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Bei der ZF Friedrichshafen brodelt es gewaltig. Betriebsratschef Achim Dietrich erwartet allein in Deutschland einen drastischen Stellenabbau in den kommenden Jahren.
Friedrichshafen - Beim zweitgrößten deutschen Autozulieferer ZF Friedrichshafen scheint sich die Lage immer weiter zuzuspitzen. Am Mittwoch (17. Januar) protestierten ZF-Mitarbeiter mehrerer Standorte gegen Werkschließungen und Stellenabbau am Konzernsitz in Friedrichshafen am Bodensee. Vorausgegangen waren unter anderem die Ankündigungen des Stiftungskonzerns, den Standort in Gelsenkirchen Ende 2024 und das Werk in Eitorf (beides Nordrhein-Westfalen) bis spätestens Ende 2027 schließen zu wollen. Allein davon sind 900 Mitarbeiter betroffen.
Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich hatte die angekündigten Werkschließungen bereits massiv kritisiert und am Mittwoch in Friedrichshafen seine Befürchtung eines Jobkahlschlags erneuert. „Der Vorstand will 12.000 Stellen in Deutschland in den nächsten sechs Jahren streichen“, sagte er laut dem Handelsblatt. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Arbeitnehmerboss vor einem radikalen Stellenabbau bei der ZF Friedrichshafen gewarnt. Als Grund für die Sparmaßnahmen wurden der Umsatzrückgang, die kostenintensive Transformation und die hohe Verschuldung des Konzerns genannt.
ZF Friedrichshafen will sich zu befürchtetem Jobkahlschlag nicht konkret äußern
Die IG Metall hatte mit Arbeitgebervertretern und dem Konzernvorstand der ZF Friedrichshafen sogenannte Zielbilder zur Zukunftssicherung vereinbart. Dennoch haben tausende Mitarbeiter am Stammsitz noch immer keine gesicherten Stellen. Auch dagegen und gegen die Verlagerung von Produktionsschritten und Arbeitsplätzen ins Ausland demonstrierten die Mitarbeiter am Mittwoch in der Zeppelinstadt. Gerichtet war die Aktion direkt an die Konzernspitze um CEO Holger Klein, die dem Betriebsrat zufolge bis 2030 in Deutschland jede vierte Stelle abbauen will.
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 164.869 (Stand: 2022) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte\t | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 43,8 Milliarden Euro (2022) |
| Geschäftsführung\t | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Die neue Personalchefin der ZF Friedrichshafen, die den Posten in einer turbulenten Zeit übernahm, wollte sich laut dem Handelsblatt zu den Befürchtungen des Betriebsrats nicht äußern. „Wir kommentieren keine Szenarien“, sagte Lea Corzilius demnach am Mittwoch. Dass der Weltkonzern aus Baden-Württemberg zum Sparen verdammt ist, steht aber außer Frage. Durch milliardenschwere Übernahmen, unter anderem vom US-Autozulieferer Wabco, ist ZF hoch verschuldet. Deshalb hatte das Unternehmen angekündigt, ganze Standorte und Sparten auf den Prüfstand stellen zu müssen.
ZF-Betriebsrat kritisiert Auslagerung von Verwaltungsaufgaben
Dem Bericht des Handelsblatts zufolge ist dem Betriebsrat der ZF Friedrichshafen noch ein weiteres Thema ein Dorn im Auge. Sowohl Personalchefin Lea Corzillius als auch CEO Holger Klein waren in der Vergangenheit bei der Unternehmensberatung McKinsey & Company angestellt. Dem Betriebsrat ist offenbar ein Dorn im Auge, dass Berater des Unternehmens im Konzern nach weiteren Sparmaßnahmen suchen. „Wir fragen uns schon, ob nicht inzwischen bei McKinsey die ZF geführt wird“, sagte Achim Dietrich und erklärte, dass die Auslagerung von Verwaltungsaufgaben ein Spiel mit dem Feuer sei.
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Obwohl es durch Werkschließungen, Stellenabbau und Auslandsverlagerungen bei der ZF Friedrichshafen derzeit besonders zu brodeln scheint, ist der Stiftungskonzern vom Bodensee mit den Problemen nicht allein. Autozulieferer Bosch hatte angekündigt, allein an zwei Standorten in Baden-Württemberg rund 1.500 Stellen abbauen zu müssen. Continental hat ebenfalls massive Sparpläne verkündet. Die Autozuliefererbranche steht demnach insgesamt vor einem sehr herausfordernden Jahr 2024.
Rubriklistenbild: © Gunnar M. Flotow/dpa/ZF-Gesamtbetriebsrat

