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Nach der Insolvenz des traditionsreichen Autositzherstellers Recaro Automotive steht das Unternehmen vor dem endgültigen Aus. Betroffen sind mehr als 200 Mitarbeiter.
Update vom 2. Oktober, 12:30 Uhr: Der traditionsreiche Autositzhersteller Recaro Automotive mit Sitz in Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) hatte am 29. Juli Insolvenz angemeldet. Die Vorzeichen standen für den Zulieferer von Premiumherstellern wie Lamborghini oder Mercedes-AMG bereits damals alles andere als gut, nun ist laut Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) auch noch ein Großauftrag weggebrochen. Die Produktion in Kirchheim soll deshalb zum Jahresende eingestellt und das im Jahr 1906 ursprünglich in Stuttgart gegründete Unternehmen vollständig abgewickelt werden.
Recaro Automotive, nicht zu verwechseln mit der Recaro Holding in Stuttgart, beschäftigte zuletzt noch 215 Mitarbeiter. Dem dpa-Bericht zufolge, der sich auf vorherige Berichte von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten bezieht, sind derzeit nur noch 90 Angestellte in der Produktion beschäftigt, während 135 bereits freigestellt wurden. Jetzt werden dem Insolvenzverwalter zufolge alle Mitarbeiter von Recaro Automotive zum Jahresende ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Insolvenz in Baden-Württemberg hatte jüngst auch zu Kurzarbeit bei einem Fahrzeughersteller geführt.
Weiterer Autozulieferer aus Baden-Württemberg insolvent - mehr als 200 Mitarbeiter betroffen
Erstmeldung vom 30. Juli 2024: Kirchheim/Teck - Die anhaltenden wirtschaftlichen Herausforderungen haben ein weiteres Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg in die Knie gezwungen. Nachdem vor wenigen Tagen der Felgenhersteller BBS zum fünften Mal seit 2007 ein Insolvenzverfahren angemeldet hatte, ist auch der bekannte Autositzhersteller Recaro mit Sitz in Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht. Laut der Arbeitnehmergewerkschaft IG Metall ist die Zukunft für mehr als 200 Mitarbeiter ungewiss.
Das im Jahr 1906 ursprünglich als Sattlerei in Stuttgart gegründete Unternehmen Recaro ist vor allem für seine hochwertigen Autositze bekannt, die in Kleinserien vorrangig in Hochleistungsfahrzeugen von Herstellern wie Mercedes-AMG, Aston Martin oder Lamborghini zum Einsatz kommen. Die nun – vorläufig in Eigenverwaltung – am Amtsgericht Esslingen angemeldete Insolvenz überrascht nicht nur die IG Metall, da die Dachgesellschaft Recaro Holding erst Ende April eine deutliche Umsatzsteigerung für das Geschäftsjahr 2023 verkündet hatte.
Traditionsunternehmen Recaro Automotive Seating hat Insolvenz angemeldet – 215 Mitarbeiter betroffen
Dass der Kirchheimer Autositz-Hersteller Recaro Automotive Seating GmbH am 29. Juli Insolvenz anmelden musste, ist offenbar eine finale Konsequenz aus einem längeren Überlebenskampf. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, hatten die Mitarbeiter über Jahre hinweg auf Leistungen verzichtet, um das Traditionsunternehmen wirtschaftlich stabil zu halten. Geholfen hat es am Ende aber trotzdem nicht. „Wir sind enttäuscht und fühlen uns vom Management im Stich gelassen“, sagte Betriebsratschef Frank Bokowits. „Unsere Kolleginnen und Kollegen haben große Opfer gebracht, um das Unternehmen zu unterstützen.“
| Name | RECARO Automotive Seating GmbH |
|---|---|
| Gründung | 1906 |
| Sitz | Kirchheim unter Teck, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer |
| Dachgesellschaft | Adient plc |
| Lizenzhalter | RECARO Holding |
| Mitarbeiter | 215 |
Das Amtsgericht Esslingen hat den Stuttgarter Rechtsanwalt Holger Blümle von der Kanzlei Schultze & Braun zum vorläufigen Sachwalter für Recaro ernannt, der zum einen die wirtschaftliche Lage des Unternehmens überprüfen und zum anderen die Geschäftsleitung überwachen soll. Die IG Metall ist von der Zahlungsunfähigkeit offenbar überrascht worden. „Was das nun für die 215 Beschäftigten der Recaro Automotive GmbH in Kirchheim bedeutet, ist unklar“, teilte die Gewerkschaft mit. Die Angestellten sind anscheindend von der Geschäftsleitung nicht über den Schritt informiert worden.
IG Metall fordert, „dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um Arbeitsplätze zu sichern“
Die IG Metall fordert nach eigenen Angaben einen sachdienlichen Dialog mit der Geschäftsleitung von Recaro sowie mit Sachverwalter Blümle. „Wir erwarten, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um Arbeitsplätze zu sichern und eine nachhaltige Lösung zu finden“, sagte Alessandro Lieb, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Esslingen. Ein Treffen ist demnach in den kommenden Tagen geplant. Die vorläufige Anmeldung in Eigenverwaltung bedeutet, dass die Geschäftsleitung die Verfügungsgewalt über das Unternehmen vorerst behält. Ein solches Verfahren kann unter Umständen aber auch in ein Regelverfahren übergehen.
Wichtig zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass lediglich der Autositz-Hersteller Recaro Automotive Seating mit Sitz in Kirchheim unter Teck Insolvenz angemeldet hat. Das Unternehmen, das neben den bekannten Autositzen auch Sitze für VIP-Bereiche in Bundesliga-Stadien herstellt, gehört seit 2016 zum irischen Autozulieferer Adient. Die Recaro Holding mit Sitz in Stuttgart tritt aber nach wie vor als Lizenzpartner auf. Im Frühjahr hatte ein weiterer traditionsreicher Autozulieferer aus Baden-Württemberg Insolvenz angemeldet, wovon rund 1.000 Mitarbeiter betroffen waren.
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