Keine Ruhe im Schwarzwald

Traditionsreichem Autozulieferer aus Baden-Württemberg könnte erneut Insolvenz drohen

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Dem erst kürzlich aus der vierten Insolvenz geretteten Felgenhersteller BBS könnte erneut eine Zahlungsunfähigkeit drohen. Mitarbeiter warten seit Wochen auf Lohn.

Schiltach - Beim Felgenhersteller BBS mit Sitz in Schiltach (Kreis Rottweil) kehrt einfach keine Ruhe ein. Nachdem der Autozulieferer aus Baden-Württemberg Ende September 2023 zum bereits vierten Mal Insolvenz angemeldet hatte, wurden das Unternehmen und die verbleibenden Mitarbeiter zum Jahresende durch die ISH Group mit Hauptsitz in Istanbul gerettet. Wie sowohl der Schwarzwälder Bote als auch die Neue Rottweiler Zeitung (NRWZ) übereinstimmend berichteten, könnte BBS nun die fünfte Insolvenz der langen Unternehmensgeschichte drohen.

Das 1970 im Schwarzwald gegründete Unternehmen und die gleichnamige Felgenmarke BBS haben eine lange Tradition. Unter anderem setzten in der Vergangenheit die beiden großen Autobauer aus Baden-Württemberg, Mercedes-Benz und Porsche, auf die Marke. Seit einiger Zeit kriselt es aufgrund von verschiedenen Faktoren aber gewaltig in Schiltach. Der Grund, warum nur knapp ein halbes Jahr nach der Rettung eine erneute Insolvenz drohen könnte, betrifft vor allem die ohnehin leidgeplagten Mitarbeiter.

Verbleibende 240 Mitarbeiter von BBS seit Mai nicht bezahlt – Betrieb steht still

Nach der Übernahme von BBS hatte der türkische Investor Ende des Jahres erklärt, BBS in eine neue Ära führen und nachhaltiges Wachstum fördern zu wollen. Zudem wurden durch den Einstieg alle noch verbleibenden Arbeitsplätze gerettet und der Hauptsitz von BBS blieb in Schiltach. Allerdings gab es offenbar Probleme mit den Markenrechten und BBS konnte die Produktion seiner Felgen nicht wie geplant fortsetzen. Wie die beiden genannten Quellen berichten, seien die verbleibenden rund 240 Mitarbeiter seit Mai nicht bezahlt worden. Der Betrieb sei aktuell stillgelegt.

Die Mitarbeiter von BBS wurden laut Berichten seit Mai nicht bezahlt, aktuell soll die Produktion in Schiltach stillstehen.
Name BBS automotive GmbH
Gründung 1970 (ursprüngliche Firma)
Hauptsitz Schiltach, Herbolzheim (Verwaltung), Baden-Württemberg
Inhaber ISH Group (seit 2023)
Produkte Felgen, Leichtmetallräder
Mitarbeiter 240
Insolvenzanmeldungen 2007, 2010, 2020, 2023

Aufgrund der fehlenden Gehaltszahlungen macht die IG Metall Freudenstadt bereits Druck auf den Autozulieferer und hatte eigentlich bereits für den 1. Juli eine finale Frist gesetzt. „Werden heute die fälligen Löhne für Mai und Juni nicht bezahlt, kann jemand Insolvenz beantragen“, sagte Gewerkschaftssekretär Stefan Prutscher der NRWZ. Aktuell seien die 240 Mitarbeiter von BBS zu Hause und die Produktion liege still. Der Betriebsrat habe nach Angaben der Zeitung per Brief an die Geschäftsführer und die Gesellschafter eine letzte Frist bis Donnerstag, 4. Juli, gesetzt.

Felgenhersteller BBS könnte laut IG Metall fünfte Insolvenz seit 2007 drohen

Die aktuelle Situation des Felgenherstellers BBS erinnert an die des Raumausstatters TTL OP mit Sitz in Heidenheim an der Brenz. Bei diesem gingen der offiziellen Insolvenzanmeldung Meldungen über das Ausbleiben von Mitarbeiterlöhnen voraus. Bei BBS liegt der Grund für die erneuten Zahlungsschwierigkeiten wie bereits beschrieben offenbar daran, dass es mit den Markenrechten aktuell noch Probleme gibt. Dem Bericht zufolge gibt es Klauseln, die besagen, dass im Falle einer Zahlungsunfähigkeit die Rechte nicht übertragen werden. Obwohl das abgewendet werden konnte, wird es mit der Übertragung der Rechte noch dauern.

BBS mit Sitz im beschaulichen Schiltach kommt nicht zur Ruhe. Es könnte die fünfte Insolvenz seit 2007 drohen.

Das Worst-Case-Szenario für BBS und die verbleibenden 240 Mitarbeiter wäre demnach die fünfte Insolvenzanmeldung seit der ersten im Februar 2007. Damals hatte der Autozulieferer aus dem Schwarzwald aufgrund des stark gestiegenen Aluminiumpreises einen massiven Gewinnrückgang zu verkraften. Später rutschte das Unternehmen unter anderem wegen einer Aufspaltung in die Zahlungsunfähigkeit. Bislang konnte BBS aber durch Investoren stets aus der Insolvenz gerettet werden. Im April wurde auch ein Autozulieferer aus Rheinland-Pfalz aus der Insolvenz gerettet, wodurch rund 220 Mitarbeiter aufatmen konnten.

Rubriklistenbild: © Patrick Seeger/dpa

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