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Der Chemiekonzern Evonik soll radikal umgebaut und verschlankt werden. Von der Umstrukturierung betroffen ist auch ein Werk in Baden-Württemberg.
Essen/Rheinfelden - Die aktuellen wirtschaftlichen Probleme machen selbst vor den größten Unternehmen in Deutschland nicht halt. Schraubengigant Würth spürt die Probleme, will die Belegschaft aber weiter aufstocken. Der zweitgrößte deutsche Chemiekonzern Evonik, nach der BASF mit Sitz in Ludwigshafen, will nach eigenen Angaben durch eine Umstrukturierung des gesamten Konzerns finanzielle Puffer für neue Investitionen schaffen. „Wir arbeiten an unserer Bikini-Figur“, sagte Evonik-Chef Christian Kullmann dem Handelsblatt. „Evonik wird schlanker, schneller und zugleich internationaler.“
Für diese Verschlankung und für neues Kapital sollen unter anderem drei große europäische Standorte ausgelagert und ein Modell für die Umgestaltung des gesamten Unternehmens erarbeitet werden. Vor Umstrukturierung betroffen sind weltweit mehrere tausend Evonik-Mitarbeiter und auch das Werk in Rheinfelden (Kreis Lörrach) in Baden-Württemberg. Am Standort in Rheinfelden beschäftigt Evonik rund 1.200 Mitarbeiter, was den Chemiekonzern zu einem der größten Arbeitgeber am Hochrhein macht.
Chemiekonzern Evonik strukturiert um – auch Standort im badischen Rheinfelden betroffen
Chemiekonzerne haben es in der aktuellen Wirtschaftslage nicht leicht. Die BASF, die unter anderem auch Werke in Heidelberg und Freiburg sowie einen Forschungsstandort in Besigheim (Kreis Ludwigsburg) betreibt, will nach einem schwierigen Jahr in Deutschland tausende Stellen streichen. Auch die Bayer AG aus Leverkusen (Nordrhein-Westfalen) hat einen großen Umbauprozess gestartet. Bei Evonik soll konkret die Dienstleistung an den drei Standorten in Marl und Wesseling (Nordrhein-Westfalen) und im belgischen Antwerpen aus dem Konzern ausgegliedert werden. Das betrifft laut Handelsblatt allein rund 4.000 Mitarbeiter.
| Name | Evonik Industries AG |
|---|---|
| Gründung | 14. September 2006 |
| Hauptsitz | Essen, Nordrhein-Westfalen |
| Branche | Chemieindustrie |
| Leitung | Christian Kullmann (Vorstandsvorsitzender) |
| Mitarbeiter | rund 34.000 weltweit (2022) |
| Umsatz | 18,5 Milliarden Euro (2022) |
In Rheinfelden soll dagegen der Bereich für Technologie und Infrastruktur (TI) in standortübergreifende Technologieaktivitäten und eine standortbezogene Infrastruktur aufgeteilt werden, wie eine Sprecherin der Badischen Zeitung erklärte. „Wichtig ist, dass es sich hierbei nicht um ein Stellenabbau-Programm handelt“, stellte sie jedoch klar. Der Chemiekonzern hatte am Standort aber bereits im Juli Sparmaßnahmen angekündigt und bestimmte Stellen seitdem nicht mehr nachbesetzt. Zudem hieß es bereits im vergangenen Jahr, dass sich Evonik auf eine mögliche Rezession vorbereiten müsse, ein Stellenabbau wurde jedoch nicht befürchet.
| Name | Evonik-Werk Rheinfelden |
|---|---|
| Standort | Rheinfelden, Baden-Württemberg |
| Größe | 40 Hektar (entspricht etwa 68 Fußballfelder) |
| Mitarbeiteranzahl | 1.200 |
| Standort-Gliederung | Zweigeteilt: Werksteil Nord und Werksteil Süd |
| Produkte | Bleich- und Oxidationsmittel, Rohstoffe für Wasch- und Reinigungsmittel |
Evonik: Keine Kündigungen bis 2032 – Konzern will jedoch „in Zukunft weniger Führungskräfte haben“
Mit betriebsbedingten Kündigungen müssen auch die Mitarbeiter an anderen deutschen Evonik-Standorten, die rund zwei Drittel der weltweiten Belegschaft von rund 33.000 Angestellten ausmachen, vorerst nicht rechnen, da ein Kündigungsschutz bis 2032 besteht. Auch die Mitarbeiter von Bosch, ZF und Mahle sind vorerst vor betriebsbedingten Kündigungen sicher. Im Falle der Standorte in Marl, Wesseling und Antwerpen sollen die geschätzt rund 4.000 Mitarbeiter nach Abschluss der Umstrukturierung in die aus dem Konzern ausgelagerten neuen Betreibergesellschaften wechseln. Abgeschlossen sein soll die Auslagerung laut Handelsblatt in der zweiten Jahreshälfte 2025.
Obwohl demnach weder die Mitarbeiter im badischen Rheinfelden noch an den anderen deutschen Standorten einen Stellenabbau befürchten müssen, will der Chemiekonzern mit Hauptsitz in Essen die Belegschaft – vor allem in den höheren Positionen – neu aufstellen. „Wir werden in Zukunft weniger Funktionen und Führungskräfte haben“, machte CEO Christian Kullmann deutlich. „Sie sollen keine Sachbearbeiter mit Sternchen auf der Schulterklappe sein, sondern unternehmerisch handeln.“ Neben den genannten ist auch ein weiterer deutscher Chemiekonzern auf Sparkurs: Lanxess aus Köln hat angekündigt, Kündigungen in Deutschland nicht ausschließen zu können.
Rubriklistenbild: © Evonik Industries AG

