls auffällig ist der „Hundsstern“ Sirius, ein Doppelsternsystem im Sternbild Großer Hund. Sirius ist der hellste Stern am Nachthimmel und einer der auffälligsten: Er leuchtet in einem grellen bläulich-weißen Licht und neigt zu farbenfrohem Flackern. In diesem Bild ist er der helle Stern links unten. © IMAGO/Alan Dyer
Die Planeten Jupiter (links) und Saturn (rechts) sind im Dezember 2022 bereits am frühen Abend zu sehen.
Die Planeten Jupiter (links) und Saturn (rechts) sind im Dezember 2022 bereits am frühen Abend zu sehen. © Imago/Alan Dyer
Am 8. Dezember 2022 steht der Vollmond am Himmel – der am frühen Morgen für etwa eine Stunde den Planeten Mars verdecken wird.
Am 8. Dezember 2022 steht der Vollmond am Himmel – der am frühen Morgen für etwa eine Stunde den Planeten Mars verdecken wird. © imago/Nicolas Economou
Der Planet Merkur (unten) ist nur schwer zu beobachten, da er sich immer nahe der Sonne befindet. Im Dezember 2022 könnte es an einigen Tagen gelingen. Die Venus (oben) ist dagegen leichter zu beobachten – sie ist der hellste Planet am Himmel. (Archivbild)
Der Planet Merkur (unten) ist nur schwer zu beobachten, da er sich immer nahe der Sonne befindet. Im Dezember 2022 könnte es an einigen Tagen gelingen. Die Venus (oben) ist dagegen leichter zu beobachten – sie ist der hellste Planet am Himmel. (Archivbild) © imago images/VWPics
Im Dezember ist alljährlich einer der besten Sternschnuppen-Ströme des Jahres aktiv. Die Geminiden versprechen bis zu 150 Sternschnuppen pro Stunde – allerdings gilt diese Zahl nur bei kaum erreichbaren, perfekten Beobachtungsbedingungen. Das Maximum der Geminiden ist am 14. Dezember. (Archivbild)
Im Dezember ist alljährlich einer der besten Sternschnuppen-Ströme des Jahres aktiv. Die Geminiden versprechen bis zu 150 Sternschnuppen pro Stunde – allerdings gilt diese Zahl nur bei kaum erreichbaren, perfekten Beobachtungsbedingungen. Das Maximum der Geminiden ist am 14. Dezember. (Archivbild) © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Satelliten-Konstellationen stören die Suche nach Asteroiden

Große Satelliten-Konstellationen sind aus mehreren Gründen in der Kritik. Die meisten – aber nicht alle – Kritikpunkte haben mit der Helligkeit zu tun: Die Satelliten „verschandeln“ nicht nur den bisher gewohnten Blick an den Nachthimmel, sie machen außerdem astronomische Beobachtungen schwieriger. Besonders kritisch: Gerade in der Dämmerung, in der mithilfe von Teleskopen nach möglicherweise gefährlichen Asteroiden, die aus der Richtung der Sonne kommen, gesucht wird, sind die Satelliten am hellsten und stören die Beobachtung.

Aber auch Teleskope, die derzeit noch gar nicht aktiv sind, dürften Probleme bekommen. Bestes Beispiel dafür ist das „Vera C. Rubins“-Observatorium, das derzeit in Chile gebaut wird. Es kostet 473 Millionen US-Dollar und soll 2024 in Betrieb gehen. Geplant ist, dass es mittels der größten Digitalkamera der Welt künftig regelmäßig den gesamten Nachthimmel fotografiert und dabei unter anderem die Galaxie kartiert und nach kurzfristig auftretenden Ereignisse im gesamten Universum Ausschau hält – der sogenannte „Legacy Survey of Space and Time“ (LSST). Dieses Projekt ist bereits jetzt in Gefahr, befürchten die beteiligten Forschenden, da bis 2024 die Zahl der Satelliten im Erdorbit weiter rasant zunehmen dürfte.

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Kritik an Satelliten-Konstellationen: Sorgen für Weltraumschrott

Doch nicht nur die Helligkeit der Satelliten und die Funksignale sind Kritikpunkte. Auch die schiere Masse von Objekten in der Erdumlaufbahn wird kritisiert – bedeutet sie doch eine potenzielle Zunahme von Weltraumschrott, der beispielsweise der Internationalen Raumstation (ISS) oder anderen wissenschaftlichen Projekten gefährlich werden kann und auch für die Erdatmosphäre schädlich ist. In einer Studie nennen Fachleute die große Menge von Satelliten gar „Experiment ohne Aufsicht oder Regulierung“. Und auch die Zahl der Raketenstarts, die für den Aufbau von Satelliten-Konstellationen notwendig sind, wird von Fachleuten kritisiert: Die zahlreichen Raketenstarts können Auswirkungen auf Atmosphäre und Klima haben.

Mittlerweile gibt es auch Kritik an der US-Behörde FCC, die Satelliten, die aus den USA starten, genehmigen muss. Ein Bericht des Government Accountability Office (GAO, der US-amerikanische Rechnungshof) stellte erst kürzlich fest, dass Satelliten-Konstellationen der Umwelt schaden könnten und forderte weitere Studien, um die Auswirkungen auf die Astronomie zu bewerten. Im nächsten Schritt sollen dann neue politische Maßnahmen folgen. Doch die könnten zu spät kommen, befürchten nicht wenige Astronominnen und Astronomen. (tab)

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