VonJulian Baumannschließen
Bei der ZF Friedrichshafen ist derzeit einiges im Umbruch. Der Betriebsrat des Stiftungskonzerns kämpft gegen Stellenabbau, Werkschließungen und die Verlagerung ins Ausland.
Friedrichshafen - Im Januar hatten sich hunderte Mitarbeiter des Autozulieferers ZF Friedrichshafen in der Zeppelinstadt am Bodensee versammelt, um gegen Stellenabbau, Werkschließungen und die Verlagerung von Produktionsschritten ins Ausland zu protestieren. Bei der Kundgebung erklärte ZF-Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich, dass der Konzern allein in Deutschland bis 2030 mehr als 12.000 Stellen abbauen wolle. Grund für die Schieflage des zweitgrößten deutschen Autozulieferers sind zum einen Schulden aus milliardenschweren Übernahmen und zum anderen hohe Investitionen in die Transformation zur E-Mobilität.
Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg




Deshalb stellt die ZF Friedrichshafen erstmals in ihrer über einhundertjährigen Geschichte ganze Standorte auf den Prüfstand. Der Konzern kündigte an, den Standort in Gelsenkirchen Ende des Jahres schließen zu wollen – das Werk in Eitorf bis spätestens 2027. Im Interview mit der Schwäbischen Zeitung wiederholte Achim Dietrich seine Befürchtung eines drastischen Stellenabbaus in Deutschland und forderte, die beiden Standorte in Nordrhein-Westfalen zu erhalten. „Die Schließungspläne für Schalke und Eitorf werden den Konzern nicht retten“, machte der Betriebsratschef deutlich.
ZF-Betriebsrat trägt Sparprogramme nicht, wenn Preis für Stammbelegschaft zu hoch ist
ZF-Chef Holger Klein, der den schwäbischen Großkonzern derzeit durch einige Hindernisse steuern muss, hat den massiven Abbau von Arbeitsplätzen zuletzt nicht direkt bestätigt. Er erklärte lediglich, dass bis 2030 etwa 12.000 Stellen sozialverträglich ohne Kündigungen abgebaut werden könnten. Laut Achim Dietrich seien dem Gesamtbetriebsrat aber Folien gezeigt worden, laut denen von einem Beschäftigungsrückgang von mindestens 12.000 bis 2030 auszugehen sei. „Warum schreibt man denn ‚mindestens‘, wenn das Ganze nur ein Planungsszenario sein soll?“, fragt der Betriebsratschef im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung. „Wir gehen davon aus, dass das Unternehmen genau das vorhat – 12.000 Stellen bis 2030 streichen.“
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 164.869 (Stand: 2022) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte\t | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 43,8 Milliarden Euro (2022) |
| Geschäftsführung\t | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Dass die ZF Friedrichshafen angesichts der hohen Schulden und der notwendigen Investitionen in Zukunftsbereichen sparen muss, ist kein Geheimnis. Laut Dietrich müssen solche Sparmaßnahmen, wie beispielsweise Auslagerungen in Billiglohnländer, aber transparent und nachvollziehbar sein. „Wir tragen Sparprogramme mit“, erklärte er. „Aber nicht, wenn der Preis für unsere Stammbelegschaft und für die Innovationskraft der ZF zu hoch ist.“ Entscheidend sei die Motivation der Belegschaft. Diese könne der Vorstand aber nicht aufrechterhalten, wenn er dauernd den Produktionsstandort Deutschland infrage stelle.
ZF-Betriebsratschef fordert Erhalt der Standorte in NRW – „die Manager machen es sich zu einfach“
Für besondere Unruhen in der Belegschaft des zweitgrößten deutschen Autozulieferers hat die Nachricht der beiden Werkschließungen in Nordrhein-Westfalen gesorgt. Ein Investorengespräch für Eitorf war Ende Januar gescheitert, weswegen die rund 700 Mitarbeiter weiter um ihre Zukunft fürchten. Als Grund für die angekündigten Werkschließungen nannte die ZF Friedrichshafen, dass die beiden Standorte nicht mehr wirtschaftlich seien. Betriebsratschef Achim Dietrich lässt das Argument aber nicht durchgehen. „Wir sagen: Beide Standorte erwirtschaften kein Defizit“, machte er deutlich. „Das Ammenmärchen von den Millionenverlusten stimmt einfach nicht.“
„Wir fordern den Erhalt beider Standorte“, machte Achim Dietrich deutlich und erklärte, dass man in Eitorf beispielsweise mit einem Investor zusammenarbeiten könne und auf Schalke eine Neuansiedlung Arbeitsplätze retten könnte. „Die Schließungspläne für Schalke und Eitorf werden den Konzern nicht retten“, so Dietrich. „Die Manager machen es sich zu einfach, wenn ihnen nichts anderes als die Schließung von Standorten einfällt.“ ZF-Chef Klein hatte jüngst erklärt, dass neben den beiden genannten auch weitere Standorte auf dem Prüfstand stehen.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Funke Foto Services

