Meereis schmilzt

Neue Studie alarmiert: „Würde die Arktis in eine völlig andere Umgebung verwandeln“

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Wird das Eis in der Arktis zur Mangelware? Eine Studie zeigt: Der erste „eisfreie“ Tag kommt früher als erwartet und bald auch ein ganzer Monat fast ohne Meereis.

Boulder, Colorado – Noch spricht man in der Arktis vom „Ewigen Eis“. Mehrere Millionen Quadratkilometer gefrorenen Wassers, das zu jeder Jahreszeit über dem Ozean treibt. Doch damit ist es wohl bald vorbei. Denn das Eis schmilzt – aufgrund des menschengemachten Klimawandels und der Erwärmung unserer Erde. Immer weniger Fläche rund um den Nordpol bedecken die weißen Massen in den Sommermonaten. Das ist auf Grönland, beim dortigen Eisschild, ebenso wie an anderen Stellen in der Arktis. Sie könnte in zehn Jahren eisfrei sein, warnten Forscher bereits im vergangenen Sommer.

Und selbst diese Annahme könnte womöglich zu optimistisch gewesen sein. Dies legt eine neue Studie aus den Vereinigten Staaten nahe. Demnach könnte es bereits in den kommenden Jahren Sommertage geben, an denen in der Arktis praktisch kein Meereis zu finden ist. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, „dass der erste eisfreie Tag in der Arktis über zehn Jahre früher eintreten könnte als in vorherigen Prognosen“, schreibt die University of Colorado Boulder, wo die Studie erarbeitet wurde.

Laut einer neuen Studie gibt es bald den ersten „eisfreien“ Tag in der Arktis. Das hat für Tiere erhebliche Auswirkungen.

Bereits Mitte des Jahrhunderts soll es laut Studie in der Arktis einen eisfreien Monat geben

Am Dienstag (5. März) haben die Autorinnen um Atmosphären- und Ozeanwissenschaftlerin Alexandra Jahn die Untersuchung in der Fachzeitschrift Nature Review Earth & Environment veröffentlicht. Laut Uni analysierten sie vorhandene Literatur und Daten zur Meereisbedeckung aus rechnergestützten Klimamodellen. So wollten sie abschätzen, wie sich die Arktis künftig verändert.

Das Ergebnis besorgt: Demnach soll es in der Arktis bereits Mitte des Jahrhunderts im September einen eisfreien Monat geben. Gegen Ende des Jahrhunderts könnte sich diese Zeit gar auf mehrere Monate ausweiten – im schlimmsten Szenario satte neun Monate. „Dies würde die Arktis in eine völlig andere Umgebung verwandeln, von einer weißen Sommerarktis in eine blaue Arktis“, erklärte Jahn.

Treibhausgasemissionen Hauptursache der Eisschmelze in der Arktis

Hauptursache für den Eisverlust sind laut der Wissenschaftlerin die Treibhausgasemissionen. Eine dünnere Schnee- und Eisdecke bedeute, dass der Ozean mehr Wärme vom Sonnenlicht absorbiere, was Eisschmelze und Arktiserwärmung verschlimmere. Dies habe erhebliche Auswirkungen aufs Tierreich. Robben und Eisbären sind aufs Meereis angewiesen, zudem befürchten die Forscherinnen und Forscher den Zuzug fremder Fischarten.

Als „eisfrei“ gilt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Arktis dann, wenn der Ozean weniger als eine Million Quadratkilometer Eis aufweist. Dies sind laut Uni weniger als 20 Prozent der saisonalen Mindesteisbedeckung in der Arktis in den 1980er Jahren. 

Betrachtet man die vergangenen Jahre, habe das Arktische Meer im September im Minimum rund 3,3 Millionen Quadratkilometer Meereisfläche aufgewiesen. Das werde sich aber ändern, prognostizieren die Forscherinnen und Forscher. In allen Emissionsszenarien wird der Schwellenwert das erste Mal an einem Tag Ende August oder Anfang September zwischen den 2020er und 2030er Jahren unterschritten.

Meereis in Arktis kann zurückkommen, wenn die Atmosphäre abkühlt

Verhindern lässt sich das laut Jahn nicht. Aber „auch wenn eisfreie Bedingungen unvermeidbar sind, müssen wir unsere Emissionen dennoch so gering wie möglich halten, um längere eisfreie Bedingungen zu vermeiden“, sagt sie. Heißt: Je weniger Emissionen die Menschheit in die Luft bläst, desto kürzer sind die eisfreien Perioden.

Eine gute Nachricht gibt es dann aber doch: Kühlt die Atmosphäre ab, kann das Meereis zurückkommen. Jahn erklärt: „Selbst wenn wir das gesamte arktische Meereis schmelzen, kommt das Meereis innerhalb eines Jahrzehnts zurück, sollten wir herausfinden, wie wir in Zukunft CO2 aus der Atmosphäre zurückholen können, um die Erwärmung umzukehren.“ (Florian Neuroth)

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