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Bei Technologiekonzern Bosch sollen in mehreren Sparten massiv Stellen abgebaut werden. Gewerkschaft und Betriebsrat rufen zu einer großen Protestaktion auf.
Stuttgart - Wie groß die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen sind, zeigt sich aktuell beim Industriegiganten Bosch aus Stuttgart. Der weltgrößte Autozulieferer hat angekündigt, allein an Standorten in Baden-Württemberg rund 1.200 Stellen streichen zu müssen und will auch in anderen Sparten massiv Personalkosten reduzieren. Bosch-Chef Stefan Hartung hatte bereits in der Vergangenheit kein Geheimnis daraus gemacht, dass der Konzern künftig weniger Mitarbeiter beschäftigen werde. Durch die Ankündigung von Sparmaßnahmen, die in den vergangenen Monaten beinahe im Wochentakt aus dem Bosch-Universum kamen, herrscht aktuell aber besondere Unruhe.
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Wie das Manager Magazin in Bezug auf ein internes Rundschreiben berichtet, haben Bosch-Betriebsräte und die IG Metall zu einer bundesweiten Protestaktion aufgerufen, um gegen den Stellenabbau zu protestieren. Bereits im vergangenen Jahr hatte es beim Technologiekonzern mehrere Aktionen gegeben, bevor sich IG Metall und Bosch auf eine Beschäftigungssicherung für die deutschen Mobility-Standorte einigten. Die für den 20. März geplante Aktion soll dem Vernehmen nach aber alle vorherigen übertreffen. „Das wird der Sturm auf die Bosch-Bastille“, kündigte demnach einer der Mitorganisatoren an.
Bosch-Betriebsrat ruft zu großer Protestaktion auf – „Kraftakt, den es so nie gegeben hat“
Arbeitsstreiks sind derzeit bundesweit an der Tagesordnung. Neben der GDL und Ver.di hat auch die IG Metall alle Hände voll zu tun und organisierte zu Beginn des Jahres etwa eine große Protestaktion am Hauptsitz des Autozulieferers ZF in Friedrichshafen, bei dem ebenfalls tausende Arbeitsplätze vor dem Aus stehen sollen. Bei Bosch trifft laut dem Manager Magazin besonders auf Unverständnis, dass der Konzern offenbar über die Köpfe von Betriebsrat und Arbeitnehmervertretern hinweg entscheidet, wie ein Gewerkschafter erklärte. Zuvor seien solche tiefgreifenden Entscheidungen mit den Arbeitnehmern abgestimmt worden.
| Name | Robert Bosch GmbH |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1886 |
| Gründer | Robert Bosch |
| Hauptsitz | Stuttgart, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte |
| Produkte (Auswahl) | Bremsen, Einspritzsysteme, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte, Fahrerassistenzsysteme, Industrietechnik |
| Mitarbeiter | 427.600 (2023) |
| Umsatz | 91,6 Milliarden Euro (2023) |
Am 20. März gehen die Mitarbeiter von Bosch aus mehreren Gründen auf die Straße. Zum einen wiegt der angekündigte Stellenabbau in mehreren Sparten – beispielsweise bei der Haushaltsgerätetochter BSH – schwer, zum anderen will Bosch aufgrund des Kostendrucks Produktionsschritte verlagern und durch anderweitige Maßnahmen Kosten senken. „Gemeinsam müssen wir in der Fläche Wirkung entfalten, um eine einseitig beschlossene Unternehmensstrategie zu verändern“, machte ein Organisator deutlich. „Das wird ein Kraftakt werden, den es so nie gegeben hat.“
Am 20. März ist großer Aufzug auf Verwaltungszentrale von Bosch in Gerlingen geplant
Bosch-Chef Stefan Hartung hatte erklärt, den Stellenabbau gemäß der vereinbarten Beschäftigungssicherung bis 2027 sozialverträglich und in Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern abwickeln zu wollen. Arbeitsdirektor Stefan Grosch erklärte auf Anfrage des Manager Magazins die Bereitschaft, mit den Arbeitnehmervertretern zu sprechen. An personellen Anpassungen und deutlichen Einsparungen wird der Konzern, wie beispielsweise auch ZF oder der Chemieriese BASF, aufgrund der aktuellen Lage aber nicht herumkommen. Der angekündigte Stellenabbau bei Continental wird ebenfalls einen Standort in Baden-Württemberg betreffen.
Dem Bericht zufolge ist am 20. März ein zentraler Aufmarsch auf die Verwaltungszentrale von Bosch in Gerlingen im Kreis Ludwigsburg geplant, zeitgleich sollen an vielen weiteren Standorten Proteste stattfinden. Bereits am 20. Juni 2023 zogen rund 20.000 Bosch-Mitarbeiter vor die Verwaltungszentrale in Gerlingen, um mit einer Postkartenaktion um ihre Zukunft zu kämpfen. „Zukunft an!“, und „Wir brauchen eure Unterstützung“, hieß auf Bannern, die direkt an die Geschäftsführung gerichtet waren. Seitdem hat sich die Lage beim größten Industrieunternehmen aus Baden-Württemberg aber eher noch weiter zugespitzt.
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