Warum das Meer in der Antarktis abkühlt, während die Erde wärmer wird – „Überraschendes Ergebnis“:
VonTanja Banner
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Seit mehr als vier Jahrzehnten kühlt das Meer um die Antarktis ab – während andere Ozeane wärmer werden. Ein Forschungsteam hat nun herausgefunden, woran das liegt.
Stanford – Die Erde wird wärmer und mit ihr auch die Meere. Eigentlich sollte das auch für das Südpolarmeer gelten, das Meer, das die Antarktis umgibt. Doch dem ist nicht so. Entgegen Modellberechnungen wird das Südpolarmeer (auch „Südlicher Ozean“ oder „Antarktischer Ozean“ genannt) kühler – und verblüfft damit seit Jahrzehnten die Forschung. Wissenschaftler haben jetzt festgestellt, warum das so ist. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Geophysical Research Letters veröffentlicht.
Der Antarktische Ozean wird kühler und weniger salzig
„Wir haben herausgefunden, dass die Abkühlung des Südlichen Ozeans tatsächlich eine Reaktion auf die globale Erwärmung ist, die das Abschmelzen der Eisschilde und die lokalen Niederschläge beschleunigt“, erklärt Earle Wilson, ein Assistenzprofessor für Erdsystemwissenschaften an der Stanford Doerr School of Sustainability und Hauptautor der Studie. Durch den Klimawandel schmilzt das Eisschild der Antarktis – erst kürzlich hat sich ein riesiger Eisberg gelöst und einen Blick unter das Eis ermöglicht.
Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde
Gleichzeitig werden durch den Klimawandel mehr Niederschläge verursacht. Dieses Süßwasser, das ins Südpolarmeer gelangt, sorgt dafür, dass die obere Schicht des Meeres weniger salzig ist – und damit weniger dicht. So entsteht eine Art „Deckel“, der den Austausch von kühlem Oberflächenwasser mit wärmerem Wasser darunter einschränkt.
Wilson erklärt es so: „Je frischer die Oberflächenschicht ist, desto schwieriger ist es, warmes Wasser durchzumischen.“ Das Süßwasser ist in aktuellen Klimamodellen nur teilweise berücksichtigt. „Die Auswirkungen von Gletscherschmelzwasser auf die Ozeanzirkulation fehlen in den meisten Klimamodellen völlig“, beklagt Wilson.
Südpolarmeer kühlt sich seit mehr als 40 Jahren ab
Seit mehr als 40 Jahren wird eine Abkühlung des Südpolarmeers beobachtet, während der Indische Ozean und der westliche Pazifik wärmer werden. In den vergangenen acht Jahren gab es den Forschenden zufolge jedoch auch „Wärmeereignisse“, die den beobachteten Kühl-Trend rund um die Antarktis etwas verringert haben.
Die Ozeane sind für das Klima auf der Erde wichtig: Sie absorbieren Kohlendioxid, das die Menschheit produziert und speichern überschüssige Wärme, die durch Treibhausgase verursacht wird. „Der Südliche Ozean ist einer der wichtigsten Orte, an denen das geschieht“, erklärt Studienleiter Zachary Kaufman. Das Südpolarmeer ist außerdem wichtig, weil seine Oberflächentemperatur die Wetterphänomene El Niño und La Niña beeinflusst. Erst kürzlich zeigte eine Nasa-Studie, dass es auf der Erde so wenig Eis gibt wie nie zuvor.
Süßwasser, das ins Südpolarmeer gelangt, spielt eine wichtige Rolle für Antarktis
Um den physischen Mechanismus zu verstehen, weshalb der Ozean rund um die Antarktis abkühlt, hat das Forschungsteam genau hingeschaut und Simulationen durchgeführt. „Wir haben naiverweise angenommen, dass es keine Rolle spielt, wo genau man das Süßwasser einleitet“, erinnert sich Wilson. Doch es stellte sich heraus, dass die Oberflächentemperaturen empfindlicher auf Süßwasserströme an der Küste reagieren, als auf solche in Form von Regen.
Südpolarmeer
Das Südpolarmeer wird auch „Südlicher Ozean“ oder „Antarktischer Ozean“ genannt. Gemeint ist damit der Meeresbereich südlich des 60. Breitengrades – alle Meeresgebiete, die den Kontinent Antarktika umgeben. Der Antarktische Ozean geht in den Atlantik, den Indischen Ozean und den Pazifik über, weshalb er lange nicht als ein eigenständiger Ozean galt. Nach dem Nordpolarmeer ist der „Südliche Ozean“ der zweitkleinste Ozean.
„Die Zufuhr von Süßwasser in der Nähe des antarktischen Randes hat einen größeren Einfluss auf die Meereisbildung und den saisonalen Zyklus der Meereisausdehnung, was sich wiederum auf die Temperatur der Meeresoberfläche auswirkt“, erklärt Wilson.„Das war ein überraschendes Ergebnis, das wir in zukünftigen Arbeiten gerne weiter untersuchen werden.“
Schmelzwasser „verändert bereits jetzt die Ozeandynamik“
Das Forschungsteam entwickelte bei seiner Arbeit eine neue Methode, die Simulationen von 17 Klimamodellen miteinbezieht. Dabei stellte es fest, dass fehlendes Süßwasser bis zu 60 Prozent der Diskrepanz zwischen den beobachteten und den vorhergesagten Oberflächentemperaturen des Südpolarmeers zwischen 1990 und 2021 erklärt.
„Wir wissen schon seit einiger Zeit, dass das Abschmelzen der Eisschilde die Ozeanzirkulation im nächsten Jahrhundert und darüber hinaus beeinflussen wird“, sagt Wilson. „Unsere Ergebnisse liefern neue Beweise dafür, dass diese Schmelzwassertrends bereits jetzt die Ozeandynamik und möglicherweise das globale Klima verändern.“ (tab)