Sind der Neptun-Mond Triton (links, Aufnahme von „Voyager 2“ im Jahr 1989) und der Zwergplanet Pluto (rechts, Aufnahme von „New Horizons“ im Jahr 2015) Zwillinge?
Der Neptun-Mond Triton und der Zwergplanet Pluto ähneln sich sehr. Nun zeigt eine neue Studie, was an dieser Theorie dran sein könnte.
Greenbelt – Der Zwergplanet Pluto und der Neptun-Mond Triton ähneln sich in vielerlei Hinsicht. Sie haben eine ähnliche Größe, ihre Zusammensetzung ist sehr ähnlich und auch die Atmosphären gleichen sich. Kurz: Pluto und Triton könnten Zwillinge sein, die bei der Geburt getrennt wurden. Ähnlich formuliert das auch eine neue Studie, die sich mit der möglichen gemeinsamen Herkunft der beiden Himmelskörper beschäftigt hat: „Triton und Pluto sind seit langem als Zwillingswelten mit ähnlichen Größen, Dichten und sogar Zusammensetzungen bekannt“, heißt es darin.
Triton
Pluto
Durchmesser: 2706,8 km
Durchmesser: 2376 km
Dichte: 2,059 g/cm3
Dichte: 1,854 g/cm3
Oberflächentemperatur: −235° Celsius
Oberflächentemperatur: −249 bis −235° Celsius
Atmosphäre: 99% Stickstoff, 1% Methan, Spuren von Kohlenmonoxid
Beide Himmelskörper wurden bisher von je einer Raumsonde besucht: Die Nasa-Raumsonde „Voyager 2“ flog 1989 am Neptun-Mond Triton vorbei, während „New Horizons“ 2015 den Zwergplaneten Pluto besuchte. „Unser Wissen über die Oberflächen- und Atmosphärenzusammensetzung von Triton und Pluto ist auf Pluto ausgerichtet“, betont die Studie jedoch und ergänzt: „Momentan wenden wir die Dinge, die wir über Pluto gelernt haben, auf Triton an.“ Schließlich hat „New Horizons“ viel mehr Daten über Pluto geliefert als „Voyager 2“ über Triton.
War Triton nicht immer ein Mond des Planeten Neptun?
Dass Triton nicht immer ein Mond von Neptun war, verrät der Forschung bereits eine Tatsache: Er umkreist seinen Planeten in entgegengesetzter Richtung zu dessen Rotation – und ist der einzige große Mond in unserem Sonnensystem, der das tut. Daher gibt es schon lange Vermutungen, dass Triton tatsächlich aus dem Kuipergürtel stammt, einer Region im Sonnensystem, die sich außerhalb der Umlaufbahn von Neptun erstreckt. Dort existieren zahlreiche eisige Objekte – unter anderem auch der 2006 zum Zwergplaneten degradierte Pluto.
Die Studie wurde bisher nur auf dem Preprint-Server ArXiv veröffentlicht und noch nicht durch Fachleute begutachtet. Darin geht das Forschungsteam um die Forscherin Kathleen Mandt vom Goddard Space Flight Center der Nasa sogar so weit, zu vermuten, dass Triton und Pluto nah beieinander entstanden sind. „Sie haben sich wahrscheinlich in derselben Region gebildet, die nicht dort liegt, wo sich jetzt der Kuipergürtel befindet, sondern entweder näher oder weiter entfernt“, erklärt Mandt gegenüber dem New Scientist.
Pluto und Triton könnten aus der gleichen Region im Weltall stammen
Weil auf beiden Himmelskörpern große Mengen von Stickstoff und Spuren von Methan und Kohlenmonoxid gefunden wurden, vermutet das Forschungsteam, dass Triton und Pluto beide in den kalten äußeren Regionen des frühen Sonnensystems entstanden – denn diese waren reich an Stickstoff. Auch der Komet C/2016 R2 (PanSTARRS) soll laut dem Forschungsteam aus einer ähnlichen Region kommen.
„Sie müssen sich jenseits der Eislinie gebildet haben“, ist Mandt überzeugt und spielt damit auf die Entfernung von der Sonne an, in der Wasser gefrieren würde. Wegen ihrer sehr ähnlichen Zusammensetzung geht Mandt davon aus, dass Triton und Pluto sich in einem Abstand von einer bis fünf Astronomischen Einheiten (1 AE entspricht dem Abstand zwischen Sonne und Erde, also etwa 150 Millionen Kilometern) voneinander gebildet haben. Dabei waren sie Mandt zufolge nicht weiter als 30 AE von der Sonne entfernt.
So sieht das „Hubble“-Weltraumteleskop das Sonnensystem
Wie Triton zu einem Mond von Neptun wurde, ist unklar. Womöglich hat Neptuns Schwerkraft den Himmelskörper eingefangen, als die großen Planeten sich in den ersten 100 Millionen Jahren des Sonnensystems näher an die Sonne heran bewegten. Dass Pluto und Triton relativ nahe beieinander entstanden sein müssen, könnte noch mehr verraten, sagt Paul Schenk vom Lunar and Planetary Institute im New Scientist: „Es ist ein Hinweis darauf, dass es mehr als einen Pluto gab. Möglicherweise gab es weitere Körper mit vergleichbarer Größe und Zusammensetzung, die verloren gegangen sind.“
Um mehr über die Herkunft der beiden Himmelskörper herauszufinden, müsste eine Raumsonde Triton besuchen. Doch das wird nicht so bald passieren – schließlich ist Neptun mehr als vier Milliarden Kilometer entfernt. Außerdem stehen andere Missionen derzeit im Fokus der Raumfahrt – etwa zu den Planeten Mars und Venus sowie zum Jupiter-Mond Europa. (tab)