VonConstantin Blaßschließen
Nach dem Bekanntwerden der nochmals erhöhten Defizitprognose für die Kliniken Ostalb haben sich Landrat Joachim Bläse und Klinikvorstand Christoph Rieß geäußert.
Aalen. Statt 45 Millionen Euro werden die Kliniken Ostalb im Kalenderjahr sehr wahrscheinlich bei einem Defizit in Höhe von 60 Millionen Euro landen. Die Gesundheitsvorsorge wirkt wie ein Fass ohne Boden. Bitter Zwei Drittel des Minus sind hausgemacht, wie Landrat Dr. Joachim Bläse bereits mehrfach und jüngst auch Dr. Gunter Bühler von der CDU-Kreistagsfraktion erklärten.
In einer Pressemitteilung nahmen Bläse, der auch Verwaltungsratsvorsitzender der Kliniken Ostalb ist, und Klinikvorstand Christoph Rieß, nachdem der Kreistag kurz zuvor noch ein Invest in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro für einen neuen Operations-Saal abgesegnet hatte, Stellung zum 60-Millionen-Defizit und den sich daraus ableitenden Maßnahmen.
„Dass wir trotz der höchst angespannten Finanzlage mehr als 20 Millionen in die OPs am Ostalb-Klinikum investieren, zeigt das starke Bekenntnis des Landkreises zur öffentlichen Trägerschaft und dass für uns die Sicherung der hochqualitativen Krankenhausversorgung für die Menschen an allererster Stelle steht“, lässt sich Bläse zitieren. Trotz allen Drucks dürfe es „keine Kompromisse bei der Versorgungssicherheit und der medizinischen Qualität aus Kostengründen geben“.
Angesichts der existenziellen Herausforderungen, vor denen die Kliniken Ostalb – wie viele Krankenhäuser in Deutschland – stehen, kündigt Bläse an, weitreichende Veränderungen einzuleiten und mutige Entscheidungen zu treffen. Bläse: „Wir werden auch um schmerzhafte Einschnitte nicht herumkommen, wenn wir auch in Zukunft starke Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft haben wollen. Und genau das ist unser oberstes Ziel.“
Ellwangen und Mutlangen: An kleinen Kliniken wird es nicht mehr alles geben
Die Notwendigkeit zur Neuaufstellung sei bei weitem nicht nur dem finanziellen Druck geschuldet. Der zunehmende Personalmangel sowie „strenger werdende gesetzliche Qualitäts- und Mengenvorgaben“ würden dazu führen, dass in Zukunft insbesondere an kleineren Standorten bestimmte Leistungen nicht mehr erbracht werden können oder dürfen. Hinzu kommen interne Herausforderungen wie nicht mehr zeitgemäße Strukturen und ineffiziente Prozesse.
Derzeit bieten die Kliniken Ostalb in ihren drei Krankenhäusern zahlreiche Leistungen doppelt oder gar dreifach an. Dies führe zur Konsequenz, dass die benötigte Infrastruktur und das benötigte Personal „doppelt oder dreifach vorgehalten werden muss“. Dies ist nicht nur kostspielig, sondern „immer weniger möglich“: Die „standortübergreifende Konzentration von Leistungen ist daher unumgänglich, um sie auch in Zukunft in hoher Qualität erbringen zu können“, so Bläses Fazit, nachdem sich mehrere Kreisrätinnen und Kreisräte stark gemacht hatten für mehr Transparenz und konsequentes Handeln.
Kliniken Ostalb: Christoph Rieß für schnelles Handeln
Spätestens die Krankenhausreform werde dafür sorgen, „dass nicht mehr jedes Krankenhaus alles anbieten kann“, sagt Christoph Rieß, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Ostalb. Die Reform werde „sehr klare Vorgaben dazu machen, welche Leistungen ein Haus noch erbringen darf und welche nicht“, denkt Rieß und weiter: „Darauf können und wollen wir nicht warten. Je schneller und konsequenter wir jetzt vorgehen, desto eher werden wir Entlastungen sehen, von denen die Patienten, unser Personal und der kommunale Haushalt gleichermaßen profitieren.“ Nach knapp drei Monaten bei den Kliniken Ostalb ist er überzeugt davon, „dass wir das schaffen können“.
Die Entscheidung des Kreistags für den Neubau des Regionalversorgers in Essingen sei bereits „ein wesentlicher Schritt in Richtung Zukunftssicherung“. Auf dieser Basis werde derzeit das Medizinkonzept als erste Säule des Zukunftskonzepts im Detail definiert und würden die entsprechenden Umsetzungspläne erarbeitet. Im Kern stehe dabei die Frage, „welche Leistungen zukünftig an welchem Standort erbracht werden und wie die Leistungen standort- und sektorenübergreifend miteinander verzahnt werden“.
Als zweite Säule werde parallel ein Restrukturierungsprogramm aufgesetzt, mit dem die Strukturen und Prozesse modernisiert und an die zukünftigen Bedarfe angepasst werden. Die dritte Säule des Zukunftskonzepts behandle die Themen Führung und Kultur für eine leistungsfähige Organisation mit einem attraktiven Arbeitsumfeld.
Bläse bleibt zuversichtlich bei den Kliniken Ostalb
„Wir sind zuversichtlich, dass wir die Kliniken Ostalb damit Schritt für Schritt zukunftssicher aufstellen und gleichzeitig die finanzielle Belastung für die öffentliche Hand reduzieren werden“, sagt Bläse. Auch während der Phase der Neuausrichtung und Restrukturierung würden die Kliniken Ostalb „selbstverständlich ihren Versorgungsauftrag erfüllen“. Das Aufrechterhalten der hochwertigen Krankenhausversorgung „im Hier und Jetzt“ sei „elementarer Teil der Zukunftssicherung und ermöglicht es uns überhaupt erst, das weitreichende Zukunftskonzept umzusetzen“, so der Landrat.
