Weltkonzern im Umbruch

ZF-Betriebsrat befürchtet drastischen Stellenabbau und stellt Forderung an Konzernspitze

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Bei der ZF Friedrichshafen ist derzeit einiges im Umbruch. Der Betriebsrat des Stiftungskonzerns kämpft gegen Stellenabbau, Werkschließungen und die Verlagerung ins Ausland.

Friedrichshafen - Im Januar hatten sich hunderte Mitarbeiter des Autozulieferers ZF Friedrichshafen in der Zeppelinstadt am Bodensee versammelt, um gegen Stellenabbau, Werkschließungen und die Verlagerung von Produktionsschritten ins Ausland zu protestieren. Bei der Kundgebung erklärte ZF-Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich, dass der Konzern allein in Deutschland bis 2030 mehr als 12.000 Stellen abbauen wolle. Grund für die Schieflage des zweitgrößten deutschen Autozulieferers sind zum einen Schulden aus milliardenschweren Übernahmen und zum anderen hohe Investitionen in die Transformation zur E-Mobilität.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Deshalb stellt die ZF Friedrichshafen erstmals in ihrer über einhundertjährigen Geschichte ganze Standorte auf den Prüfstand. Der Konzern kündigte an, den Standort in Gelsenkirchen Ende des Jahres schließen zu wollen – das Werk in Eitorf bis spätestens 2027. Im Interview mit der Schwäbischen Zeitung wiederholte Achim Dietrich seine Befürchtung eines drastischen Stellenabbaus in Deutschland und forderte, die beiden Standorte in Nordrhein-Westfalen zu erhalten. „Die Schließungspläne für Schalke und Eitorf werden den Konzern nicht retten“, machte der Betriebsratschef deutlich.

ZF-Betriebsrat trägt Sparprogramme nicht, wenn Preis für Stammbelegschaft zu hoch ist

ZF-Chef Holger Klein, der den schwäbischen Großkonzern derzeit durch einige Hindernisse steuern muss, hat den massiven Abbau von Arbeitsplätzen zuletzt nicht direkt bestätigt. Er erklärte lediglich, dass bis 2030 etwa 12.000 Stellen sozialverträglich ohne Kündigungen abgebaut werden könnten. Laut Achim Dietrich seien dem Gesamtbetriebsrat aber Folien gezeigt worden, laut denen von einem Beschäftigungsrückgang von mindestens 12.000 bis 2030 auszugehen sei. „Warum schreibt man denn ‚mindestens‘, wenn das Ganze nur ein Planungsszenario sein soll?“, fragt der Betriebsratschef im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung. „Wir gehen davon aus, dass das Unternehmen genau das vorhat – 12.000 Stellen bis 2030 streichen.“

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr1915
HauptsitzFriedrichshafen, Baden-Württemberg
BrancheAutomobilzulieferer, Mobilitätssysteme
GeschäftsbereicheAutomobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl164.869 (Stand: 2022)
Produktionsstandorte168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte\t19 in neun Ländern
Umsatz43,8 Milliarden Euro (2022)
Geschäftsführung\tHolger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Dass die ZF Friedrichshafen angesichts der hohen Schulden und der notwendigen Investitionen in Zukunftsbereichen sparen muss, ist kein Geheimnis. Laut Dietrich müssen solche Sparmaßnahmen, wie beispielsweise Auslagerungen in Billiglohnländer, aber transparent und nachvollziehbar sein. „Wir tragen Sparprogramme mit“, erklärte er. „Aber nicht, wenn der Preis für unsere Stammbelegschaft und für die Innovationskraft der ZF zu hoch ist.“ Entscheidend sei die Motivation der Belegschaft. Diese könne der Vorstand aber nicht aufrechterhalten, wenn er dauernd den Produktionsstandort Deutschland infrage stelle.

ZF-Betriebsratschef fordert Erhalt der Standorte in NRW – „die Manager machen es sich zu einfach“

Für besondere Unruhen in der Belegschaft des zweitgrößten deutschen Autozulieferers hat die Nachricht der beiden Werkschließungen in Nordrhein-Westfalen gesorgt. Ein Investorengespräch für Eitorf war Ende Januar gescheitert, weswegen die rund 700 Mitarbeiter weiter um ihre Zukunft fürchten. Als Grund für die angekündigten Werkschließungen nannte die ZF Friedrichshafen, dass die beiden Standorte nicht mehr wirtschaftlich seien. Betriebsratschef Achim Dietrich lässt das Argument aber nicht durchgehen. „Wir sagen: Beide Standorte erwirtschaften kein Defizit“, machte er deutlich. „Das Ammenmärchen von den Millionenverlusten stimmt einfach nicht.“

ZF-Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich hat seine Befürchtung eines drastischen Stellenabbaus wiederholt und fordert den Erhalt der Standorte in Deutschland. (Archivfoto)

„Wir fordern den Erhalt beider Standorte“, machte Achim Dietrich deutlich und erklärte, dass man in Eitorf beispielsweise mit einem Investor zusammenarbeiten könne und auf Schalke eine Neuansiedlung Arbeitsplätze retten könnte. „Die Schließungspläne für Schalke und Eitorf werden den Konzern nicht retten“, so Dietrich. „Die Manager machen es sich zu einfach, wenn ihnen nichts anderes als die Schließung von Standorten einfällt.“ ZF-Chef Klein hatte jüngst erklärt, dass neben den beiden genannten auch weitere Standorte auf dem Prüfstand stehen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Funke Foto Services

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