Ungewisse Zukunft

Autozulieferer aus Baden-Württemberg meldet Insolvenz an - 1.000 Mitarbeiter betroffen

  • schließen

Der Autozulieferer Eissmann Automotive hat Insolvenz angemeldet. Deutschlandweit sind davon 1.000 Mitarbeiter betroffen.

Bad Urach - Die starke Automobilindustrie in Baden-Württemberg hat derzeit mit vielen Herausforderungen zu kämpfen. Bei den größten Autozulieferern Bosch und ZF Friedrichshafen steht der Abbau von tausenden Stellen im Raum und das Traditionsunternehmen Allgaier aus Uhingen kämpft weiterhin mit der Insolvenz. Am Mittwoch, 28. Februar, meldete mit Eissmann Automotive mit Sitz in Bad Urach (Kreis Reutlingen) ein weiterer Autozulieferer aus Baden-Württemberg Insolvenz an. Zuerst hatte die WirtschaftsWoche darüber berichtet.

Die Eissmann Automotive Deutschland GmbH ist der Dachkonzern der Eissmann Group Automotive, die weltweit rund 5.000 Mitarbeiter beschäftigt. Im Gegensatz zu Zulieferern wie ZF oder Mahle produziert das 1964 gegründete Familienunternehmen keine Fahrzeugkomponenten, sondern Ausstattungskomponenten für nahezu alle gängigen Automodelle. In Deutschland sind etwa 1.000 Mitarbeiter bei dem Unternehmen angestellt, dessen Zukunft sich in den kommenden Monaten entscheiden wird. Kürzlich meldete auch ein Traditionsunternehmen aus dem Schwarzwald Insolvenz an.

Eissmann Automotive ist insolvent – Gehälter der Mitarbeiter für drei Monate gedeckt

Durch die notwendigen Investitionen in die Transformation zur E-Mobilität, die hohen Preise für Energie, Rohstoffe und Personal und die nachlassende Kundennachfrage sind einige namhafte Autozulieferer in eine Schieflage geraten. Auch Eissmann Automotive hat bereits seit einiger Zeit mit erheblichem Gegenwind zu kämpfen. „Die Sanierungsmaßnahmen der vergangenen Monate konnten die Rezessionseffekte, diverse Inflationstreiber wie Energiekosten, Materialkosten oder die Zinsentwicklung nicht kompensieren“, heißt es von dem Unternehmen. Zudem machen die Folgen der über viele Monate anhaltenden Chipkrise dem Unternehmen noch immer Probleme.

Name Eissmann Automotive Deutschland GmbH
Gründung 1964
Hauptsitz Bad Urach, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer
Mitarbeiter 5.000 weltweit, 1.000 in Deutschland
Umsatz 454 Millionen Euro

Die am Mittwoch, 28. Februar, am Amtsgericht in Tübingen angemeldete Insolvenz gilt für die Eissmann Automotive Deutschland GmbH und deren deutsche Tochterunternehmen. Die ausländischen Tochtergesellschaften – das schwäbische Familienunternehmen produziert nach eigenen Angaben an 17 Standorten auf drei Kontinenten – sollen nach Möglichkeit aus der Insolvenz herausgehalten werden. Für die deutschen Mitarbeiter sind die Gehälter durch das Insolvenzgeld für drei Monate gedeckt. Wie es dann weitergeht, wird sich zeigen. Auch beim insolventen Raumausstatter TTL aus Heidenheim sind die Gehälter nur temporär gedeckt.

Insolvenz muss nicht mit Betriebsaufgabe enden – wie Beispiele zeigen

Trotz der Insolvenzanmeldung soll der Geschäftsbetrieb bei Eissmann Automotive so reibungslos wie möglich weiterlaufen. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde der Südwestpresse (swp) zufolge der Stuttgarter Rechtsanwalt Holger Leichtle von der Wirtschaftskanzlei GÖRG berufen. Das Ziel dürfte sein, einen Investor für den insolventen Autozulieferer zu finden. Die Insolvenzverwalter von Allgaier erklärten kürzlich, den Stammsitz im baden-württembergischen Uhingen vorerst gesichert zu haben.

Der Autozulieferer Eissmann Automotive hat mit seinen deutschen Gesellschaften Insolvenz angemeldet (Archivbild).

Die Entwicklungen der vergangenen Monate haben gezeigt, dass Insolvenzen zu unterschiedlichen Ausgangspunkten führen können. Während die Zahlungsunfähigkeit im schlimmsten Fall zur Einstellung des Geschäftsbetriebs führen kann, konnten auch einige Unternehmen durch ein Sanierungsprogramm gerettet werden. Ein Autozulieferer aus Baden-Württemberg wurde beispielsweise durch einen Investor gerettet, der auch alle Mitarbeiter übernahm.

Rubriklistenbild: © Bodo Schackow/dpa

Kommentare