Fluktuation durch Neuausrichtung

Bosch-Chef: „Ende des Verbrenners“ führt zu Einsparungen im Personal

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Bosch steckt mitten in der Transformation zur E-Mobilität. Der Vorsitzende der Geschäftsführung Stefan Hartung macht keinen Hehl daraus, dass das im Personalbereich zu weiteren Einsparungen führen könnte.

Stuttgart - Wie groß die Herausforderungen durch die Transformation zur E-Mobilität wirklich sind, zeigte sich in diesem Jahr unter anderem beim weltgrößten Autozulieferer. Bei Bosch ging mehrfach die Sorge um einen drastischen Stellenabbau um, der Stuttgarter Technologiekonzern konnte sich im Juli mit der IG Metall aber für einen Kündigungsschutz bis 2027 für die deutschen Mobility-Standorte einigen. Diese Vereinbarung schließt betriebsbedingte Kündigungen vorerst aus, der schwäbische Weltkonzern muss aber dennoch auch beim Personal sparen. Ein Stellenabbau müsste in diesem Fall aber über sozialverträgliche Maßnahmen umgesetzt werden.

Vor wenigen Tagen hatte Bosch angekündigt, 2024 in Stuttgart-Feuerbach und Schwieberdingen mindestens 1.500 Arbeitsplätze abbauen zu müssen. Als Grund wurde vor allem der geringere Beschäftigungsbedarf bei der Produktion von Komponenten für die E-Mobilität angegeben. In einem Interview mit dem Handelsblatt sagte Bosch-Chef Stefan Hartung, dass er deshalb weitere Stelleneinsparungen in bestimmten Bereichen nicht ausschließen könne. Er hoffe jedoch, in Zukunftsfeldern Personal aufbauen zu können. Der Bosch-Chef hatte bereits in der Vergangenheit klargestellt, in Zukunft wohl weniger Mitarbeiter beschäftigten zu können.

Laut Bosch-Chef Stefan Hartung ist ein weiterer Stellenabbau in der von der Transformation betroffenen Bereichen nicht vermeidbar.

Lage ist laut Bosch-Chef anspruchsvoller als gedacht – „deshalb müssen wir handeln“

Für die Produktion von Komponenten für die E-Mobilität wird weniger und vor allem anders spezialisiertes Personal benötigt, was bereits seit langem in der Industrie deutlich kommuniziert wird. Für Unternehmen wie Bosch oder Mahle, die ihr Hauptgeschäft seither mit Komponenten für den Verbrennungsmotor gemacht haben, ist diese Umstellung besonders herausfordernd. „Die Lage ist anspruchsvoller als gedacht, deshalb müssen wir handeln“, sagte Bosch-Chef Stefan Hartung dem Handelsblatt. „Das Ende des Verbrenners ist in Europa für 2035 beschlossen. In diesem Bereich mit zu vielen Entwicklern weiterzuarbeiten, ergibt keinen Sinn.“

Name Robert Bosch GmbH
Gründungsjahr 1886
Gründer Robert Bosch
Leitung Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung
Hauptsitz Stuttgart, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte
Produkte (Auswahl) Bremsen, Einspritzsysteme, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte, Fahrerassistenzsysteme, Industrietechnik
Mitarbeiter420.300 (Ende 2022)
Umsatz88,4 Milliarden Euro (2022)

Bosch wendet sich mit elektrischen Antrieben, Lenksystemen oder dem Thermomanagement immer deutlicher den Feldern der E-Mobilität zu. Zum aktuellen Stand hängen die meisten Arbeitsplätze in der Mobility-Sparte aber nach wie vor am Verbrenner. „Es ist seit Langem klar, dass die Transformation große Auswirkungen auf die ganze Industrie haben wird – auch auf Bosch“, so Hartung. „Das bedeutet, dass wir in betroffenen Bereichen Stellenabbau nicht vermeiden können, während wir in Zukunftsfeldern hoffentlich weiter einstellen werden.“

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Bosch will trotz Stellenabbau an Standort Feuerbach festhalten – „bleibt auf jeden Fall wichtig“

Demnach kann der Bosch-Chef einen weiteren Abbau von Arbeitsplätzen in bestimmten Bereichen nicht ausschließen. Er machte jedoch deutlich, dass der Weltkonzern an der Vereinbarung mit der IG Metall festhalten werde. „Wir stehen zu unserer Standortsicherung bis 2027“, sagte Hartung. „Wir verzichten auf betriebsbedingte Kündigungen.“ Stattdessen werde der Stellenabbau, wie bei Bosch üblich, mit großer sozialer Verantwortung einhergehen. „Schön ist es trotzdem nicht“, erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung des Weltkonzerns in Bezug auf den angekündigten Stellenabbau in Stuttgart-Feuerbach und Schwieberdingen.

Ein Bosch-Mitarbeiter bringt im Werk Feuerbach Schlauchschellen am Fuel Cell Power Module an.

Der Bosch-Chef machte aber deutlich, am ältesten und größten Werk des Konzerns festhalten zu wollen. „Feuerbach bleibt auf jeden Fall wichtig“, sagte er. „Die Produktion ist dort über die Jahre kontinuierlich gesunken, zugunsten der Entwicklungsabteilungen. Jetzt müssen wir auch dort korrigieren.“ Das sei nicht zu vermeiden gewesen, komme nun aber schneller als gedacht. Bosch ist allerdings nicht der einzige große Autozulieferer, der aktuell zu kämpfen hat. Die ZF Friedrichshafen hat angekündigt, Ende 2024 einen ganzen Standort schließen zu wollen und auch Continental hat einen drastischen Stellenabbau in Aussicht gestellt.

Rubriklistenbild: © Robert Bosch GmbH

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