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Der angekündigte drastische Stellenabbau bei SAP nimmt konkrete Formen an. In Deutschland lockt das Unternehmen mit großzügigen Abfindungen.
Walldorf - Der Softwarekonzern SAP mit Sitz in Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) befindet sich im Umbruch und will sich künftig verstärkt auf KI und das Cloud-Geschäft konzentrieren. Im Rahmen der Umstrukturierung hat das Unternehmen bereits im Januar einen weltweiten Stellenabbau angekündigt, der rund 8.000 Mitarbeiter betreffen soll. Bislang war allerdings unklar, wie hart die personellen Sparmaßnahmen den Standort Deutschland treffen werden, was jüngst jedoch publik wurde. Demnach sollen bei SAP allein in Deutschland 2.600 Stellen gestrichen werden. In ganz Europa sind mehr als 4.000 Arbeitsplätze betroffen.
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SAP-Chef Christian Klein hatte im Januar einen weiteren Stellenabbau beim Softwareriesen nicht ausgeschlossen, für die Mitarbeiter ist die Nachricht dennoch ein Schock. Im Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin Capital erklärte SAP-Betriebsratschef Eberhard Schick allerdings, dass sich manche Angestellte sogar darüber freuen würden, den Konzern zu verlassen. Das hängt mit den Abfindungen zusammen, die – wie auch die Gehälter bei SAP – sehr großzügig ausfallen sollen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es beim Softwarekonzern in Deutschland nämlich nicht geben, stattdessen setzt SAP auf ein Freiwilligenprogramm.
SAP zahlt rund 1,5 Monatsgehälter pro Betriebsjahr als Abfindung
Trotz der massiven Unruhen aufgrund der Umstrukturierung gehört die SAP 2024 zu den besten Arbeitgebern Baden-Württembergs. Dass es dennoch Mitarbeiter gibt, die den Konzern freiwillig verlassen wollen, hängt mit den Abfindungen zusammen. „Viele ältere Mitarbeiter freuen sich riesig, wenn sie demnächst mit einem goldenen Handschlag in Ruhestand gehen können“, führte Eberhard Schick im Capital-Interview aus. „Und SAP zahlt mit rund 1,5 Monatsgehältern pro Betriebsjahr so großzügige Abfindungen, dass es schon dumm wäre zu bleiben.“ Für das Programm hat das Unternehmen laut Schick zwei Milliarden Euro zurückgestellt.
| Name | SAP SE |
|---|---|
| Gründung | April 1972 |
| Hauptsitz | Walldorf, Baden-Württemberg |
| Branche | Software |
| CEO | Christian Klein |
| Mitarbeiter | 107.602 weltweit, davon 25.300 in Deutschland (2023) |
| Umsatz | 31,2 Milliarden Euro (2023) |
Der SAP-Betriebsrat geht davon aus, dass von den 4.000 Mitarbeitern, die für das Freiwilligenprogramm berechtigt sind, etwa die Hälfte das Angebot annehmen werden. Sorgen macht sich Schick nach eigenen Angaben aber über diejenigen, die es nicht annehmen. „Denn da könnte die Arbeitsbelastung steigen – auch wenn die SAP verspricht, bis Ende des Jahres wieder neue Leute einzustellen“, erklärte er. Ungünstig sei das Freiwilligenprogramm für die Mitarbeiter, die im vergangenen Jahr in Altersteilzeit gegangen seien, da sie nun nicht profitieren. „Aber das ist ein Luxusproblem.“
Stellenabbau bei SAP soll in Deutschland ohne Kündigungen auskommen
Die SAP ist das mit Abstand wertvollste börsennotierte Unternehmen Deutschlands. Durch geplante Investitionen von rund zwei Milliarden Euro in das Cloud-Geschäft sowie das Bestreben nach mehr Effizienz muss aber dennoch gespart werden. Dass der Stellenabbau in Deutschland größtenteils durch ein Freiwilligenprogramm sowie durch Umschulungen abgewickelt werden soll, teilte der Konzern bereits im Januar mit. „Wer geht, macht das freiwillig“, betonte Betriebsratschef Schick erneut. „Wir wollen die bestehende Beschäftigungsgarantie noch um zwei Jahre bis Ende 2026 verlängern.“
Abseits vom angekündigten Stellenabbau brodelt es bei Europas größtem Softwarekonzern aber auch an anderen Stellen. Zum einen hat CEO Christian Klein die Belegschaft zurück in die Büros beordert und zum anderen wurden angekündigte Benefits kurzfristig zurückgezogen. Der Abbau von 2.600 Stellen in Deutschland wird die Stimmung trotz großzügiger Abfindungen wohl eher nicht kitten können, zumal noch nicht geklärt ist, wie der Abbau an den anderen Standorten des Konzerns vollzogen werden soll. Die Umstrukturierung soll laut den Ankündigungen vom Januar aber bis Ende des Jahres abgeschlossen werden.
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