VonJulian Baumannschließen
Das Unternehmen BBS automotive aus dem Kreis Rottweil hat zum vierten Mal Insolvenz angemeldet. Das führt auch in der Region zu Bestürzung.
Rottweil/Schiltach - Die Hiobsbotschaften für Unternehmen aus Baden-Württemberg nehmen aktuell kein Ende. Nach der Insolvenzanmeldung des Keramikherstellers Zeller Keramik hat auch der Felgen- und Leichtmetallräder-Hersteller BBS automotive aus Schiltach (Kreis Rottweil) Insolvenz angemeldet, wie aus einer entsprechenden Meldung des Amtsgerichts Rottweil vom 29. September hervorgeht. Für das im Jahr 1970 im Schwarzwald gegründete Unternehmen, das nach einer wechselhaften Geschichte in drei Unternehmen aufgeteilt wurde, stellt die Zahlungsunfähigkeit bereits die vierte der Firmengeschichte dar.
Allein im ersten Halbjahr 2023 wurden an den Amtsgerichten in Baden-Württemberg über 900 Unternehmensinsolvenzen angemeldet, wie aus einer Statistik des Statistischen Landesamtes hervorging. Bei den meisten der Firmen ist die Zahlungsunfähigkeit den stark gestiegenen Preisen für Energie, Rohstoffe und Personal geschuldet. Die hohen Energiepreise werden laut dem Schwarzwälder Boten von Insidern auch als Grund für die erneute Insolvenz von BBS genannt.
BBS meldet nach 2007, 2010 und 2020 zum vierten Mal Insolvenz an
Die Marke BBS ist im Automotive-Bereich und im Motorsport weitreichend bekannt, da die Felgen und Leichtmetallräder unter anderem auch von Porsche verwendet werden. Die Geschichte des Unternehmens war jedoch seit der Gründung von starken Schwankungen geprägt. Nach Insolvenzanmeldungen in den Jahren 2007, 2010 und zuletzt 2020, bei denen das Unternehmen unter anderem in mehrere Firmen aufgeteilt wurde – beispielsweise wurde Ende 2010 der Motorsport-Sektor als BBS Motorsport GmbH ausgelagert – meldete BBS laut Antrag beim Amtsgericht Rottweil am Donnerstag, 28. September, erneut die Zahlungsunfähigkeit an.
| Name | BBS automotive GmbH |
|---|---|
| Gründung | 1970 (ursprüngliche Firma) |
| Hauptsitz | Schiltach, Herbolzheim (Verwaltung), Baden-Württemberg |
| Inhaber | KW Automotive-Group (seit 2021) |
| Produkte | Felgen, Leichtmetallräder |
| Mitarbeiter | 285 (Schiltach), 280 (Herbolzheim) |
| Insolvenzanmeldungen | 2007, 2010, 2020, 2023 |
Der Rechtsanwalt Martin Mucha aus Stuttgart wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter der BBS automotive GmbH berufen und hat drei Monate Zeit, um ein neues Konzept und einen Käufer zu finden. Bis dahin sind die Gehälter der Mitarbeiter durch das Insolvenzgeld gedeckt. Nach der dritten überstanden Insolvenz – bei der das Unternehmen von der KW Automotive-Gruppe mit Hauptsitz in Fichtenberg (Baden-Württemberg) übernommen wurde – sind am Standort Schiltach laut Unternehmensseite aktuell 285 und am Verwaltungsstandort in Herbolzheim nördlich von Freiburg noch 280 Mitarbeiter angestellt.
BBS-Insolvenz: Schock bei Mitarbeitern und den betroffenen Gemeinden
Bei der vorangegangenen Insolvenz und der anschließenden Rettung durch den Verkauf an die KW Automotive-Gruppe wurden an beiden Standorten, Schiltach und Herbolzheim, insgesamt 162 Stellen abgebaut. Erneute Kündigungen wurden nachfolgend im neuen Vertrag mit der IG Metall jedoch ausgeschlossen, die Nachricht der erneuten Insolvenzanmeldung dürfte demnach ein Schock für die Belegschaft sein. Doch auch in den Gemeinden selbst wird die Verkündung mit Bestürzung aufgefasst.
„Mein besonderes Mitgefühl haben die Beschäftigten, da sie über viele Jahre hinweg ein ständiges Auf und Ab erleben“, erklärte der Bürgermeister von Schiltach dem Schwarzwälder Boten. Er bedauere zudem die Auswirkungen, die die Insolvenz auf das geplante interkommunale Gewerbegebiet in Schiltach und dem angrenzenden Aichhalden haben könnte. Die neuen BBS-Geschäftsführer hatten vor der Insolvenzanmeldung geplant, in diesem Gewerbegebiet ein neues Werk zu bauen.
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