VonMarco Blanco Uclesschließen
Viele deutsche Arbeitnehmer stehen einem Jobwechsel weiterhin offen gegenüber, wie eine Langzeitstudie zeigt. Auch die Jobsicherheit spielt eine große Rolle.
Die Wechselbereitschaft der deutschen Arbeitnehmer bleibt ungeachtet der wirtschaftlich angespannten Lage – Energiekrise, Inflation etc. – weiterhin hoch. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforscherinstituts „forsa“, die seit 2012 im Auftrag des Job-Netzwerks „XING“ durchgeführt wird. Demnach wären 37 Prozent aller Befragten bereit, ihren Job zu wechseln – derselbe Wert wie im Jahr zuvor, der zweithöchste seit 2012. Zuletzt hatte eine Umfrage des Job-Netzwerks „Linkedin“ für noch drastischere Resultate in der Jobwechsel-Thematik gesorgt.
94 Prozent machen sich keine Sorgen um den Arbeitsplatz
Noch deutlicher als bei der Wechselbereitschaft im Job fallen bei der XING-Umfrage andere Punkte aus. 69 Prozent aller Befragten gaben an, dass ihnen ein langfristig sicherer Job besonders wichtig sei. Allerdings scheint die Angst vor einem Jobverlust nicht allzu groß zu sein – das nämlich befürchten nur sechs Prozent. 94 Prozent hingegen sind sich sicher, ihren aktuellen Arbeitsplatz auch behalten zu können.
Thomas Kindler, Managing Director bei XING, ordnet die momentane Lage in der Arbeitswelt wie folgt ein: „Die Zahlen zeigen, dass sich der Arbeitsmarkt zunehmend von der schwierigen wirtschaftlichen Lage entkoppelt hat. Der demografische Wandel, Fachkräftemangel und ein solides Sozialsystem sorgen dafür, dass die Sorge vor dem Arbeitsplatzverlust bei vielen Beschäftigten sehr gering und die Wechselbereitschaft weiter hoch ist. Deutsche Beschäftigte haben wenig Angst vor der Zukunft, wenn es um ihren Beruf geht.“
Immer mehr Arbeitnehmer – auch die, die zusätzlich noch nebenberuflich tätig sind – kehren nach der Corona-Pandemie vermehrt ins Büro zurück, die Präsenzarbeit ist wieder auf dem Vormarsch. Kein Wunder also, dass der Faktor Standort wieder mehr an Bedeutung gewonnen hat. 65 Prozent der Arbeitnehmer, die offen für einen beruflichen Wechsel sind, erklärten, dass ein attraktiver Standort die Wahl eines potenziell neuen Arbeitgebers beeinflusse. Für 57 Prozent aller Beschäftigten, die in ihrem Unternehmen bleiben möchten, ist der Unternehmensstandort einer der Gründe dafür.
Das Gehalt spielt bei einem Jobwechsel eine immer wichtigere Rolle. Bei der Frage, welcher Aspekt bei der Auswahl eines neuen Arbeitgebers in den vergangenen fünf Jahren an Bedeutung gewonnen habe, lag das Gehalt mit 62 Prozent vorne. 53 Prozent der Befragten nannten die Inflation sowie steigende Lebenshaltungskosten als Hauptgründe für ihre Angabe. Die Bedeutung der Möglichkeit, im Homeoffice arbeiten zu können, sank hingegen im Ansehen der Arbeitnehmer. Sie stand nur bei 43 Prozent der Befragten auf der Wunschliste für einen potenziellen neuen Arbeitgeber.
Eine andere Umfrage belegt, dass sich zahlreiche Arbeitnehmer nach den Krisen der letzten Jahre zu erschöpft für die Arbeit fühlen.
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