VonJulian Baumannschließen
Technologiekonzern Bosch will im kommenden Jahr offenbar mindestens 1.500 Stellen abbauen. Und das allein an zwei Standorten in Baden-Württemberg.
Stuttgart - Die Zuliefererindustrie hatte in diesem Jahr mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Auch beim weltgrößten Autozulieferer Bosch ging im ersten Halbjahr die Angst vor einem drastischen Stellenabbau um, dem sich der Betriebsrat und die IG Metall mit aller Macht entgegenstellten. Anfang Juli hatten Bosch und die IG Metall eine Einigung erzielt, die betriebsbedingte Kündigungen an den deutschen Mobility-Standorten bis 2027 ausschließt. Wie die Automobilwoche berichtet, will der Stuttgarter Weltkonzern im kommenden Jahr dennoch mindestens 1.500 Stellen an den Standorten in Stuttgart-Feuerbach und Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg) streichen.
Aufgrund der Inflation und der stark gestiegenen Preise müssen derzeit viele Unternehmen sparen, selbst die größten Konzerne sind davon nicht ausgenommen. Continental hat einen drastischen Stellenabbau angekündigt und auch die ZF Friedrichshafen will im Südwesten offenbar massiv Personal abbauen. Als dritter im Bunde der größten deutschen Autozulieferer zieht laut dem Bericht die globale Nummer 1 nach und beugt sich dem Kostendruck. Chef Stefan Hartung hatte bereits in der Vergangenheit erklärt, dass Bosch künftig weniger Mitarbeiter beschäftigen werde.
Stellenabbau bei Bosch in Stuttgart-Feuerbach und Schwieberdingen soll indirekten Bereich betreffen
Der hohe Kostendruck belastet derzeit die gesamte Wirtschaft, für die Unternehmen der Autoindustrie kommen jedoch noch die Herausforderungen im Zuge der Transformation zur E-Mobilität hinzu. Der geringere Beschäftigungsbedarf bei der Produktion von Komponenten für die E-Mobilität wird auch von Bosch als einer der Gründe für die Sparmaßnahmen angegeben. Laut dem Bericht soll der Stellenabbau in Stuttgart-Feuerbach und Schwieberdingen aber den indirekten Bereich, also die Forschung und Entwicklung betreffen. Erfolgen soll der Abbau gemäß dem Zukunftsvertrag mit der IG Metall offenbar nicht durch betriebsbedingte Kündigungen, sondern durch Maßnahmen wie der Auflösung von 40-Stunden-Verträgen.
Der Konzern hatte gegenüber der Automobilwoche bestätigt, Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen zu haben. „Wir gehen Schritt für Schritt vor und entwickeln Maßnahmen standortspezifisch“, erklärte eine Sprecherin. Auf solche Maßnahmen mussten im Laufe des Jahres mehrere Firmen zurückgreifen. Batteriekonzern Varta startete für den Stellenabbau am Hauptsitz in Ellwangen beispielsweise ein „Freiwilligenprogramm“. Obwohl betriebsbedingte Kündigungen für rund 80.000 Mitarbeiter von Bosch-Mobility vorerst ausgeschlossen sind, dürfte die Nachricht von einem Stellenabbau im kommenden Jahr eine vorweihnachtliche Hiobsbotschaft für die Belegschaft sein. Daran ändert wohl auch das Weihnachtsgeld wenig, das Bosch 2023 erneut an die Tarifbeschäftigten auszahlte.
Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg




Weniger Mitarbeiter im Zuge der Transformation bei Bosch seit langem ein Thema
Wie bereits erwähnt ging im Frühjahr 2023 in der deutschen Autozuliefererindustrie die Sorge vor massiven Sparmaßnahmen um, der IHK-Präsident warnte jedoch, dass der große Stellenabbau in Baden-Württemberg erst noch folgen werde. Obwohl sich die Inflation in Deutschland leicht abgeschwächt hat, belasten die hohen Kosten und die schwache Wirtschaft noch immer sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer deutlich. „Wir haben mit deutlich größeren Herausforderungen zu kämpfen, als noch zu Jahresbeginn erwartet“, erklärte Bosch.
| Name | Robert Bosch GmbH |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1886 |
| Gründer | Robert Bosch |
| Hauptsitz | Stuttgart, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte |
| Produkte (Auswahl) | Bremsen, Einspritzsysteme, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte, Fahrerassistenzsysteme, Industrietechnik |
| Mitarbeiter | 420.300 (Ende 2022) |
| Umsatz | 88,4 Milliarden Euro (2022) |
Ein Abbau von Arbeitsplätzen steht aufgrund der Transformation beim größten Autozulieferer der Welt bereits seit langem zur Debatte. Im Jahr 2021 war deshalb sogar eine Bosch-Betriebsversammlung eskaliert und musste abgebrochen werden. Arbeitnehmervertreter fordern seit langem, dass die Unternehmen mehr in die Qualifikation ihrer Mitarbeiter investieren, um einen Stellenabbau durch den Wegfall von notwendigen Kompetenzen zu verhindern. Eine Studie kam zum Ergebnis, dass so ein befürchteter Stellenabbau in der Autoindustrie verhindert werden könne.
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