Freiwilligenprogramm

Stellenabbau bei SAP: Konzern lockt mit großzügigen Abfindungen

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Der angekündigte drastische Stellenabbau bei SAP nimmt konkrete Formen an. In Deutschland lockt das Unternehmen mit großzügigen Abfindungen.

Walldorf - Der Softwarekonzern SAP mit Sitz in Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) befindet sich im Umbruch und will sich künftig verstärkt auf KI und das Cloud-Geschäft konzentrieren. Im Rahmen der Umstrukturierung hat das Unternehmen bereits im Januar einen weltweiten Stellenabbau angekündigt, der rund 8.000 Mitarbeiter betreffen soll. Bislang war allerdings unklar, wie hart die personellen Sparmaßnahmen den Standort Deutschland treffen werden, was jüngst jedoch publik wurde. Demnach sollen bei SAP allein in Deutschland 2.600 Stellen gestrichen werden. In ganz Europa sind mehr als 4.000 Arbeitsplätze betroffen.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

SAP-Chef Christian Klein hatte im Januar einen weiteren Stellenabbau beim Softwareriesen nicht ausgeschlossen, für die Mitarbeiter ist die Nachricht dennoch ein Schock. Im Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin Capital erklärte SAP-Betriebsratschef Eberhard Schick allerdings, dass sich manche Angestellte sogar darüber freuen würden, den Konzern zu verlassen. Das hängt mit den Abfindungen zusammen, die – wie auch die Gehälter bei SAP – sehr großzügig ausfallen sollen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es beim Softwarekonzern in Deutschland nämlich nicht geben, stattdessen setzt SAP auf ein Freiwilligenprogramm.

SAP zahlt rund 1,5 Monatsgehälter pro Betriebsjahr als Abfindung

Trotz der massiven Unruhen aufgrund der Umstrukturierung gehört die SAP 2024 zu den besten Arbeitgebern Baden-Württembergs. Dass es dennoch Mitarbeiter gibt, die den Konzern freiwillig verlassen wollen, hängt mit den Abfindungen zusammen. „Viele ältere Mitarbeiter freuen sich riesig, wenn sie demnächst mit einem goldenen Handschlag in Ruhestand gehen können“, führte Eberhard Schick im Capital-Interview aus. „Und SAP zahlt mit rund 1,5 Monatsgehältern pro Betriebsjahr so großzügige Abfindungen, dass es schon dumm wäre zu bleiben.“ Für das Programm hat das Unternehmen laut Schick zwei Milliarden Euro zurückgestellt.

Name SAP SE
Gründung April 1972
Hauptsitz Walldorf, Baden-Württemberg
Branche Software
CEOChristian Klein
Mitarbeiter 107.602 weltweit, davon 25.300 in Deutschland (2023)
Umsatz 31,2 Milliarden Euro (2023)

Der SAP-Betriebsrat geht davon aus, dass von den 4.000 Mitarbeitern, die für das Freiwilligenprogramm berechtigt sind, etwa die Hälfte das Angebot annehmen werden. Sorgen macht sich Schick nach eigenen Angaben aber über diejenigen, die es nicht annehmen. „Denn da könnte die Arbeitsbelastung steigen – auch wenn die SAP verspricht, bis Ende des Jahres wieder neue Leute einzustellen“, erklärte er. Ungünstig sei das Freiwilligenprogramm für die Mitarbeiter, die im vergangenen Jahr in Altersteilzeit gegangen seien, da sie nun nicht profitieren. „Aber das ist ein Luxusproblem.“

Stellenabbau bei SAP soll in Deutschland ohne Kündigungen auskommen

Die SAP ist das mit Abstand wertvollste börsennotierte Unternehmen Deutschlands. Durch geplante Investitionen von rund zwei Milliarden Euro in das Cloud-Geschäft sowie das Bestreben nach mehr Effizienz muss aber dennoch gespart werden. Dass der Stellenabbau in Deutschland größtenteils durch ein Freiwilligenprogramm sowie durch Umschulungen abgewickelt werden soll, teilte der Konzern bereits im Januar mit. „Wer geht, macht das freiwillig“, betonte Betriebsratschef Schick erneut. „Wir wollen die bestehende Beschäftigungsgarantie noch um zwei Jahre bis Ende 2026 verlängern.“

Der Stellenabbau bei SAP soll mit einem Freiwilligenprogramm erfolgen. Dafür zahlt der Konzern großzügige Abfindungen.

Abseits vom angekündigten Stellenabbau brodelt es bei Europas größtem Softwarekonzern aber auch an anderen Stellen. Zum einen hat CEO Christian Klein die Belegschaft zurück in die Büros beordert und zum anderen wurden angekündigte Benefits kurzfristig zurückgezogen. Der Abbau von 2.600 Stellen in Deutschland wird die Stimmung trotz großzügiger Abfindungen wohl eher nicht kitten können, zumal noch nicht geklärt ist, wie der Abbau an den anderen Standorten des Konzerns vollzogen werden soll. Die Umstrukturierung soll laut den Ankündigungen vom Januar aber bis Ende des Jahres abgeschlossen werden.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Schoening

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