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Autozulieferer aus Baden-Württemberg meldet zum fünften Mal Insolvenz an

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Nachdem bereits darüber spekuliert wurde, ist nun die Gewissheit da. Der Felgenhersteller BBS aus dem Schwarzwald hat erneut Insolvenz angemeldet.

Schiltach - Der freie Fall eines der bekanntesten deutschen Hersteller von Felgen für die Automobilindustrie nimmt einfach kein Ende. Der Autozulieferer BBS mit Sitz in Schiltach (Schwarzwald) hatte zuletzt Anfang Oktober 2023 Insolvenz angemeldet, was bereits die Vierte in der Firmengeschichte des Unternehmens war. Als Grund wurden die hohen Energiepreise genannt, die in den vergangenen Monaten viele Betriebe in die Knie gezwungen haben. Aus der vierten Insolvenz konnte BBS Ende vergangenen Jahres durch einen türkischen Investor gerettet werden, die Rettung hielt aber nicht lange an.

Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass bei BBS in Schiltach offenbar die Gehälter mehrerer Monate ausstehen und die IG Metall hatte bereits damit gedroht, dass als Reaktion darauf erneut eine Insolvenz angemeldet werden könnte. Wie der Schwarzwälder Bote berichtet, sind die zurückstehenden Gehälter inzwischen ausgezahlt; BBS hat am Freitag (26. Juli) am Amtsgericht Rottweil dennoch erneut ein Insolvenzverfahren angemeldet.

Im beschaulichen Schiltach kehrt keine Ruhe ein. Der Felgenhersteller BBS hat erneut Insolvenz angemeldet.

Traditionsunternehmen BBS aus dem Schwarzwald zum fünften Mal seit 2007 insolvent

Das Unternehmen BBS wurde im Jahr 1970 in Schiltach im Kreis Rottweil gegründet, wo es bis heute seinen Sitz war. Obwohl die Marke in der Automobilindustrie und im Motorsport ein großes Ansehen genießt – Felgen von BBS finden beispielsweise auch bei Porsche Verwendung – ist die Firmengeschichte von ständigen Schwankungen geprägt. Nach der vierten Insolvenz seit dem Jahr 2007 und der Rettung durch die ISH Group mit Hauptsitz in Istanbul Ende 2023 sollte eigentlich Ruhe einkehren. Man wolle „BBS als Legende wieder aufbauen“, hatte ISH-Geschäftsführer Ilkem Sahin erklärt.

Name BBS automotive GmbH
Gründung 1970 (ursprüngliche Firma)
Hauptsitz Schiltach, Herbolzheim (Verwaltung), Baden-Württemberg
Inhaber ISH Group (seit 2023)
Produkte Felgen, Leichtmetallräder
Mitarbeiter 240
Insolvenzanmeldungen 2007, 2010, 2020, 2023, 2024
Felgenhersteller BBS genießt in der Branche großes Ansehen, die Firmengeschichte ist aber von starken Schwankungen geprägt (Archivfoto).

Wie aus dem Antrag am Amtsgericht Rottweil hervorgeht, hat die BBS Autotechnik GmbH – die seit der Übernahme von Ilkem Sahin vertreten wird – am Freitag selbst Insolvenz angemeldet. Das Gericht hat den Freiburger Rechtsanwalt Dirk Pehl von der Kanzlei Schultze & Braun zum Insolvenzverwalter berufen. Vor der vierten Insolvenz hatte der Autozulieferer noch etwa 500 Mitarbeiter beschäftigt; beim Stand der Übernahme durch die IHS Group war noch von rund 270 Angestellten die Rede. Diese und auch die Arbeitnehmervertreter wurden von der erneuten Zahlungsunfähigkeit überrascht.

Absichten des Investors von BBS geben Rätsel auf - „Was wer im Schilde führt, weiß keiner“

Wie eingangs erwähnt wurde eine erneute Insolvenz von BBS deshalb befürchtet, weil das Unternehmen seinen verbleibenden 240 Mitarbeitern seit Mai keinen Lohn ausgezahlt hatte. Dass das traditionsreiche Unternehmen aus dem Schwarzwald nun erneut Insolvenz angemeldet hat, obwohl die Gehälter inzwischen ausgezahlt wurden, gibt auch der IG Metall Rätsel auf. „Was wer im Schilde führt, weiß keiner“, sagte Stefan Prutscher, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Freudenstadt, laut dem Schwarzwälder Boten in Bezug auf die Absichten des Investors.

BW24 hatte zuletzt auch über die Insolvenz einer Möbelhandelskette berichtet, von der auch Filialen in Baden-Württemberg betroffen sind.

Rubriklistenbild: © Patrick Seeger/dpa

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