VonKilian Bäumlschließen
Das Unternehmen AstroForge möchte noch in diesem Jahrzehnt Material auf einem Asteroiden abbauen. Lange bleibt es damit im Weltraum nicht allein.
Frankfurt – Um Produkte herzustellen, werden Materialien benötigt. Vor allem für elektronische Geräte wie Autos, Smartphones und Co. werden Rohstoffe gebraucht, die auf der Erde immer knapper werden. Durch die Energiewende könnten die Rohstoff-Preise dauerhaft nach oben treiben. Doch Rohstoffe gibt es nicht nur auf der Erde, sondern auch im Weltall. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie sich auch in Asteroiden befinden können. Das Unternehmen AstroForge versucht, die Rohstoffe aus dem Weltraum zu gewinnen.
Obwohl die Idee für einige wie Science-Fiction klingt, ist Gründer Matt Gialich davon überzeugt, dass das Vorhaben bald Realität wird. „Ressourcen aus dem Weltraum zu gewinnen, ist der Heilige Gral“, zitiert ihn der US-amerikanische Sender CNN. „Ich glaube, wir sind endlich an einem Wendepunkt angelangt, an dem wir es in Angriff nehmen können.“
Rohstoffe aus dem Weltraum: Unternehmen will Material auf Asteroiden abbauen
Um Rohstoffe aus Asteroiden abzubauen, schickt AstroForge winzige Raffinerien ins Weltall. Diese wurden unter weltraumähnlichen Bedingungen getestet und sollen die wertvollen Rohstoffe abbauen und zur Erde bringen. Bereits im vergangenen April begann die erste Mission des Unternehmens. Sie trug den Namen Brokkr-1 und schickte zwei kleine Raffinerien in den Weltraum. Auch wenn die erste Mission noch nicht den gewünschten Erfolg hatte, ist das Unternehmen optimistisch, denn man habe viel gelernt. Auf seiner Website hält das Unternehmen die Fortschritte beim Asteroiden-Abbau fest.
Dieses Jahr soll ein Raumschiff von AstroForge bei einer Mission zum Mond mitfliegen und einen Asteroiden ansteuern, den das Unternehmen für metallisch hält. Ein anderes US-Unterenhmen will als Erstes auf dem Mond Rohstoffe abbauen. Das System von AstroForge soll anschließend die Zusammensetzung des Asteroiden prüfen und Fotos machen. Welcher Asteroid für die Mission angesteuert wird, wollte Gialich nicht verraten. Sollte die Mission erfolgreich sein, wird AstroForge das erste kommerziell erfolgreiche Unternehmen seiner Art sein.
Ressourcen aus Asteroiden: „vielleicht ein bisschen früh ist, aber wir sind nicht völlig verrückt“
Mit dem Vorhaben ist das Unternehmen jedoch nicht ganz allein. Die japanische Raumfahrtbehörde Jaxa und die Nasa haben bereits Asteroiden-Gestein zur Erde zurückgebracht und damit zumindest ansatzweise bewiesen, dass dies möglich ist. Auch einige Forschende halten den Rohstoffabbau von Asteroiden für eine mögliche Entwicklung, die jedoch noch in den Kinderschuhen steckt. „Die Antwort ist, dass es vielleicht ein bisschen früh ist, aber wir sind nicht völlig verrückt“, zitiert CNN etwa Dan Britt, den Direktor des Center for Lunar and Asteroid Surface Science an der University of Central Florid.
Im Jahr 2025 soll eine chinesische Mission ebenfalls Proben von Asteroiden sammeln. Gleiches ist auch von den Vereinigten Arabischen Emiraten für das Jahr 2028 geplant. Eine Nasa-Raumsonde befindet sich auf dem Weg zum Metall-Asteroiden „Psyche“ und soll ihn 2029 erreichen. Der Asteroid kreist zwischen Mars und Jupiter. Laut einigen Schätzungen könnte das Eisen des Asteroiden 10.000 Quadrillionen Dollar wert – mehr als der Wert der gesamten Weltwirtschaft.
Ressourcen im Weltraum zu holen ist ambitioniert: „Projekt mit hohem Risiko und hohem Gewinn“
Doch unter den Wissenschaftlern gibt es auch skeptische Stimmen, besonders was die Finanzierung betrifft. Kritik, die auch Gialich einsieht. Laut ihm sei es nicht die Frage, ob das Vorhaben machbar sei, sondern ob es finanziell sinnvoll sei. Bisher hat das Unternehmen rund 13 Millionen Dollar Startkapital aufgebracht, wovon das meiste Geld in die zweite Mission fließt. „Es handelt sich hier um ein Projekt mit hohem Risiko und hohem Gewinn“, sagt Gialich.
Sollte alles funktionieren, plant AstroForge, mit jeder Mission etwa eine Tonne Metalle zurückzubringen. Ziel sei es, Material von einem Asteroiden bis zum Ende des Jahrzehnts abzubauen und zurückzubringen. „Selbst wenn wir nicht erfolgreich sind und als Unternehmen scheitern, hoffe ich, dass wir die Sache ein wenig vorantreiben“, sagt er. Bleibt abzuwarten, ob und wann das erste Metall von Asteroiden abgebaut und auf der Erde verwendet wird. (kiba)
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