Neue Erkenntnisse zur Entstehung des Mondes: „Er hat sich buchstäblich von innen nach außen gedreht“
VonTanja Banner
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Unser Mond entstand mit einem großen Knall – doch wie ging es danach weiter? Ein Forschungsteam hat unter die Oberfläche geschaut.
Tucson – Der Mond entstand vor etwa 4,5 Milliarden Jahren, als ein kleiner Planet namens Theia in die junge Erde krachte und ein Stück aus ihr herausschlug. Die Trümmer verschmolzen, kühlten ab und verfestigten sich – der Mond bildete sich. So weit ist sich die Forschung relativ einig. Doch wie ging es danach weiter? Wie wurde der Mond zu dem Himmelskörper, der er heute ist? Bei diesen Fragen gehen die Ansichten in der Forschungsgemeinschaft auseinander.
Der Mond entstand schnell und heiß und war von einem Magmaozean bedeckt
Der Mond entstand schnell und heiß und war deshalb wahrscheinlich von einem Magmaozean bedeckt. Das geschmolzene Gestein kühlte ab, wurde fest und bildete den Mondmantel und die helle Kruste des Himmelskörpers, die man beim Blick zum Vollmond am Himmel sehen kann. Modelle des Forschungsteams zeigen, dass die letzten Reste des Magmaozeans zu dichten Mineralien auskristallisierten, darunter das titan- und eisenhaltige Mineral Ilmenit.
„Da diese schweren Mineralien dichter sind als der darunter liegende Mantel, entsteht eine Gravitationsinstabilität, und man würde erwarten, dass diese Schicht tiefer ins Innere des Mondes sinkt“, erklärt Weigang Liang, der die Forschung leitete. Doch in dem Mondgestein, das „Apollo“-Astronauten in den 1970er Jahren zur Erde brachten, fanden Forschende hohe Konzentrationen von Titan – wie passt das zusammen mit Material, das ins Innere des Mondes sank?
Die erdzugewandte Seite des Mondes im Querschnitt zeigt zwei Ilmenit-haltige Abgänge. Die Gravitationssignatur und die Lage der Ablagerungen sind blau schraffiert dargestellt.
Material von der Oberfläche ist ins Innere des Mondes gesunken
Das Forschungsteam hat eine Erklärung: Das dichte Material ist im Laufe der Jahrtausende ins Innere des Mondes gesunken, hat sich mit dem Mondmantel vermischt, ist geschmolzen und als titanreiche Lavaströme an die Oberfläche zurückgekehrt. Jeff Andrews-Hanna, ein Mitautor der Studie, formuliert es etwas deutlicher: „Unser Mond hat sich buchstäblich von innen nach außen gedreht.“ Es gebe jedoch nur wenige physikalische Beweise für die genaue Abfolge der Ereignisse, weshalb große Uneinigkeit über die Details herrsche.
„Ohne Beweise kann man sich sein Lieblingsmodell aussuchen. Jedes Modell hat tiefgreifende Auswirkungen auf die geologische Entwicklung unseres Mondes“, sagt Co-Autor Adrien Broquet in einer Mitteilung. Mithilfe von Daten der früheren Nasa-Mission „Grail“ konnte das Forschungsteam weitere Details entdecken: „Ilmenit-Materialien sind zur erdzugewandten Seite gewandert und in blattartigen Kaskaden ins Innere gesunken und haben eine Spur hinterlasse, die Anomalien im Schwerefeld des Mondes verursacht, wie sie von ‚Grail‘ beobachtet wurden“, fasst Liang zusammen.
Theia trifft die Erde – und verändert unseren Planeten
Der heftige Einschlag des Planeten Theia auf der Erde hatte auch für unseren Planeten Folgen: Ein Forschungsteam will Reste von Theia im Inneren der Erde aufgespürt haben. Eine andere Forschungsgruppe vermutet, dass die Kollision möglicherweise die Plattentektonik auf der Erde angestoßen hat.
Forschungsteam enthüllt Details aus der Geschichte des Mondes
Co-Autor Andrews-Hanna freut sich: „Zum ersten Mal haben wir physische Beweise, die uns zeigen, was im Inneren des Mondes während dieser kritischen Phase seiner Entwicklung geschah, und das ist wirklich aufregend. Es stellt sich heraus, dass die früheste Geschichte des Mondes unter der Oberfläche geschrieben wurde, und es brauchte nur die richtige Kombination von Modellen und Daten, um diese Geschichte zu enthüllen.“
Das Forschungsteam wünscht sich von künftigen Mond-Missionen ein seismisches Netzwerk, um eine bessere Untersuchung der Geometrie der Strukturen möglich zu machen. Doch eins ist bereits jetzt klar, wie Liang betont: „Wenn die ‚Artemis‘-Astronauten schließlich auf dem Mond landen, um eine neue Ära der menschlichen Erkundung einzuleiten, werden wir unseren Nachbarn ganz anders verstehen als zu der Zeit, als die ‚Apollo‘-Astronauten zum ersten Mal einen Fuß auf ihn setzten.“ (tab)