Impfstoffe

Mit einer Impfung gegen Covid-19 und Grippe schützen

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Bislang sind zwei separate Impfungen notwendig.
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Das neue Vakzin des US-Unternehmens Moderna erzielt in einer klinischen Studie vielversprechende Ergebnisse. Es kombiniert die Corona- mit der Grippe-Impfung.

Frankfurt – Der kombinierte Impfstoff „mRNA-1083“ gegen Covid-19 und Grippe des US-Pharmaunternehmens Moderna soll bei über 50-jährigen Erwachsenen eine ebenso starke oder teilweise sogar bessere Immunantwort auslösen als einzeln verabreichte Impfstoffe gegen beide Erkrankungen. Das hat eine klinische Phase-3-Studie – die letzte vor einer möglichen Zulassung – ergeben, die im Fachmagazin Jama veröffentlicht wurde. Der neue Kombinationsimpfstoff basiert wie schon das Vakzin „Spikevax“ von Moderna und das Konkurrenzprodukt „Comirnaty“ von Biontech/Pfizer auf der mRNA-Technologie.

Impfstoff gegen Grippe und Corona müsste jedes Jahr angepasst werden

Das in der Studie eingesetzte Vakzin besteht aus einer an die Omikron-XBB1.5-Variante des Coronavirus angepassten Version von „Spikevax“ und einem firmeneigenen mRNA-Impfstoff gegen die 2023/24 kursierenden Influenzaviren. Die in dieser Saison dominierende Variante von Sars-CoV-2 war Omikron-XBB1.5. Zum Hintergrund: Die Studie lief von Oktober 2023 bis Mai 2024, deshalb wurden die Virustypen eingesetzt, die in dieser Zeit aktuell waren. Bei einer möglichen Zulassung von mRNA-1083 müssten die enthaltenen Impfstoffe jedes Jahr an die jeweils vorherrschenden Varianten beider Viren angepasst werden – so wie es jetzt bereits bei den Einzelimpfstoffen der Fall ist.

Teilgenommen haben rund 8000 Frauen und Männer im Alter von über 50 Jahren, sie wurden in zwei Gruppen von 50 bis 64 Jahre und ab 65 Jahren eingeteilt. Ziel der Studie war der sogenannte Nichtunterlegenheitsnachweis. Das bedeutet: Getestet wurde, ob der neue Kombinationsimpfstoff mindestens genauso gut schützt wie die einzeln verabreichten Standardimpfungen mit „Spikevax“ und einem der gängigen Grippeimpfstoffe in Standard- oder Hochdosis (wie sie oft Risikogruppen verabreicht wird). Konkret handelte es sich dabei um die nicht auf mRNA-Technologie basierenden Vakzine „Fluzone“ von Sanofi und „Fluarix“ von GlaxoSmithKline. Die Teilnehmenden bekamen entweder das neue Kombivakzin oder die beiden Impfstoffe gegen Covid und Grippe separat gespritzt.

Hoffnung auf höhere Impfraten durch Doppel-Impfstoff gegen Corona und Grippe

Der Fokus der Studie lag allerdings nicht darauf, wie viele Erkrankungen oder schwere Verläufe der Impfstoff tatsächlich verhindern kann. Vielmehr ging es darum, die Stärke der ausgelösten Antwort des Immunsystems festzustellen. Dafür wurden die Titer der Antikörper gemessen, die der Körper als Reaktion auf die Impfung produziert. Infektionen werden nicht allein durch Antikörper im Blut abgewehrt, sondern auch durch das Schleimhautimmunsystem im Nasen-Rachen-Raum – der Eintrittspforte von Corona- und Influenzaviren - sowie durch B- und T-Zellen, die allerdings schwerer zu messen sind.

Insgesamt sei der neue Kombinationsimpfstoff „mindestens so immunogen wie die empfohlenen Standardimpfstoffe gegen die saisonale Grippe und Covid-19 und bei Erwachsenen ab 50 Jahren gut verträglich“, heißt es in der Studie.  Gegen Influenza A-Viren schnitt der neue Kombinationsimpfstoff besser ab als die einzeln verabreichten Grippeimpfstoffe. Bei Influenza B fielen die Antikörpertiter beider Vakzine etwa gleich hoch aus. Gegen das Spike-Protein von Sars-CoV-2, Angriffspunkt aller mRNA-Coronavakzine, löste der neue Impfstoff eine mindestens gleich starke Immunantwort aus wie Spikevax allein.

Einen Vorteil des „Mehrfachkomponentenimpfstoffs“ sehen die Forschenden zudem darin, dass man mit nur einer Injektion gegen beide Krankheiten impfen kann, also dass man sich nicht zweimal eine Spritze verpassen lassen muss. Das könne möglicherweise dazu führen, dass sich mehr Menschen impfen lassen.

Keine schweren Nebenwirkungen – Verträglichkeit von Doppel-Impfung ist „akzeptabel“

Schwerwiegende Nebenwirkungen sollen bei mRNA-1083 nicht aufgetreten sein. So seien keine Fälle von Myokarditis (Herzmuskelentzündung) und Perikarditis (Herzbeutelentzündung) gemeldet worden. Beide Erkrankungen können in seltenen Fällen nach mRNA-Impfungen gegen Covid auftreten, ein erhöhtes Risiko haben dabei insbesondere junge Männer. Rund 80 Prozent der Teilnehmenden berichteten von typischen Impfreaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Diese typischen Reaktionen sollen bei den Standardimpfungen und der Kombinationsimpfung etwa gleich häufig vorkommen sein. Das Sicherheitsprofil bewerten die Forscherinnen und Forscher deshalb als ähnlich wie bei den Vergleichsimpfstoffen und die Verträglichkeit wurde als „akzeptabel“ eingestuft. Das Nutzen-Risiko-Profil sei insgesamt günstig.

Ursprünglich hatte Moderna die Zulassung von mRNA-1083 für Erwachsene ab 50 Jahren in den USA für Februar dieses Jahres angestrebt. Laut Berichten in US-Medien verzögerte sich dieser Prozess aber, weil die US-amerikanische Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) um zusätzliche Daten gebeten hatte. Eine Entscheidung in den USA soll nun erst 2026 fallen. Die für 2027 angestrebte Ausweitung des Impfstoffs auf 18- bis 49-Jährige soll Moderna vorerst zurückgestellt haben.

Empfehlung der Stiko steht noch aus

Carsten Watzl, Leiter des Forschungsbereichs Immunologie und wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund, erklärt in einer Stellungnahme für das Science Media Center, dass in Zukunft „sicherlich“ noch weitere Daten zur Wirksamkeit – „Schutz vor Erkrankung und nicht nur Antikörperspiegel“ – als auch zu Nebenwirkungen – „längerer Beobachtungszeitraum“ – erhoben werden müssten. Die vorliegenden Daten seien aber „bereits vielversprechend.“

Allerdings werde „vor einem breiten Einsatz“ noch eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) notwendig sein – „auch wenn diese Daten für eine Zulassung der Impfung ausreichend sein könnten“. Watzl ist daher derzeit noch skeptisch, „ob wir bereits im Herbst mit einem zugelassenen, an die aktuellen Varianten angepassten und von der Stiko empfohlenen Kombinationsimpfstoff rechnen können.“

Gleichwohl geht der Immunologe davon aus, dass es für die Zukunft für die beiden Impfungen „nur noch einen Piks geben“ wird. Die Tatsache, dass für beide Impfungen nur noch eine Injektion benötigt werde, sieht Watzl als großen Vorteil an. „Da Grippe- und Coronaimpfung zu einer ähnlichen Zeit verabreicht werden soll und auch für die fast gleichen Personengruppen empfohlen ist, sollte dies hoffentlich dazu beitragen, die aktuell eher schlechten Impfquoten zu erhöhen“, sagt der Immunologe.

Außer Moderna arbeiten auch Biontech/Pfizer an einem mRNA-Kombinationsimpfstoff gegen Covid-19 und Grippe. (pam)

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