Sparprogramm am Bodensee

Stellenabbau und Kostensenkung: Autozulieferer ZF will Milliarden sparen - und eine Sparte verkaufen

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Autozulieferer ZF will seine Kosten weltweit senken, um die Transformation zur E-Mobilität zu beschleunigen. Doch der Betriebsrat hat ein Wörtchen mitzureden.

Stuttgart/Friedrichshafen - Der Autozulieferer ZF, der unter einer erheblichen Schuldenlast leidet, plant, seine Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und seine Kosten zu senken. Wie ein Unternehmenssprecher laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Mittwoch erklärte, sollen die Kosten in den nächsten zwei Jahren um rund sechs Milliarden Euro reduziert werden. Dies würde ZF in eine günstigere Position für die anstehende Transformation zur E-Mobilität ab 2026 versetzen.

Fünf Hauptbereiche wurden vom Zulieferer aus der Bodenseeregion als Einsparpotenziale identifiziert: Preisvorteile im Materialeinkauf, Produktivitätssteigerungen in den Werken, Optimierung der Forschungs- und Entwicklungskosten, Verbesserung der Kostenstruktur in den Zentralbereichen und eine genaue Prüfung der Investitionsausgaben. Der Betriebsrat will die Sparpläne überprüfen und werde zunächst keine Stellungnahme abgegeben, so ein Sprecher des Gesamtbetriebsrats. Der ZF-Betriebsrat hatte die Sparplane bereits kritisiert und eine Forderung an die Konzernspitze gestellt.

Chef der ZF Friedrichshafen rechnet 2024 mit einem deutlichen Auftragsrückgang

Laut ZF-Chef Holger Klein hat das Unternehmen bereits im letzten Jahr damit begonnen, die Kosten zu senken. „Wir fliegen im Moment alle Economy, inklusive meiner selbst“, erklärte er bei einem Pressegespräch in Stuttgart. Die ersten Ergebnisse dieser Bemühungen werden sich laut Klein in den Geschäftszahlen für 2023 widerspiegeln. Der Manager prognostiziert einen Umsatz von über 46 Milliarden Euro, was einem Anstieg von etwa neun Prozent gegenüber 2022 entspricht. Trotz einer bereinigten operativen Rendite im oberen Bereich des Zielkorridors von 4,7 bis 5,2 Prozent, erwartet Klein ein schwieriges Jahr 2024.

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr1915
HauptsitzFriedrichshafen, Baden-Württemberg
BrancheAutomobilzulieferer, Mobilitätssysteme
GeschäftsbereicheAutomobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl164.869 (Stand: 2022)
Produktionsstandorte168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte\t19 in neun Ländern
Umsatz43,8 Milliarden Euro (2022)
Geschäftsführung\tHolger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Konkret rechnet der Chef des zweitgrößten deutschen Autozulieferers mit einem deutlichen Rückgang der Auftragszahlen. Die Programme sollen daher auch zukünftige Ergebnisse absichern. Die hohen Schulden des Konzerns sind der Hauptgrund für die Sparmaßnahmen. Mitte 2023 betrug die Verschuldung von ZF über elf Milliarden Euro. Dies ist hauptsächlich auf den Kauf des Autozulieferers TRW und des Bremsenspezialisten Wabco zurückzuführen. Der Konzern zahlt daher aktuell Hunderte Millionen Euro an Zinsen, die in Bereichen wie Forschung und Entwicklung fehlen.

ZF will Sparte verkaufen, in dem rund 20 Prozent der gesamten Belegschaft angestellt sind

Gleichzeitig muss der große Zulieferer, der mehrheitlich der Zeppelin-Stiftung der Stadt Friedrichshafen gehört, in den kommenden Jahren aber auch Milliarden investieren, um die Transformation zur E-Mobilität zu bewältigen. Aus diesen Gründen hat Klein auch den Zeitplan für den Verkauf der Sicherheitstechnik-Sparte des Konzerns konkretisiert. „Mitte des Jahres wären wir so weit für einen Investor oder für einen Börsengang“, erklärte der Manager. Bereits im Herbst 2022 hatte der Zulieferer angekündigt, die Division „Passive Sicherheitstechnik“, die hauptsächlich Sicherheitsgurte und Airbags produziert, aus der Konzernstruktur herauszulösen und zu verkaufen.

Autozulieferer ZF Friedrichshafen will seine Kosten in den nächsten zwei Jahren um rund sechs Milliarden Euro senken.

Klein gab jedoch keinen genauen Zeitpunkt für den Verkauf an und zeigte sich gelassen: „Auf Biegen und Brechen wollen wir es nicht loswerden“, sagte er. Wenn ZF operativ in der Lage sei, seine Schulden zu bewältigen und zu reduzieren, gäbe es keinen Druck. Es sei jedoch die bevorzugte Lösung. Daher befinde man sich in Gesprächen und beobachte den Kapitalmarkt. Die Sicherheitsdivision trug 2022 etwa ein Zehntel zum Umsatz von ZF bei. Rund 20 Prozent der fast 165.000 Mitarbeiter des Zulieferers waren 2022 in diesem Bereich tätig.

ZF-Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich hatte zuletzt wiederholt davor gewarnt, dass der Konzern in den kommenden Jahren mehr als 12.000 Stellen abbauen werde. Die Konzernführung wollte solche Zahlen nicht kommentieren.

Der Redakteur Julian Baumann hat diesen Artikel verfasst und anschließend zur Optimierung nach eigenem Ermessen ein KI-Sprachmodell eingesetzt. Alle Informationen wurden sorgfältig überprüft.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Robert Schmiegelt

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