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Am Mittwoch treffen sich Tausende Mitarbeiter des Autozulieferers ZF am Stammsitz in Friedrichshafen. Sie fürchten um ihre Jobs und um die Zukunft zweier Standorte.
Friedrichshafen - Es brodelt beim zweitgrößten Autozulieferer Deutschlands. Die ZF Friedrichshafen befindet sich derzeit mitten in der Transformation zur E-Mobilität und ist aufgrund von hohen Verschuldungen abseits davon zum Sparen verdammt. In Saarbrücken sollen beispielsweise tausende Arbeitsplätze gestrichen werden. Am Mittwoch (17. Januar) versammeln sich Mitglieder verschiedener Standorte der ZF unter Anleitung von Betriebsrat und IG Metall am Stammsitz in Friedrichshafen (Bodenseekreis). Geplant ist ein Solidaritätsmarsch zur Konzernzentrale, dem ZF-Forum, wie unter anderem der SWR berichtet.
Die Gründe für die Demonstration am Mittwochmorgen sind zum einen die Ankündigung zweier Werkschließungen und zum anderen die seit Monaten an mehreren Standorten im Raum stehenden Einsparungen beim Personal. Im Dezember hatte der große Autozulieferer verkündet, das Werk in Gelsenkirchen Ende 2024 schließen zu wollen. Das Werk in Eitorf soll spätestens Ende 2027 ebenfalls geschlossen werden. Insgesamt sind davon rund 900 Stellen betroffen.
ZF-Mitarbeiter aller deutschen Standorte bei Protestmarsch in Friedrichshafen erwartet
Die Protestaktionen am Stammsitz der ZF Friedrichshafen sind ab 8.30 Uhr angesetzt und werden aller Voraussicht nach zu deutlichen Verkehrsbehinderungen in der Zeppelinstadt am Bodensee führen. Laut der Schwäbischen Zeitung protestieren die Arbeitnehmervertreter gegen „einen Frontalangriff auf die Beschäftigung in Deutschland“, wofür die Konzernspitze um ZF-Chef Holger Klein verantwortlich gemacht wird. Der Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich hatte bereits zuvor die Schließungspläne in Nordrhein-Westfalen stark kritisiert. Bei der Solidaritätsaktion werden Mitarbeiter aller deutschen ZF-Standorte und aus allen Abteilungen des Weltkonzerns erwartet.
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 164.869 (Stand: 2022) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte\t | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 43,8 Milliarden Euro (2022) |
| Geschäftsführung\t | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Konkret geplant ist zunächst ein Protestmarsch durch die Friedrichshafener Innenstadt, der am ZF-Forum enden soll. Dort ist demnach ab etwa 9 Uhr eine zweite Versammlung im Auditorium angesetzt. Gegen 9.30 Uhr sollen die beiden Veranstaltungen auf dem Hof der ZF-Konzernzentrale zu einer gemeinsamen Kundgebung zusammenkommen. Dass die Solidarität der ZF-Mitarbeiter verschiedener Standorte groß ist, bewiesen diese bereits in der Vergangenheit. Neben der Solidarität für Gelsenkirchen und Eitorf dürfte es insgesamt um Arbeitsplätze gehen. Auch am Stammsitz haben tausende Mitarbeiter noch keine gesicherten Stellen.
Protest bei ZF Friedrichshafen richtet sich auch gegen Verlagerungen ins Ausland
Die ZF Friedrichshafen hat sich innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit zum, nach Bosch, zweitgrößten deutschen Autozulieferer entwickelt und ist weltweit einer der größten Konzerne in der Branche. Diese Entwicklung hat allerdings ihren Tribut gefordert, da sich der Stiftungskonzern durch milliardenschwere Übernahmen hoch verschuldet hat. Trotz einer Gewinnsteigerung stellt die ZF deshalb ganze Sparten auf den Prüfstand, wovon auch ein Standort nahe Stuttgart betroffen sein könnte. Werkschließung und potenzieller Stellenabbau sind aber nicht die einzigen Punkte auf der Agenda des Betriebsrats.
Laut SWR soll am heutigen Mittwoch in Friedrichshafen auch gegen das sogenannte „Outsourcing“, also das Verlagern von Produktionsschritten und Arbeitsplätzen ins Ausland, protestiert werden. Der ehemalige IG Metall-Chef hatte diesen Schritt bereits massiv kritisiert und die ZF dabei als Beispiel genannt. Der Betriebsrat des großen Autozulieferers fordert, dass die Arbeitsplätze in Deutschland bleiben und die zukunftsweisende Produktion von Elektro-Motoren nicht im Ausland angesiedelt werden soll.
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