Autofahrer aus Lorch überlebt auf der alten B 29 den Erdrutsch neben dem entgleisten ICE

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Jürgen Seng hatte Glück im Unglück. Wie der entgleiste ICE geriet der 59-jährige Lorcher auf der alten B 29 mit seinem Auto unter umstürzende Bäume und in die Schlammlawine.
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Jürgen Seng war am Samstagabend auf der alten Bundesstraße unterwegs, als Schlamm und Bäume den ICE-Zug von München nach Köln stoppten. Deutsche Bahn kündigt lange Räum- und Reparaturarbeiten an.

Schwäbisch Gmünd. Jürgen Seng sitzt der Schreck noch in den Knochen. Der 59-jährige Lorcher war am Samstagabend gegen 23.20 Uhr auf der B 29 unterwegs, als plötzlich Bäume vor ihm auf die Straße stürzten. Zwar habe er stark gebremst, erzählte der 59-Jährige. Doch den Bäumen konnte er nicht mehr ausweichen. Und der Schlammlawine, die folgte, auch nicht. Seng öffnete die Tür, blieb aber im Auto sitzen. Links von sich sah er den ICE, den der Erdrutsch mit Schlamm und Baumstämmen ebenfalls gestoppt und zur Entgleisung gebracht hatte. Vom Auto aus informierte der Mann, der selbst Lokführer ist und an diesem Abend auf dem Weg vom Dienst nach Hause war, die Polizei. Seng blieb, wie durch ein Wunder, unverletzt.

Rettungskräfte mit mehr als 150 Leuten im Einsatz

Jürgen Seng hatte Glück im Unglück. Wie der entgleiste ICE geriet der 59-jährige Lorcher auf der alten B 29 mit seinem Auto unter umstürzende Bäume und in die Schlammlawine. Den ICE nahm er neben sich wahr. Im Hintergrund ist sein blauer Renault zu sehen.

Gmünds Feuerwehr, das Gmünder DRK, die Stadtverwaltung und kurze Zeit später das Notfallmanagement der Deutschen Bahn und die Bundespolizei waren von da an mit weit mehr als 150 Personen bis in die frühen Morgenstunden im Einsatz. Die 185 Fahrgäste im ICE, der von München nach Köln des Hochwassers im Filstal wegen über das Remstal umgeleitet wurde, wurden über eine Notleiter evakuiert und im Gmünd-Tech im Gewerbegebiet „Krähe“ vom DRK versorgt. Alle blieben unverletzt. „Es hat ein bisschen gerumpelt. Dann war eigentlich alles gut geregelt, keine Panik, alle waren ruhig. Die Einsatzkräfte waren schnell da und haben sich gut um uns gekümmert“, sagte Passagierin Elena Fabian der Deutschen Presseagentur (dpa). Die Fahrgäste wurden gegen 2 Uhr mit Bussen nach Stuttgart gefahren und konnten von dort aus ihre Reise fortsetzen. Alle Fahrgäste, berichtete Stadtsprecher Markus Herrmann, der die ganze Nacht vor Ort war, seien „sehr ruhig“ gewesen.

Vermutlich Gleise und Zug beschädigt

Die alte B 29 mit dem Auto von Jürgen Seng unter umgestürzten Bäumen und einer Schlammlawine.

Den genauen Verlauf des Unglücks schilderte am Sonntagnachmittag Reinhold Willing, Sprecher der Deutschen Bahn. Der vordere Teil des ICE sei des Erdrutsches wegen vom Gleis gesprungen. Der Zug blieb stehen, kippte nicht. Nachdem sich am Sonntagmorgen Bahn-Mitarbeiter ein genaueres Bild von der Situation gemacht hatten, begann die Bergung des Zuges. Um kurz nach 10 Uhr wurde ein Baumstamm unter dem ICE erfolgreich entfernt und begonnen, den 896 Tonnen schweren ICE hydraulisch auf die Gleise zu heben. Am Sonntagnachmittag begannen etwa 50 Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks, das Geröll von der Straße und den Schienen zu entfernen. Erst dann, so Willing, könne man sehen, wie stark die Gleise und der Zug selbst beschädigt sind. Willing geht jedoch davon aus, dass gut 200 Meter der Gleise repariert werden müssen. Auch konnte er keinen Zeitpunkt nennen, bis wann der ICE „wieder fahrfähig“ sei. Unbeschadet blieb die Oberleitung.

Gegen Mittag war Strecke wieder eingleisig befahrbar

So sah die Unglücksstelle von der alten B 29 aus am Sonntagnachmittag aus. Die alte B 29 bleibt mindestens bis Montag gesperrt.

Zunächst war am Sonntag die Strecke zwischen Schorndorf und Aalen komplett gesperrt. Später fuhren Züge von Aalen in Richtung Stuttgart mindestens bis Gmünd. GoAhead richtete einen Bus-Notverkehr ein. Gegen 13 Uhr wurde das zweite Gleis wieder freigegeben.

Die Stadtverwaltung hatte sofort in der Nacht die alte B 29 zwischen Gmünd und Lorch gesperrt. Zum einen, weil nach wie vor die Gefahr bestand und besteht, dass weitere Bäume umstürzen und noch mehr Schlamm den Hang herunterkommt. Im Einsatz sind deshalb auch Mitarbeiter der Forstverwaltung, die vom Umsturz bedrohte Bäume vorsichtshalber fällen.

Viele Schaulustige auf dem Radweg zwischen Lorch und Gmünd

Zum anderen sperrte die Stadt die alte B 29, um Schaulustige davon abzuhalten, zur Unglücksstelle zu fahren. Diese tauchten dennoch am Sonntag auf dem Radweg zwischen „Krähe“ und Gartencenter auf. Weshalb die Stadt ein Flatterband zog, um Bürger davon abzuhalten, zu den Gleisen hochzuklettern. Die alte B 29 bleibt mindestens bis diesen Montag gesperrt.

Jürgen Seng indessen besichtigte am Sonntagnachmittag zusammen mit seiner Frau Monika die Unglücksstelle. Beide schauten sich den blauen Renault an, der noch im Schlamm steckte. Froh über das große Glück, das sie im Unglück noch hatten.

Information für die Pendler im Berufsverkehr

Die Deutsche Bahn weist darauf hin, dass die Strecke zwischen Schwäbisch Gmünd und Lorch nach dem Unglück mit dem entgleisten ICE eingleisig befahrbar ist. Zwischen Schorndorf und Stuttgart und zwischen Aalen und Gmünd fahren die Züge wie gewohnt auf zwei Gleisen. Die Einschränkung zwischen Gmünd und Schorndorf hat jedoch Auswirkungen auf den gesamten Zugverkehr zwischen Aalen und Stuttgart. Deshalb bittet der Sprecher der Deutschen Bahn, Reinhold Willing, die Fahrgäste, auf den Websites von GoAhead und der Deutschen Bahn  zu überprüfen, ob die gewünschte Verbindung besteht. 

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